Die Wissenschaftler entdeckten die engen verwandtschaftlichen Verhältnisse anhand von Skelettresten von über 50 Menschen der Jungsteinzeit, die in der etwa zehn Hektar großen Siedlung Basta im Süden Jordaniens gelebt hatten (großes Bild).
Auf die Spur führte die Forscher eine Eigenheit der Kieferknochen, wie sie im Fachmagazin "Plos One" beschreiben: Bei mehr als einem Drittel der Gebisse fehlten die oberen seitlichen Schneidezähne - ein seltenes angeborenes Merkmal, das nur bei etwa ein bis zwei Prozent der Menschen auftritt. Daraus schlossen die Forscher, dass sich die Bewohner Bastas vor allem innerhalb ihrer Familie fortgepflanzt haben mussten - nur so konnte das seltene Merkmal fortlaufend weitervererbt werden. Dieser Schluss wurde durch Zahnschmelzanalysen bestätigt.
Endogamie nicht aus der Not geboren
Dass sich die Steinzeitmenschen aus soziokulturellen Gründen zur sogenannten Endogamie, der Fortpflanzung innerhalb der eigenen Familie, entschieden und dies nicht aus Isolation geschah, schließen die Forscher aus weiteren Funden an der Ausgrabungsstätte. Entdeckt wurden Materialien wie Türkis, Korallen aus dem Roten Meer und Obsidian, die laut der Wissenschaftler beweisen, dass die Menschen in Basta Teil eines gut ausgebauten regionalen Tauschsystems waren. Die Berge Jordaniens hätten kein Hindernis dargestellt und es habe Kontakt zu zahlreichen anderen Dörfern gegeben.
Nahrung blieb in der Familie
Die verwandtschaftliche Fortpflanzung sei eher auf den Beginn von Landwirtschaft und Viehzucht in der Jungsteinzeit zurückzuführen, vermuten die Forscher: Es sei für die Menschen nötig geworden, den Zugang zu wertvollen Ressourcen auf den Familienverband zu limitieren. Zudem sei Endogamie vermutlich ein Mittel gewesen, den Zusammenhalt in der Gruppe zu stärken und Streitigkeiten beiseitezuschaffen.
Ob sich die Ergebnisse auf Steinzeitmenschen in anderen Teilen der Welt übertragen lassen, sei noch unklar, so die Forscher. Bisher sei so ausgeprägte Endogamie wie in Basta nirgends sonst nachgewiesen worden.
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