Prozess in Hongkong

„Todesurteil“: 20 Jahre Haft für Jimmy Lai

Ausland
09.02.2026 08:55
Porträt von krone.at
Von krone.at

Medienmogul Jimmy Lai ist von einem Gericht in Hongkong hart bestraft worden und muss für 20 Jahre ins Gefängnis. Er war im Dezember wegen Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften und der Veröffentlichung aufrührerischer Publikationen schuldig gesprochen worden. Menschenrechtsaktivisten kritisieren das Strafmaß, dies komme für den 78-Jährigen einer Todesstrafe gleich. 

Kritiker betrachteten den Prozess als politisch motiviert und als weiteres Zeichen für den Abbau von Pressefreiheit und politischen Freiheitsrechten in der chinesischen Sonderverwaltungsregion.

Großes internationales Interesse am Prozess
Zur Verkündung des Strafmaßes kamen neben Lais Ehefrau, Teresa Lai, auch dessen Unterstützer wie der katholische Kardinal Joseph Zen. Der Prozess hatte seit dem Beginn im Dezember 2023 auch international große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Lai hat die Vorwürfe gegen ihn stets bestritten. Er sitzt seit 2021 im Gefängnis, nachdem ihn die Justiz zuvor bereits in anderen Verfahren zu zwei Haftstrafen verurteilt hatte.

Umstrittenes Gesetz ermöglicht hartes Durchgreifen
Der Verleger besitzt auch einen britischen Pass und ist Gründer der prodemokratischen Hongkonger Zeitung „Apple Daily“. Das Blatt wurde 2021 zwangsweise eingestellt, nachdem die Behörden der früheren britischen Kronkolonie wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das nationale Sicherheitsgesetz ermittelt hatten. Dieses umstrittenen, 2020 beschlossene Gesetz richtet sich gegen die Opposition sowie gegen Aktivitäten, die Pekings autoritäre Führung als umstürzlerisch, separatistisch, terroristisch oder verschwörerisch einstuft.

Lais Verteidigung hatte sich zuletzt um eine Strafmilderung bemüht. Medienberichten zufolge ging es dabei vor allem um den Gesundheitszustand des Angeklagten. Lais Verteidiger Robert Pang argumentierte mit gesundheitlichen Problemen seines Mandanten wie Bluthochdruck und Diabetes. Die Anklage hingegen wies Bedenken über eine Verschlechterung von Lais Zustand im Gefängnis zurück und sprach von einer „stabilen“ Verfassung.

„Praktisch ein Todesurteil“
Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Haftstrafe scharf. „Die harte 20-jährige Haftstrafe gegen den 78-jährigen Jimmy Lai ist praktisch ein Todesurteil“, erklärte die Asien-Leiterin der Organisation Human Rights Watch, Elaine Pearson. Die Strafe sei grausam und völlig ungerecht. Reporter ohne Grenzen (RSF) teilte mit, die Gerichtsentscheidung unterstreiche den „vollständigen Zusammenbruch der Pressefreiheit in Hongkong“.

Die Hongkonger Regierung weist den Vorwurf eines politisch motivierten Verfahrens zurück und betont, das Verfahren habe nichts mit der Pressefreiheit zu tun, sondern diene der Durchsetzung geltenden Rechts.

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