Fr, 19. Jänner 2018

Enttäuschende Gebote

18.01.2018 18:53

Hitlers Parade-Mercedes nun doch nicht verkauft

Sieben Millionen Dollar (rund 5,7 Millionen Euro) waren dem amerikanischen Besitzer offenbar nicht genug - damit bleibt er auf seinem Mercedes-Paradewagen, in dem sich Adolf Hitler einst bei öffentlichen Aufritten zujubeln ließ, sitzen. Die damals auch als "Super-Mercedes" bezeichnete Luxuslimousine, Baujahr 1939, sollte am 17. Jänner im US-Bundesstaat Arizona unter den Hammer kommen, doch das Höchstgebot enttäuschte die Erwartungen.

Eigentlich war der Wert des Wagens höher geschätzt worden, sieben Millionen Euro bilden das untere Ende der Expertenmeinungen. Der Erstbesitzer dürfte dann doch eher verhindert haben, dass sich die Gebote überschlagen.

Geschichtsträchtiges Meisterwerk
Der als "Grosser Offener Tourenwagen" bezeichnete Mercedes-Benz 770 war ein wichtiges Propagandasymbol im Dritten Reich. Meist ließ sich Hitler darin bei Paraden stehend an den jubelnden Massen vorbeifahren - so etwa 1940 in Berlin, als die Nationalsozialisten die Kapitulation Frankreichs feierten. Auch während eines Besuchs des italienischen Diktators Benito Mussolini kam das Fahrzeug mit dem Kennzeichen 1A 148461 zum Einsatz.

Vier Exemplare dieses 170 Stundenkilometer schnellen offenen Modells mit 7,7 Liter Hubraum wurden als "Führer-Fahrzeug" gebaut, insgesamt gab es 88 Exemplare des 770 (intern: W 150), darunter auch geschlossene Varianten, die schlicht "Großer Mercedes" genannt wurden. Der Wagen ist rundum gegen Beschuss geschützt und weist unter anderem eine drei Zentimeter dicke Windschutzscheibe auf. So brachte der Koloss an die fünf Tonnen auf die Waage. Die 20-Kammer-Reifen sind beschusssicher, aus Gründen der Haltbarkeit sollten sie nur mit maximal 80 km/h gefahren werden.

Der Mercedes 770 ist sechs Meter lang und weist einen Radstand von 3,88 Meter auf. Die beim Vorgängermodell W07 verwendete mechanische Betätigung der Trommelbremsen wurde durch eine hydraulische ersetzt, die Starrachse vorn wich einer Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern und hinten gab es eine De-Dion-Achse, werksintern Parallelradachse genannt. Im Gegensatz zum Vorgänger waren alle W 150 mit einem Kompressormotor versehen, dessen Leistung um 30 PS auf 230 PS gesteigert wurde.

Das Auto, das nun unter den Hammer kommen sollte, war gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Frankreich von den US-Streitkräften beschlagnahmt worden. Diese wussten allerdings nichts über seine Herkunft und brachten es in den Fuhrpark der Militärpolizei.

Nach dem Krieg war die Limousine für kurze Zeit im Besitz eines Belgiers, bevor er an eine Veteranenvereinigung in Greenville im US-Bundesstaat North Carolina verkauft wurde. Das Auto wechselte in den USA mehrmals den Besitzer, kehrte 2002 nach Europa zurück und wurde 2009 an einen russischen Milliardär verkauft. Über den aktuellen Besitzer machte das Auktionshaus Worldwide Auctioneers keine Angaben, aber es wird davon ausgegangen, dass der Wagen seit 2009 nicht noch einmal verkauft wurde.

Das Auktionshaus hatte stets betont, dass es bei der Versteigerung nicht darum gehe, Hitler zu verherrlichen. Vielmehr sollte eines der herausragenden Fahrzeuge des 20. Jahrhunderts gezeigt werden, das "von talentierten Menschen gebaut wurde und das Höchste der Handwerkskunst" zeige. Dass ein Objekt aus dem Besitz eines gestürzten Diktators gezeigt werde, sei zudem eine Würdigung der "Tapferkeit" der US-Soldaten.

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