So, 19. November 2017

Facebook-Blasen

23.10.2017 10:28

ÖVP- und FPÖ-Fans bleiben am ehesten unter sich

Die viel zitierte "Filterblase" war im Wahlkampf rissig. Von den auf den Facebook-Seiten der Spitzenkandidaten aktiven Usern haben nämlich zumindest 17 Prozent auf Postings mehrerer Parteichefs reagiert. Am ehesten unter sich blieben Fans von Sebastian Kurz (ÖVP) und Heinz-Christian Strache (FPÖ), wie eine APA-Analyse von 4,2 Millionen "Likes" und Kommentaren auf den Seiten der Spitzenkandidaten zeigt.

Am wenigsten Berührungsängste zeigten demnach die (mutmaßlichen) Anhänger der kleineren Parteien: Bei der Grünen Ulrike Lunacek haben im Wahlkampf 58 Prozent der aktiven Facebook-User auch auf Postings anderer Spitzenkandidaten reagiert. Bei NEOS-Chef Matthias Strolz waren es 59 und bei Peter Pilz 64 Prozent. Die meisten Überschneidungen gab es jeweils mit der Seite von Noch-Kanzler Kern. Und umgekehrt war mehr als ein Drittel der bei Kern aktiven User auch auf den Seiten anderer Politiker aktiv (37 Prozent) - besonders häufig bei Kurz (19 Prozent) sowie Strache und Pilz mit je über elf Prozent.

Am ehesten unter sich blieben die Fans von FPÖ und ÖVP: Nur etwas mehr als ein Viertel der bei Kurz aktiven User hat auch auf Postings anderer Kandidaten reagiert (29 Prozent), bei Strache waren es noch weniger (22 Prozent). Wobei Kurz die meisten Überschneidungen mit Strache hat - und umgekehrt: Fast jeder fünfte bei Kurz aktive User hat auch Postings von Strache "geliked" oder kommentiert.

"FPÖ- und ÖVP-Fans bilden ein relativ geschlossenes System"
Ähnliche Ergebnisse hat auch Roland Trnik von der Wiener Social-Media-Agentur Spinnwerk gemessen. "FPÖ- und ÖVP-Fans bilden ein relativ geschlossenes System", erklärt Trnik. Bei ihnen treffe das Bild von der Filterblase noch am ehesten zu. Weniger dagegen bei SPÖ und Grünen. Und die NEOS hätten überhaupt die stärksten Überschneidungen mit anderen Parteien. "Das spricht komplett gegen die Filterblasen-Theorie", so Trink.

Furcht vor "Echokammer" übertrieben
Auch Jakob-Moritz Eberl von der Universität Wien geht davon aus, dass die Furcht vor der "Echokammer" auf Facebook möglicherweise übertrieben ist. "Es gibt neuere Studien, die eigentlich zeigen, dass Facebook dabei hilft, mit unterschiedlichen Meinungen in Verbindung zu kommen." Verglichen mit einer Person, die "offline" ein bis zwei Zeitungen lese, werde man online eher mit Inhalten konfrontiert, die nicht der eigenen Meinung entsprechen.

 krone.at
Redaktion
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