Fr, 15. Dezember 2017

Ärger als gedacht

28.09.2015 11:58

Britische Spione sammeln Internet-Nutzungsprofile

Dass der britische Geheimdienst GCHQ im großen Stil Glasfaserkabel anzapft, um die Kommunikation der Internetnutzer abzuhören, ist seit den Enthüllungen des Ex-NSA-Agenten Edward Snowden hinlänglich bekannt. Neue Dokumente aus seinem Fundus zeigen nun, was die britischen Spione mit den abgefangenen Daten genau machen: Sie erstellen Profile der Internetnutzer, in denen ihre Internetradio-Vorlieben ebenso festgehalten werden wie verdächtige Google-Suchen oder Besuche auf Porno-Websites.

Der britische Geheimdienst betreibe nichts Geringeres als die wohl umfangreichste Überwachungs-Maschinerie der Welt, heißt es in einem Bericht des Enthüllungsportals "The Intercept". Ziel der Bemühungen des GCHQ sei es, die Nutzungsgewohnheiten "jedes sichtbaren Nutzers im Internet" zu protokollieren und daraus umfangreiche Personenprofile zu erstellen. In die Personenprofile fließen offenbar aufgerufene Websites, E-Mails, Chats, GPS-Daten und Infos aus sozialen Netzwerken ein, am Ende steht ein "Lebensmuster" des Internetnutzers.

Seit Jahren massive Lauschangriffe
Bereits vor sieben Jahren sollen britische Spione im Rahmen eines Überwachungsprogramms namens "Karma Police" so beispielsweise Hunderttausende Internetradio-Nutzer belauscht haben. Die Spione analysierten Webradio-Nutzer in 185 Ländern, suchten offiziell nach "möglichem Missbrauch" von Internetradiosendern für islamistische Propaganda - und den Zuhörern solcher Radiosender. Entdeckte Zuhörer wurden weiter unter die Lupe genommen.

In den Snowden-Dokumenten gibt es das Fallbeispiel eines ägyptischen Internetnutzers, der im Zuge des "Karma Police"-Programms ausgeforscht und analysiert wurde. Sein Profil enthielt nicht nur seine Internetradio-Vorlieben, sondern auch seine Lieblings-Websites: die Pornoseite Redtube, Blogspot, YouTube, Flickr und eine Website über den Islam. Erstellt werden diese Profile offenbar vor allem mithilfe von Metadaten. Schon vor drei Jahren sollen die britischen Spione pro Tag 50 Milliarden Metadaten gesammelt haben, die anschließend mit einzelnen Internetnutzern verknüpft wurden.

Metadaten und Cookies ergeben Profile
Die Verknüpfung der Metadaten - sie sagen aus, welche IP-Adresse welche Website wann aufgerufen hat - mit physischen Personen erfolgt mittels Cookies. Diese kleinen Dateien werden von Internetseiten erstellt, um Benutzerinformationen bei wiederholten Besuchen einer Website nicht jedes Mal neu sammeln zu müssen und sind offenbar ein gefundenes Fressen für Geheimdienste. Cookies von beliebten Websites wie Facebook, Google, Yahoo, Amazon, YouTube und sogar YouPorn sollen es den britischen Agenten ermöglicht haben, ihre Metadaten mit physischen Personen in Verbindung zu bringen.

Die Milliarden Datensätze zu Menschen auf der ganzen Welt werden im Bedarfsfall mit auch von der US-amerikanischen NSA verwendeter Spezial-Software durchsucht. Sie erstellt "Lebensmuster" aus den Daten, ermöglicht die gezielte Suche nach Personen mit aus Sicht der Geheimdienste verdächtigem Verhalten. Auffällig dabei ist laut "Heise", dass die britischen Spione nicht einmal vor der Überwachung der eigenen Bürger zurückschrecken und Gesetzeslücken ausnutzen, um auch ihrer Daten habhaft zu werden.

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