So, 17. Dezember 2017

Teilentwarnung

19.04.2012 11:22

Himalaya-Gletscher schmelzen weniger als angenommen

Die Himalaya-Gletscher schrumpfen weniger schnell als bis dato angenommen. Das habe eine aktuelle Vermessung der Eismassen mittels Satellitendaten ergeben, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science". Ein großes Gefahrenpotenzial bergen hingegen Ausbrüche von Gletscherseen, schreiben die Wissenschaftler.

Lückenhafte Kenntnisse verhinderten bisher genaue Aussagen und Prognosen. Insbesondere seit der Weltklimarat IPCC irrtümlicherweise ihr rasantes Abschmelzen bis 2035 prognostiziert hatte, standen die Himalaya-Gletscher im Fokus von Öffentlichkeit und Wissenschaft. Nun hat ein internationales Forscherteam um Tobias Bolch von der Universität Zürich den Wissensstand zusammengefasst.

Gletscherfläche kleiner als angenommen
Die aktuellsten Kartierungen mittels Satellitendaten haben ergeben, dass die Gletscher im Himalaya (im Bild der Mount Everest) und Karakorum eine Fläche von rund 40.800 Quadratkilometern bedecken. Diese Fläche entspricht rund dem Zwanzigfachen aller Alpengletscher zusammen, ist aber bis zu zwanzig Prozent kleiner als bisher angenommen wurde. Das liege, so Bloch, zur Hauptsache an fehlerhafte Kartierungen in früheren Untersuchungen.

Schwund-Szenarien waren übertrieben
Die Messungen bestätigen aber, dass die Schwund-Szenarien im letzten IPCC-Bericht übertrieben waren. Gemäß der aktuellen Studie nahmen die Längen der Gletscher in den vergangenen Jahrzehnten im Schnitt fünfzehn bis zwanzig Meter ab, die Fläche 0,1 bis 0,6 Prozent pro Jahr. Weiterhin sanken die Gletscheroberflächen um rund 40 Zentimeter pro Jahr ein.

"Dies entspricht dem globalen Mittel", fasste Bolch die neuen Resultate am Donnerstag in einer Mitteilung der Universität Zürich zusammen. "Die Mehrheit der Himalaya-Gletscher nimmt ab, aber deutlich weniger schnell als bisher prognostiziert." Aufgrund ihrer Analysen gehen die Forscher davon aus, dass sich der Gletscherschwund in den kommenden Jahrzehnten nicht wesentlich auf den Wasserabfluss der großen Ströme wie Indus, Ganges und Brahmaputra auswirken wird.

Gefahren durch Ausbrüche von Gletscherseen
Dennoch mahnt Bolch zur Vorsicht: Wegen des Gletscherschwundes würden die Wasserabflüsse mittelfristig stärker schwanken und einzelne Täler könnten saisonal trocken fallen. Mehrere hundert Millionen Menschen in Südasien sind von den Süßwasserspeichern der Himalaya-Gletscher abhängig. Entsprechend wichtig ist es, mögliche Auswirkungen von Klimaänderungen auf die Himalaya-Gletscher frühzeitig zu erkennen.

Zudem seien Wasser-und Geröllfluten von ausgebrochenen Gletscherseen - die neu entstehen oder sich rasch vergrößern - eine ernste Bedrohung für die lokale Bevölkerung. Zu ihrer Überwachung seien dringend verstärkte Anstrengungen nötig.

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