Sa, 24. Februar 2018

Touchen statt tippen

23.03.2012 16:21

So gut schlägt sich das neue Windows 8 auf dem Tablet

Tablets boomen, daher will jeder Hersteller ein Stück vom Kuchen abbekommen. Auch Microsoft, dessen erste Versuche, am Tablet-Markt Fuß zu fassen, Anfang 2010 noch gescheitert waren. Abhilfe verspricht sich der Software-Konzern nun mit seinem Windows 8, das die bunte Tablet- mit der Arbeitswelt vereinen soll und daher vor allem für jene interessant sein dürfte, die ihr Tablet nicht nur zum Surfen nutzen wollen. krone.at verrät, wie sich das neue Betriebssystem auf dem Tablet schlägt.

Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass Apple sein erstes iPad auf den Markt brachte. Inzwischen hat sich viel getan: Die anfangs von vielen zum Scheitern verurteilte Geräteklasse der Tablets hat sich prächtig entwickelt und vom belächelten Underdog zum gewinnbringenden Verkaufsschlager gemausert - zumindest für Apple. Längst schon spricht der kalifornische Konzern deswegen von einer "Post-PC-Ära", die das Aus für den stationären Desktop-Rechner - und wie dieser das Arbeitsleben zuletzt prägte - einläuten soll.

Die Zukunft, davon ist man bei Apple überzeugt, gehört mobilen Geräten wie dem Smartphone und dem Tablet. Das zeigt sich nicht nur an den zuletzt eher schwächelnden Verkaufszahlen bei klassischen Computern, sondern auch daran, dass Errungenschaften und Innovationen aus dem Tablet- und Smartphone-Bereich verstärkt auf dem PC Einzug halten. Apples jüngstes Mac OS X 10.8 Mountain Lion etwa bringt gleich mehrere von iPhone und iPad bekannte Funktionen auf den Mac.

Surfmaschine versus Arbeitstier
Doch bis zur endgültigen Ablöse des PCs haben Tablets noch mit einem entscheidenden Problem zu kämpfen: Sie haben den Ruf inne, reine auf das Konsumieren von Inhalten konzipierte Surf- bzw. Spaßmaschinen zu sein. E-Mails checken, facebooken, Angry Birds spielen? Alles wunderbar. Aber ernsthaft und vor allem rechenintensiv (Bildbearbeitung, Videoschnitt, Musik) damit arbeiten? Daran wollen viele Konsumenten noch nicht so recht glauben.

Denn obgleich sich viele, durchaus auch anspruchsvollere Aufgaben inzwischen auch bequem mit iPad und Co. bewältigen lassen, sucht man professionelle Anwendersoftware in den App Stores von Apple und Google bislang weitgehend vergeblich. Für viele, die ihren Computer oder ihr Notebook schon jetzt ausschließlich zum Surfen verwenden, mag dies entbehrlich sein. Andere hält die mangelnde Kompatibilität eines Tablets zu ihnen vertrauter Software, ganz zu schweigen von fehlenden Schnittstellen und Upgrademöglichkeiten, möglicherweise jedoch von einem Umstieg auf die modernen "Flachrechner" ab.

Für Tablets optimiert: Windows 8
Hier kommt nun Microsoft mit seinem Windows 8 ins Spiel. Das neue Betriebssystem der Redmonder soll das von Millionen Menschen auf der Welt gewohnte Windows-Arbeitsumfeld mit den Annehmlichkeiten eines Tablets kombinieren. Bereits mit Windows 7 hatte der Softwarekonzern versucht, auf Tablets Fuß zu fassen, doch die 1:1-Übertragung vom PC aufs Tablet scheiterte an der Bedienbarkeit: Windows 7 war bzw. ist auf einem Tablet schlichtweg nicht zu bedienen und damit nicht praktikabel.

Für Windows 8 überarbeitete man die Benutzeroberfläche daher von Grund auf, wobei man sich vom mobilen Windows-Ableger Windows Phone 7 und dessen Kachel-Optik inspirieren ließ. Das Ergebnis mag auf viele zunächst irritierend wirken und zum Kopfschütteln verleiten, weiß im Test auf einem Tablet - ein Samsung Slate - aber durchaus zu überzeugen.

Übersichtlich: Die neue Metro-Oberfläche
Wie auf einem Windows Phone bietet Windows 8 dank der bunten und großen Kacheln einen sofortigen Überblick über die wichtigsten Anwendungen und Informationen. Von links nach rechts reihen sich E-Mail-Client, Kontakte, Fotos, Musik, Videos, Spiele und mehr aneinander. Sogenannte Live-Tiles, eine weitere aus Windows Phone 7 bekannte Erfindung, informieren in Echtzeit über Neuerungen, darunter etwa das aktuelle Wetter, eingehende Nachrichten oder die nächsten Kalendereinträge - ohne dass die entsprechende App dafür geöffnet werden müsste.

Die Anordnung der Apps lässt sich beliebig verändern: Einmal kurz mit dem Finger darauf gedrückt, lassen sich die einzelnen Kacheln nach Herzenslust verschieben und auf der Oberfläche positionieren. Damit dabei der Überblick nicht verloren geht, kann mittels der bekannten Multitouch-Geste (Finger spreizen) raus- und reingezoomt werden. Über einen Wisch vom rechten Bildschirmrand zu dessen Mitte haben Nutzer überdies Zugriff auf eine Schnellbefehlsleiste - sei es, um Inhalte und Anwendungen zu suchen oder diese mit Freunden zu teilen oder um über die Einstellungen etwa Änderungen an Bildschirmoptionen vorzunehmen, das WLAN-Netz zu verwalten etc.

Noch immer ein Windows unter der Oberfläche
Mit einem Wisch von der gegenüberliegenden Seite zur Mitte lassen sich indes sämtliche zuletzt geöffneten Apps der Reihe nach durchschalten, was erstaunlich flüssig geht. Wer möchte, kann Anwendungen ähnlich der bekannten Snap-Funktion auch an eine Seite des Bildschirms heften und so mit anderen Inhalten gegenüberstellen. Hat man von einer Anwendung hingegen genug, genügt es, diese mittels Fingerstreich von oben nach unten zu schließen und so zur gewohnten Metro-Oberfläche zurückzukehren. Dass diese zuweilen mehr bereithält, als man anfangs vielleicht glauben mag, beweist ein Wisch in die entgegengesetzte Richtung, also von unten nach oben: Über eine Kontextleiste und den Befehl "Alle Apps" offenbart Windows 8 nämlich, dass es trotz aller Tablet-Anleihen ein waschechtes Windows geblieben ist.

In Form von Icons oder fein säuberlich nach Buchstaben und Anwendungsbereichen sortiert, kann bei Einblendung aller Apps im Handumdrehen von der Metro-Oberfläche aus auf den Windows Explorer und die gesamte dahinterliegende Verzeichnisstruktur, die Office-Palette, die Systemsteuerung, den neuerdings sichtlich aufgeräumteren und informativeren Taskmanager oder etwa die Kommando-Leiste zugegriffen werden, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Das geht per Finger ebenso gut wie mit der Maus, was all jene Skeptiker beruhigen dürfte, die bislang befürchtet hatten, dass Microsoft mit Windows 8 gleich sämtliche Tugenden über Bord werfen würde.

Zugegeben: Dass der von Windows 7 bekannte Start-Knopf fehlt, mag anfangs irritierend sein. Ebenso die Tatsache, dass bei der Bedienung per Maus nun nicht mehr die Bildschirmseiten, sondern deren Ecken angesteuert werden müssen. Großartig umzustellen braucht man sich jedoch nicht, zumal der bekannte Desktop ja nur einen Mausklick/Fingerzeig entfernt ist. Selbst der Startknopf und das Startmenü sind noch vorhanden, wenn auch etwas versteckt: Wer die Maus auf dem Desktop in die linke untere Bildschirmecke bewegt, bekommt eine Start-Schaltfläche eingeblendet, die mittels Rechtsklick Zugriff auf die vom Windows-7-Startmenü gewohnten Funktionen gewährt. Das neue Windows 8 tritt demnach zunächst einmal vor allem an der Metro-Oberfläche zutage, darunter verbirgt sich ein in großen Teilen bekanntes Windows 7.

Freie Auswahl zwischen Apps und Software
Für den Erfolg des Microsoft-Betriebssystems am Tablet-Markt entscheidend sind neben der entsprechenden Unterstützung seitens der Hardware-Hersteller vor allem zwei Dinge: das Angebot an Apps und seine Fähigkeiten als "Surfmaschine". Ersteres ist zum Start mit rund 10.000 Anwendungen noch vergleichsweise überschaubar, doch täglich werden es laut Microsoft 1.000 mehr. Dennoch: Die Qualität der ersten über den Windows Store downloadbaren Apps überzeugt. Geht man außerdem davon aus, dass man unter Windows 8 (Vorsicht: Dies gilt nicht für Tablets mit Windows RT auf Basis eines ARM-Prozessors) jede beliebige Windows-Software installieren und wie eine App auf den Startscreen pinnen kann, ist ein anfänglicher Mangel an Apps verschmerzbar.

Viel Platz zum Surfen: Der neue Internet Explorer 10
Für den Surfspaß wiederum hält Microsoft seinen neuen Internet Explorer 10 bereit, der nun ebenfalls an die Gepflogenheiten einer Nutzung per Tablet angepasst wurde. Dies macht sich in erster Linie durch große Bedienleisten und Buttons bemerkbar, die bei Nicht-Gebrauch jedoch dezent im Hintergrund verschwinden, um den Blick auf den Bildschirm freizugeben. Während sich Internetadressen über eine Leiste am unteren Bildschirmrand eingeben lassen, zeigt eine von oben ins Bild ziehbare Leiste die zuletzt geöffneten Registerkarten an. Wie bei Windows 7 und auch Windows Phone 7 gilt auch hier, dass sich einzelne Websites auf dem Startbildschirm als App/Verknüpfung anheng>
Die 90-Tage-Testversion von Windows 8 (zum Download geht es hier) zeigt sich ausgereift und funktioniert bis auf gelegentliche App-Abstürze nicht nur tadellos, sondern vor allem – wie Windows Phone 7 auf dem Smartphone auch – äußerst flüssig, und zwar vom Einschalten weg. Die großen Kacheln sind wie geschaffen für die Bedienung per Fingerzeig, hübsch anzusehen und dank Live-Tiles noch dazu informativ, sodass oftmals bereits ein kurzer Blick genügt, um sich auf den neuesten Stand zu bringen.

Etwas anders die Bedienung per Maus: Hier ist einiges Umdenken bzw. Umlernen erforderlich, um in, durch und auf der neuen Oberfläche zu navigieren. Und dennoch: Die wichtigsten Windows-Funktionen (Stichwort: "Alle Apps") sind auch mittels Maus im Handumdrehen aufrufbar – mitunter wahrscheinlich sogar schneller als über das von vielen lieb gewonnene Startmenü. Als mitunter irritierend erweist sich allerdings das Wechselspiel zwischen altem Desktop und neuem Startbildschirm: Immer wieder findet man sich unverhofft auf dem einen wieder, obwohl man doch gerade noch auf dem anderen war.

Tablet- und Arbeitswelt unter einem Hut
Microsoft ist mit Windows 8 dennoch auf einem sehr guten Weg, die spaßige und bunte Tablet- mit der Arbeitswelt zu kombinieren und unter einen Hut zu bringen. Besonders gut gefällt die Anbindung an Microsofts Online-Dienste, allen voran die virtuelle Festplatte Skydrive, über die sich problemlos Dateien aller Art über mehrere Rechner hinweg abrufen und synchronisieren lassen. Gleiches gilt für Mails, Kalendereinträge und Kontakte, die verschiedene Quellen übersichtlich und gut strukturiert bündeln. Kurzum: Die Chancen stehen gut für Microsofts Windows 8, den Tablet-Markt aufzumischen. Interessant dürfte das Betriebssystem dabei vor allem für Business-Kunden und all jene sein, die mit ihrem Tablet nicht nur Spaß haben wollen, sondern auch damit arbeiten.

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