So, 19. November 2017

Es ist so weit

09.03.2012 12:24

Wieder allein daheim: Hilfe, mein Kind zieht aus!

Wenn das eigene Kind auszieht, ist das für die meisten Eltern mit gemischten Gefühlen verbunden. Einerseits hat man sich in den vergangenen Jahren vielleicht immer wieder schon auf den Augenblick gefreut, wenn man ein bisschen mehr Ruhe und Zeit für sich hat. Andererseits wird einem der Nachwuchs fehlen. Und nicht zuletzt spielt auch die Sorge um das Kind eine Rolle. Mit ein paar Tipps und Spielregeln kann man mit der Situation besser umgehen.

Wie der Auszug des Kindes erlebt wird, ist von einigen Faktoren abhängig. Zunächst spielt das Alter des Kindes eine große Rolle: Zieht es gleich mit 18 aus, ist das mit mehr Sorge verbunden als mit Mitte 20, wenn man den Auszug schon eher herbeisehnt. Auch ist die Selbständigkeit des Nachwuchses ein großes Thema: Weiß man, dass das Kind sich schon gut selbst organisieren kann und auf eigenen Beinen steht, wird das leere Kinderzimmer ganz anders wahrgenommen werden, als wenn das Kind noch eher unbeholfen in sein eigenes Leben startet.

Genauso ist die Situation von einem eventuell vorhandenen Partner des Kindes abhängig, mit dem man sich versteht oder eher nicht. Und nicht zuletzt hängt auch viel davon ab, wie sehr man in den letzten Jahren sein Leben nur um das Kind herum aufgebaut hatte: Haben die Eltern bereits wieder begonnen, ihren Hobbys auch ohne Nachwuchs im Schlepptau nachzugehen, wird der Auszug meist nicht als dramatisch empfunden.

Unterstützung anbieten
Oft ist die erste eigene Wohnung für das nun erwachsene Kind ein großer Punkt der Abnabelung. Du solltest daher respektieren, wenn dein Kind nun seine eigenen Entscheidungen in diesem Zusammenhang trifft. Biete aber deine Unterstützung an, ohne dich aufzudrängen. Denn auch wenn die Eigenständigkeit im Vordergrund steht, sind viele junge Erwachsene froh, wenn man ihnen mit kleinen Tipps zur Seite steht bzw. als Umzugshelfer mitwirkt.

Du kannst manche Punkte einfach beiläufig ins Gespräch einfließen lassen – damit wird dein Kind darauf aufmerksam und kann selbst entscheiden, was es umsetzt. Sind alle monatlichen Zahlungen geregelt? Ist die Adressänderung bekannt gegeben? Wie organisiert man sich am besten in puncto Einkauf und Haushalt? Diese Dinge sind vielen jungen Erwachsenen unklar oder es ist ihnen noch gar nicht bewusst, dass man sich auch darum kümmern sollte. Respektiere aber auch, wenn deine Hilfe nicht gebraucht wird – das ist nicht böse gemeint, man will dich nicht ausschließen. Deinem Kind ist nur wichtig, sich selbst zu behaupten und zu zeigen, dass es mit seiner neuen Situation zurecht kommt und unabhängig ist.

Kontakt definieren
Viele Eltern machen sich Sorgen, nun nichts mehr vom Kind mitzubekommen. Diese Sorge ist meist unbegründet. Erstens sind Kinder immer sehr erfinderisch, wenn es um die Geheimhaltung von Informationen geht, die die Eltern ihrer Meinung nach nichts angehen. Das heißt, du hast wahrscheinlich auch im gemeinsamen Haushalt bei Weitem nicht alles erfahren, was dein Kind bewegte. Und zweitens wird durch den Abstand zueinander nicht selten das Verhältnis zwischen Eltern und Nachwuchs sogar besser: Man erlebt die Zeit miteinander wieder bewusster, erzählt einander die Highlights aus dem gegenseitigen Alltag. Und gerät nicht mehr wegen Kleinigkeiten wie Unordnung oder Unpünktlichkeit aneinander. Einigt euch einfach darauf, wie oft ihr euch hören bzw. sehen wollt. Überfordere dein Kind jedoch nicht mit zu viel Kontakt – gerade in der ersten Zeit ist es normal, dass dein Kind sein neues, eigenes Leben als sehr intensiv empfindet und der Kontakt daher eher etwas spärlicher ausfällt.

Auch solltest du keine besorgten Kontrollanrufe oder gar überraschende Besuche durchführen. Mit solchen Aktionen machst du die Beziehung zu deinem Kind kaputt. Denn die Botschaft ist: "Ich traue dir nicht zu, dass du es alleine schaffst." Das führt dazu, dass sich dein Kind zurückzieht. Wenn du zu Besuch kommst, solltest du das wirklich auch als Besuch empfinden: Blende Unordnung, trockene Blumen, merkwürdige Möbel, Bilder usw. einfach aus - bei Freunden würdest du diese ja auch nicht thematisieren, oder?

Wenn du wirklich das Gefühl hast, dein Kind kommt nicht zurecht, solltest du es vorsichtig darauf ansprechen. Zeige ihm auf, warum der Eindruck bei dir entsteht, und biete deine Hilfe an. Signalisiere, dass deine Tür immer offen steht – die Entscheidung, sich helfen zu lassen, muss jedoch von deinem Kind kommen.

Ins eigene Leben zurückfinden
Sieh es so: Du hast nun Zeit für dich gewonnen. Du kannst dich nun wieder auf dein Leben und deine Bedürfnisse konzentrieren. Suche dir ein Hobby, genieße es, jederzeit mit Freunden oder mit dem Partner etwas unternehmen zu können, ohne entweder einen Babysitter oder für Verpflegung für dein Kind sorgen zu müssen. Freu dich - für dich selbst und für dein Kind. Denn die erste eigene Wohnung ist einfach etwas Wunderbares. Und die eigene Wohnung wieder für sich allein zu haben doch irgendwie auch, oder?

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