Fr, 24. November 2017

Internet- und 3D-TV

03.09.2010 13:31

Fernseh-Zukunft, Tablet & E-Book im Zentrum der 50. IFA

Zur Internationalen Funkausstellung in Berlin ist der Kampf um die Zukunft des Fernsehens voll entbrannt. Das Internet stürmt die letzte Bastion der Medienbranche, die es noch nicht umgekrempelt hat: den klassischen Fernsehempfang. Die Vision ist, dass der Zuschauer sich nahtlos zwischen TV-Sendungen und Online-Video bewegen kann. Ein weiterer Schwerpunkt der 50. IFA ist der 3D-Trend mit Fernsehern, Digicams und Camcordern, außerdem spielen Smartphones und die neuesten Tablets eine große Rolle. Auch E-Books und die dafür benötigten Reader zählen zu den Zukunftshoffnungen.

Über die Verschmelzung von Fernsehen und Online-Video wurde seit Jahren gesprochen, doch jetzt kommt auf einmal richtig Schwung in die Entwicklung. Die Anbieter überschlagen sich mit Angeboten, jeder will sich sein Stück Neuland sichern. Für den Zuschauer bedeutet das mehr Auswahl im TV - und er wird sich wieder einmal neue Geräte besorgen müssen.

In Europa ist HbbTV neuer Standard, mit dem Sender und Gerätehersteller ein Formatchaos vermeiden wollen. In Deutschland wird dieses System als erstes vom ZDF und der Sendergruppe ProSiebenSat.1 genutzt. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen will Inhalte aus der Online-Mediathek miteinbeziehen, das private hingegen solche der Online-Videothek Maxdome. Beim ZDF wird kein zusätzliches Gerät nötig, Fernbedienung und Fernseher genügen - letzterer muss allerdings HbbTV-tauglich sein. Der Schauplatz des Zukunftskampfes liegt jedoch vor allem in den USA, dem Land, in dem die meisten international verkauften TV-Serien produziert werden - und jährlich 70 Milliarden Dollar in Fernsehwerbung fließen. Letztlich wird es um die Neuverteilung dieser gewaltigen Geldströme gehen.

Amazon bastelt an Internet-Fernsehen
Neueste Nachricht: Auch der weltgrößte Online-Händler Amazon.com soll an einem eigenen Internet-TV basteln. Amazon verhandele mit mehreren Medienkonzernen, um Fernsehsendungen, Filme und Serien online auf Sendung bringen zu können, berichtete das "Wall Street Journal".

Apple setzt auf Box - Google will YouTube ausbauen
Mit einer runderneuerten iPod-Palette geht Apple ins diesjährige Weihnachtsgeschäft. Konzernchef Steve Jobs stellte die Geräte am Mittwoch in San Francisco vor. Die größte Veränderung gibt es beim Modell iPod nano, das stark schrumpft und einen Touchscreen erhält. Das Top-Modell iPod touch ähnelt nun stark dem neuen iPhone. Für Aufsehen sorgte das neue iTunes, das schon bald dem Mega-Netzwerk Facebook Konkurrenz machen soll. Nicht locker lassen möchte der US-Konzern auch beim bislang wenig erfolgreichen Thema "Apple TV". Jobs stellte eine neue Version der Wohnzimmer-Box vor, die nur mehr die Hälfte des ursprünglichen Preises kosten soll. Auch Google will im Herbst auf einer eigenen Plattform Fernsehen und Internet verschmelzen - und zu dem Konzern gehört schließlich die führende Onlinevideo-Website YouTube.

Sony stellt Apple-Konkurrenz vor
Ebenfalls auf das Internet setzt der japanische Elektronik-Konzern Sony, der auf der IFA seinen neuen Musik- und Videodienst "Qriocity" vorgestellt hat. Mit dem Service können User Dateien virtuell mieten, sie werden serverseitig von Sony verwaltet (siehe Infobox).

3D-Trend als weiterer IFA-Mittelpunkt
Auf der IFA wird auch noch eine weitere Neuheit im Mittelpunkt stehen: 3D. Neben 3D-Digicams, -Camcordern und -Notebooks sollen vor allem 3D-Fernseher endgültig die Herzen der IFA-Besucher erobern. Nach dem überragenden Erfolg von dreidimensionalen Kinofilmen wie "Avatar" will die Industrie die Technik auch schnell in die Wohnzimmer bringen. 3D-taugliche Fernseher sind bereits im Handel, nur das Angebot an entsprechenden Filmen ist noch sehr dünn. Auf der Messe wird man die Technik an vielen Ständen ausprobieren können. Dann können die Zuschauer auch entscheiden, ob sie tatsächlich bereit sind, für das 3D-Erlebnis mit einer Spezialbrille im Wohnzimmer zu sitzen. Laut Umfragen jedenfalls stört das viele nicht.

Smartphones und Tablets ebenfalls in Berlin
Weiterhin ungebrochen ist der Boom der Smartphone-Branche, in der sich Platzhirsch Apple mit dem iPhone gegen allerlei Konkurrenten, die auf das offene Betriebssystem Android setzen, behaupten muss. Auch Microsoft mischt mit seinem Windows Phone 7 mit. Ebenfalls an Apple messen lassen müssen sich Tablet-Hersteller, dem iPad versuchen sie ebenfalls mit offenen Betriebssystemen und oftmals einem günstigeren Anschaffungspreis beizukommen (siehe Infobox).

E-Books und ihre Reader vor dem Durchbruch
Auf der IFA wurden zahlreiche neue E-Book-Reader vorgestellt. Bei den klassischen Modellen mit der bisher auf Graustufen beschränkten Display-Technik E-Ink aktualisiert Sony seine bisherigen Modelle mit den Bezeichnungen Pocket Edition (Bildschirmdiagonale von 5 Zoll) und Touch Edition (6 Zoll). Beide haben einen Touchscreen, werden also mit dem Finger auf dem Bildschirm bedient, und versprechen eine besonders kontrastreiche Darstellung, sie sollen zwischen 179 und 229 Euro kosten.

Der von libri.de präsentierte Acer LumiRead (6 Zoll) mit Unterstützung für WLAN und UMTS soll 249 Euro kosten. Der koreanische Hersteller Iriver, bisher vor allem mit MP3-Playern bekanntgeworden, zeigt auf der IFA ebenfalls einen E-Book-Reader, der seine Schmöker nach Kindle-Vorbild über Mobilfunk beziehen kann. Weitere neue Anbieter sind Medion und auch der Buchhändler Thalia mit einem eigenen Gerät. Gleich fünf E-Reader hat am Freitag der ukrainische Hersteller PocketBook vorgestellt, mit Bildschirmgrößen von 6 bis 10 Zoll, Preise stehen noch nicht fest.

Größter Treffpunkt der Unterhaltungselektronik-Branche
Für das Publikum öffnet die Messe am Freitag und läuft bis zum 8. September. Der Mittwoch und der Donnerstag waren der Presse und Fachbesuchern vorbehalten. Zahlreiche Neuheiten wollen auch Hersteller von Hausgeräten präsentieren, die inzwischen fest zum IFA-Programm gehören. Die Schau unter dem Berliner Funkturm gilt als weltgrößter Treff der Unterhaltungselektronik-Branche. In diesem Jahr werden zehn Prozent mehr Aussteller erwartet. 2009 waren es 1164. Zu verdanken ist das vor allem dem boomenden TV-Absatz.

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