Di, 24. April 2018

Neue Softail-Reihe

15.04.2018 13:43

Harley-Davidson Sport Glide: Echt erstaunlich

Bei Harley-Davidson verschmelzen die Welten. Was früher bei den Fahrern anderer Marken als unfahrbare Krapfen verschrien war, ohne Bremsen und Fahrwerk, hat solche Schmähungen schlichtweg längst nicht mehr verdient. Nicht erst, seit die Softail-Reihe jüngst völlig neu herauskam. Diese hat zur aktuellen Saison eine neunte Ausprägung bekommen: Die Sport Glide vereint die Welt der Tourer und der Cruiser - und das ist simply clever!

Es ist kein Zufall, dass mir der von Skoda geprägte Marketing-Spruch zu einer Harley-Davidson einfällt, denn das, wie sich die US-Marke aufstellt, ist durchaus mit Volkswagen zu vergleichen. Konkret: Die Softail-Reihe könnte man als Pendant zum „Modularen Querbaukasten“ des Wolfsburger Konzerns vergleichen, denn die mittlerweile neun verschiedenen Modelle, die allesamt Softails sind, sind locker so unterschiedlich wie VW Polo, Seat Ibiza, Seat Leon, VW Golf, VW Passat etc.

Wer Street Bob, Low Rider, Softail Slim, Fat Bob, Fat Boy, Breakout, Deluxe, Heritage Classic und Sport Glide anschaut, kommt kaum auf die Idee, dass sie im Kern alle das gleiche Bike sind, nämlich die „Softail“, welche wiederum eine von vier Baureihen ist. Das macht es für Nicht-Insider etwas unübersichtlich, was die Berührungsängste mit der Marke wahrscheinlich verstärken dürfte. Wer sich aber heranwagt an das Milwaukee-Universum, dürfte überrascht sein davon, was er hier vorfindet.

Sieht aus wie ein ungefedertes Heck
Alles Softails gemeinsam ist, dass sie aussehen, als wäre das Hinterrad ungefedert. Tatsächlich befindet sich aber ein Zentralfederbein an der Schwinge, das von außen nicht zu sehen ist. Dessen Federvorspannung ist sogar einstellbar, je nach Modell unter dem Sitz oder per hydraulischem Drehrad auf der rechten Seite neben dem Seitendeckel.

Alle Softails haben außerdem vorne wie hinten LED-Beleuchtung, eine USB-Buchse am Lenker und Keyless Ride, d.h. der Zündschlüssel bleibt in der Hosentasche. Dank neuem Rahmen bringen sie bis zu 17 kg weniger auf die Waage als ihre Vorgänger. Ansonsten sind die Unterschiede riesig, nicht nur optisch, sondern auch im Fahrverhalten.

Sport Glide: Zwei Bikes in einem, dank abnehmbarem Windschild
Die jüngste Softail-Harley ist die Harley Davidson Sport Glide. Sie ist auf den ersten Blick ein klassischer Bagger, mit abgeschnittener bzw. nur angedeuteter Scheibe am Windschild, fix montierten Seitenkoffern und nach hinten abfallender Linie.

Sowohl die Verkleidung als auch die 25-Liter-Koffer sind jedoch mit wenigen Handgriffen, ohne Werkzeug, in Sekundenschnelle abzunehmen. Dadurch ändert sich der Charakter der Sport Glide ganz grundlegend.

Bärenstarker V2-Motor
Angetrieben wird die Sport Glide vom neuen, Milwaukee-Eight 107 genannten 45-Grad-V2-Motor mit Luft-/Öl-Kühlung. 107 steht für den in cubic inch gemessenen Hubraum, was 1745 ccm entspricht. Er mobilisiert 84 PS und vor allem 145 Nm ab 3250/min., die per Zahnriemen an das Hinterrad übertragen werden. Prinzipiell gibt es für die Softail-Reihe auch einen Milwaukee-Eight 114 (1868 ccm), der steht in der Sport Glide aber nicht zur Verfügung. Das Sechsganggetriebe wird per klassischem Schalthebel geschaltet, nicht per Fußwippe.

Als einzige Softail hat sie einen Zwei-in eins-Schalldämpfer, der wohl den „Sport“ im Namen unterstützen soll. Weitere Besonderheit ist die Upside-Down-Gabel, die sonst nur das Vorderrad der Fat Bob führt.

Und wie fährt sich das?
Eines gleich vorweg: Sie fährt nicht nur geradeaus, sondern auch um Kurven und sogar mit so etwas wie Schräglagenfreiheit. Die ist zwar konzeptbedingt begrenzt, aber die Sport Glide ist kein träges Schiff, das vor Kehren kapituliert, sondern reißt einen auch dann nicht aus der Tiefenentspannung, wenn es eng wird.

Entspannung ist das, was die Harley vermittelt. Der V2 pocht mit der richtigen Dosis an Vibrationen und der Auspuff schmeißt genau den Sound, der durch den Magen ins Herz geht. Ab 1200 Umdrehungen pro Minute schiebt er sauber an. Weder Bremsen noch Fahrwerk wirken je überfordert (wenn man sich daran gewöhnt, die hintere Bremse nicht zu ignorieren). Dazu trägt auch der im Vergleich zu früher deutlich steifere Rahmen bei. So macht die Sport Glide einen durchaus wendigen Eindruck. Erstaunlich angesichts 317 kg fahrfertig (Zuladung: 209 kg).

Wer gerne die maximale Schräglage ausnutzt, sollte die Nippel an den weit vorne liegenden Fußrasten abschrauben, damit sie nicht so unangenehm am Asphalt kratzen und hängen bleiben. Der Gummirand schleift weicher. Vor tiefen Bodenwellen sollte man vom Gas gehen, den so komfortabel die unsichtbare Federung sonst ist - derbe Stöße kann sie nicht abfangen. Das ist auch bei anderen Bikes nicht anders, aber hier auf der Harley kann man nicht schnell mal den Sitz entlasten oder gar während der Fahrt aufstehen.

Der Windschild erweist sich als erstaunlich effektiv. Winddruck am Oberkörper findet nicht statt und der Helm liegt zwar voll im Wind, aber wird nicht von Verwirbelungen gebeutelt. Da kann man den serienmäßigen Tempomaten auch mal auf ein höheres Tempo einstellen.

Unterm Strich
Mit 21.595 Euro Basispreis ist die Harley-Davidson Sport Glide beinahe ein Schnäppchen, denn sie ist die Eintrittskarte in zwei Welten der amerikanischen Traditionsmarke: Tourer und Cruiser. Wer behauptet, Harleys sind keine Motorräder, hat entweder sehr lange oder noch nie eine gefahren und/oder ist einfach neidisch. Zwar ist die Marke mittlerweile 115 Jahre alt, aber sie passt ideal in die Zeit. Gerade auf zwei Rädern sollte man es ruhig angehen lassen. Und da man mit der Sport Glide zwei Bikes zum Preis von einem bekommt, könnte man sich vielleicht sogar noch ein weiteres zulegen. Für sportliches Fahren, wo es richtig sinnvoll ist: auf der Rennstrecke. Das wäre dann richtig clever.

Warum?
Fährt besser als ihr Ruf
Praktisch und vielseitig

Warum nicht?
Wenn einem das Harley-Gefühl widerstrebt…

Oder vielleicht …
… eine andere der acht Softails

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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