Dehnübungen können einen Mehrwert für den Körper bringen. Für Langlebigkeit und Gesunderhaltung spielt jedoch funktionelles Krafttraining eine wesentlich größere Rolle. „Die Vorstellung, dass Dehnen für Langlebigkeit und Gesunderhaltung entscheidend sei, ist längst überholt. Viel wichtiger ist funktionelles Krafttraining, bei dem Übungen möglichst über den vollen Bewegungsradius – also vollamplitudig – ausgeführt werden“, weiß Katrin Nerad, Geschäftsführerin von VIBES FITNESS® in Graz. Beim vollamplitudigen Training wird der gesamte mögliche Bewegungsradius eines Gelenks genutzt. Dadurch werden Kraft und Beweglichkeit gleichzeitig trainiert. Dies kann die Beweglichkeit und Gelenkigkeit verbessern – wenn die Übungen richtig ausgeführt werden.

Reines Dehnen wird laut Ansicht der Fitnessexpertin allerdings überschätzt: „Idealerweise sollte es immer in Verbindung mit funktionellem Krafttraining ausgeführt werden. Dabei werden komplexe Bewegungsabläufe trainiert, bei denen mehrere Gelenke und Muskelgruppen gleichzeitig aktiviert werden, anstatt einzelne Muskeln isoliert zu belasten.“ Zum funktionellen Krafttraining sollte sich ein gesundheitsförderndes Ausdauertraining dazugesellen: „In Verbindung damit können Stretching- oder Mobility-Übungen eine sinnvolle Ergänzung sein.“
Auch wenn man Yoga betreibt, sollte der Fokus nicht nur auf dem Dehnen, sondern zusätzlich auf der Muskelaktivierung liegen. Dazu gehören zum Beispiel unterschiedliche Stützpositionen, etwa Plank-Positionen. Menschen, die im Alltag viel sitzen und bestimmte Muskeln wenig über ihren vollen Bewegungsradius nutzen, können zusätzlich gezielt an Bereichen wie Hüftbeuger, Oberschenkelrückseite oder Brustmuskulatur arbeiten. „Wichtig ist aber vor allem ein Training, das den ganzen Körper einbezieht“, so Nerad abschließend.
von Monika Erkinger