Laut Statistik Austria beträgt das 12 Monatsaufkommen chronischer Rückenbeschwerden etwa 26%, bei chronischen Nackenbeschwerden rund 19,5%. Eine exakte österreichische Inzidenz symptomatischer BS Degenerationen ist nicht verfügbar. Internationale Daten zeigen für tiefsitzenden Kreuzschmerz eine hohe jährliche Neuerkrankungsrate. Bei Bandscheibenvorfällen mit Nervenwurzelkompression können 60 bis 90% erfolgreich konservativ behandelt werden. Bei persistierender Radikulopathie mit Nervenschmerz, trotz ausgeschöpfter konservativer Therapie, benötigen je nach Patientenselektion ungefähr 20 bis 45% letztlich eine OP.
Multifaktorielle Ursachen
Die Bandscheibendegeneration entsteht multifaktoriell. Wesentliche Risikofaktoren sind genetische Prädisposition, Alter, Rauchen, Übergewicht, Diabetes, frühere Wirbelsäulenverletzungen sowie mechanische Belastungsfaktoren. Regelmäßige Bewegung, Kraft- und Ausdauertraining sowie aktive Physiotherapie können Schmerzen und Funktionsverlust deutlich reduzieren. Ein sicherer prozentueller Nachweis, dass das Training die strukturelle Degenerationskaskade dauerhaft verhindert, fehlt jedoch in großen Datenlagen. Viele Hinweise zeigen aber einen Benefit von Sport und körperlicher Fitness. Kommt es zur weiteren Degeneration (siehe Foto rechts), ist oftmals eine operative Stabilisierung der Wirbelsäule notwendig. Es stehen bei geeigneter Indikation eine Fusions-OP oder ein bewegungserhaltender Bandscheibenersatz (TDR) gegenüber.
Vorteile einer künstlichen Bandscheibe

Nach Fusionen treten langfristig radiologische Anschlussveränderungen bei ungefähr 25 bis 40%, klinisch relevante Anschlussprobleme bei etwa 5 bis 15% und Reoperationen bei ungefähr 5 bis 10% auf. Ursache ist eine Kombination aus natürlicher Alterung, vorbestehender Degeneration und veränderter Biomechanik nach Stabilisierungs-OP. Der Grazer Wirbelsäulenspezialist Dr. Rainer Gumpert weiß: „Die künstliche Bandscheibe erhält dagegen die segmentale Beweglichkeit und kann bei sorgfältig ausgewählten, eher jüngeren Patienten mit intakten Facettengelenken funktionelle Vorteile bieten. Langzeitstudien und Metaanalyse zeigen vergleichbare teilweise bessere Ergebnisse hinsichtlich Funktion und Patientenzufriedenheit, sowie ein niedrigeres Reoperations- und wahrscheinliches Anschlussdegenerationsrisiko. Bei sportlich aktiven Patienten ist der Bewegungserhalt biomechanisch attraktiv. Die künstliche Bandscheibe verfolgt demgegenüber das Prinzip der Bewegungserhaltung. Eine Metaanalyse mit fünf Jahren Nachbeobachtung zeigt gegenüber einer Fusion eine höhere Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Ergebnisses, eine höhere Patientenzufriedenheit und ein niedrigeres Reoperationsrisiko.“

Die Bandscheibe besteht aus einem Bandscheibenring und aus einem sogenannten Gallertkern. Jede Bandscheibe ist mittels einer Knorpelschicht an den Endflächen des darüberund darunterliegenden Wirbelkörpers befestigt. Jede dieser 23 Bandscheiben hat eine Pufferfunktion, eine Art Stoßdämpfer, um die einzelnen Wirbel zu schützen. Der Kern saugt sich mit Wasser voll, das er von der umgebenden Gewebsflüssigkeit aufnimmt. Die Abnützung der Bandscheibe geht mit einer Entzündung, Wasserverlust und Höhenminderung einher, was in weiterer Folge Schmerzen verursachen kann.
Sehr hohe Patientenzufriedenheit
Eine größere Metaanalyse von 14 Studien bestätigt insgesamt günstige Ergebnisse der Bandscheiben-Prothese hinsichtlich Lebensqualität, Funktionalität, Zufriedenheit und Reoperationsrate. Auch bezogen auf die Anschlusssegmentdegeneration besteht ein potenzieller Vorteil bewegungserhaltender Verfahren. Eine Metaanalyse berichtet über radiologische Anschlussdegenerationen von 36,4% nach Stabilisierungs-OP gegenüber 19% nach bewegungserhaltenden Verfahren. Auch die Reoperationsrate ist bei Stabilisierungs-OPs im Vergleich zu bewegungserhaltenden OPs deutlich geringer. Eine frühere Metaanalyse mit 13 Studien und 1.270 Patienten fand ebenfalls signifikant weniger Anschlussdegenerationen und Anschlusssegment-Reoperationen nach bewegungserhaltenden Verfahren.
Gumperts Schlussfolgerung: „Bei degenerativen Bandscheibenerkrankungen sollte – sofern keine dringliche, neurologische oder mechanische OP Indikation besteht – eine aktive konservative Therapie mit Bewegung und Physiotherapie im Vordergrund stehen. Bei fortgeschrittener Bandscheibendegeneration mit Instabilität und therapieresistenten Rückenschmerzen oder auch Kompression der Nerven bietet die Bandscheiben-Prothese einen konzeptionellen Vorteil im Vergleich zu einer Stabilisierungs-OP. Aktuelle Studien und Datenlagen zeigen einen deutlichen Vorteil der Anschlusssegmentbelastung und auch eine sehr hohe Patientenzufriedenheit, bezogen auf körperliche Belastbarkeit und Sportausübung.“
Mehr Infos auf www.wirbelsaeulenzentrum-graz-ragnitz.at

ZUR PERSON
Dr. Rainer Gumpert hat fast 20 Jahre Erfahrung mit der Implantation von Prothesen. Seit 2004 werden von ihm die Operationen durchgeführt und weiterentwickelt. Der Einsatz bei Spitzensportlern bestätigt die hervorragende Funktion und die Möglichkeit der uneingeschränkten schmerzfreien Bewegung.
Mehrere Profisportler bestätigen nach erfolgreicher Operation mit der Rückkehr in ihre Domäne schon nach wenigen Wochen den Erfolg der künstlichen Bandscheibe. Rückenschmerzen mit drohender Nervenschädigung hätten oft das Ende der Sportkarriere bedeutet. Heute sind sie wieder schmerzfrei, voll belastbar und im Alltag und Sport ohne Einschränkungen.
Mehrere hundert Patienten wurden so in den letzten Jahren von Dr. Rainer Gumpert und seinem Team erfolgreich behandelt. So konnten oftmals Versteifungsoperationen mit eventuell bleibenden Einschränkungen vermieden werden.