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27.09.2026

Vital Leben

Ernährungsmythen im Faktencheck

Foto: fatman-stock.adobe.com

Die Liste von Mythen, Irrtümern und Halbwahrheiten im Bereich der Ernährung ist lang, nichtsdestotrotz geistern sie noch durch manche Köpfe. Wir stellen die hartnäckigsten vor und unterziehen sie dem Einzelcheck. Dazu haben wir Ingrid Pöllabauer, Diätologin bei der Österreichischen Gesundheitskasse, um ihre Expertise gebeten.

Generell empfiehlt Pöllabauer kritisch zu sein und Ernährungstrends und Mythen zu hinterfragen: „Es ist sinnvoll, sich bei gesundheitlichen Themen an Experten zu wenden, statt dem Social Media Algorithmus zu vertrauen.“

Essen am Abend macht dick

Manche Ernährungsmythen und Irrtümer konnten durch neuere Forschungen aus dem Weg geräumt werden. Foto: pathdoc -stock.adobe.com
Manche Ernährungsmythen und Irrtümer konnten durch neuere Forschungen aus dem Weg geräumt werden. Foto: pathdoc -stock.adobe.com

Viele Menschen glauben nach wie vor, dass „Dinner Cancelling“ grundsätzlich beim Abnehmen hilft. Entscheidend ist aber in erster Linie die Energiebilanz über einen längeren Zeitraum. Wird dem Körper weniger Energie zugeführt, als er verbraucht, kann Körpergewicht reduziert werden. Die Uhrzeit ist dabei nicht der entscheidende Faktor. Eine leichte, proteinreiche Mahlzeit am Abend kann insbesondere deshalb sinnvoll sein, weil Protein zu einer guten Sättigung beiträgt und den Erhalt der Muskelmasse während einer Gewichtsabnahme unterstützen kann.

Eier sind eine „Cholesterinbombe“

Eier wurden lange Zeit aufgrund ihres relativ hohen Cholesteringehalts kritisch betrachtet. Der Zusammenhang zwischen dem über die Nahrung aufgenommenen Cholesterin und dem Cholesterinspiegel im Blut ist jedoch komplexer und geringer als früher angenommen. Gleichzeitig sollte man die Ernährung möglichst vielfältig gestalten. Neben tierischen Eiweißlieferanten wie Eiern oder Milchprodukten sind vor allem pflanzliche Proteinquellen wie Hülsenfrüchte und Sojaprodukte wertvoll, da diese dank der Ballaststoffe zu einer längeren Sättigung und guten Verdauung beitragen.

Foto: Wrann
Foto: Wrann

Lightprodukte sind immer die bessere Wahl

„Light“ bedeutet nicht automatisch „gesünder“ oder „kalorienärmer“, es müssen bestimmte Inhaltsstoffe im Vergleich zum ursprünglichen Produkt reduziert sein. Häufig wird dies aber durch Zugabe von Zusatzstoffen oder Süßungsmitteln ausgeglichen. Entscheidend ist ein Blick auf die Nährwerttabelle und die Zutatenliste, die Portionsgröße und die Einbettung in die gesamte Ernährung. Sie sind weder grundsätzlich empfehlenswert noch grundsätzlich abzulehnen. „Light Produkte“, zu denen gerne gegriffen werden kann, sind beispielsweise Magertopfen, fettreduzierte Milch, fettarmer Käse, Naturjoghurt oder Wasser.

Ernährungstrends und Mythen kritisch hinterfragen und bei gesundheitlichen Fragen eine Expertenmeinung hinzuziehen.
Ingrid Pöllabauer, Diätologin bei der ÖGK

Nahrungsergänzungsmittel sind notwendig für den Nährstoffbedarf

Grundsätzlich gilt: Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung kann den Nährstoffbedarf decken. Nahrungsergänzungsmittel können allerdings in unterschiedlichen Lebensphasen, oder bei bestimmten Ernährungsformen sinnvoll sein. Wichtig ist: Eine Supplementierung sollte nicht auf eigene Faust erfolgen, sondern immer mit medizinischer Begleitung und aktuellen Laborbefunden.

Bestimmte Gerichte darf man nicht aufwärmen

Unter ungünstigen Bedingungen bilden sich bei Raumtemperatur Bakterien und Giftstoffe, die zu einer Lebensmittelvergiftung führen können – häufig wird dies als „Fried Rice Syndrome“ bezeichnet. Wenn man jedoch Reis oder Nudeln nach dem Abkühlen zeitnah im Kühlschrank aufbewahrt und am nächsten Tag verzehrt, kann dies neben der besseren Haltbarkeit auch einen ernährungsphysiologischen Vorteil haben: Beim Abkühlen bildet sich ein Teil der Stärke in resistente Stärke um. Diese wird im Dünndarm nicht vollständig verdaut und kann im Dickdarm als Nahrung für bestimmte Darmbakterien dienen – für eine vielfältigere und gesündere Darmflora. 

von Monika Erkinger