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27.09.2026

Vital Leben

Wenn Essen zur Qual wird

Blähungen, Schmerzen und Unwohlsein sind für viele Alltag. Welche Unverträglichkeiten es gibt, wie man sie erkennt und was hilft, erklärt Stefanie Berger, Leiterin der Diätologie am LKH-Univ. Klinikum Graz.

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Stefanie Berger leitet den Fachbereich Diätologie am Uniklinikum Graz. Foto: L. Schaffelhofer/Uniklinikum Graz
Stefanie Berger leitet den Fachbereich Diätologie am Uniklinikum Graz. Foto: L. Schaffelhofer/Uniklinikum Graz

Welche sind die gängigsten Unverträglichkeiten, unter denen die Steirer leiden?

Zu den häufigsten Unverträglichkeiten, die wir als Diätologen am LKH-Universitätsklinikum Graz beobachten, zählen insbesondere die Fruktose-, Laktose- und Histaminunverträglichkeit. Darüber hinaus gewinnen auch Beschwerden im Zusammenhang mit dem Reizdarmsyndrom sowie vermutete Unverträglichkeiten gegenüber weiteren Lebensmitteln, wie beispielsweise Weizen, zunehmend an Bedeutung.

Eine individuelle ärztliche Abklärung in Kombination mit einer professionellen ernährungstherapeutischen Begleitung kann dabei unterstützen, die tatsächlichen Auslöser der Beschwerden zu identifizieren und gleichzeitig unnötige oder langfristige Einschränkungen der Ernährung zu vermeiden. Ziel ist es, eine bedarfsgerechte und möglichst vielfältige Ernährung zu ermöglichen, die sowohl die Beschwerden berücksichtigt als auch die Lebensqualität erhält.

Was ist der Unterschied zwischen einer Unverträglichkeit und einer Allergie?

Eine Allergie und eine Unverträglichkeit (Intoleranz) müssen grundsätzlich klar voneinander unterschieden werden. Der wesentliche Unterschied liegt darin, ob das Immunsystem an der Reaktion beteiligt ist.

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf einen eigentlich harmlosen. Stoff, beispielsweise auf ein bestimmtes Lebensmittelprotein. Es kommt zu einer immunologisch vermittelten Reaktion, die je nach Ausprägung unterschiedliche Beschwerden hervorrufen und auch lebensbedrohliche Folgen mit sich ziehen kann.

Bei einer Unverträglichkeit bzw. Intoleranz ist das Immunsystem hingegen nicht beteiligt. Vielmehr kann der Körper bestimmte Bestandteile eines Lebensmittels nicht oder nur unzureichend verdauen, aufnehmen oder verstoffwechseln. Ein klassisches Beispiel ist die Laktoseintoleranz, bei der aufgrund eines Laktasemangels Milchzucker nicht ausreichend gespalten werden kann.

Eine eindeutige Unterscheidung zwischen Allergie und Unverträglichkeit sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Erst auf Basis einer entsprechenden Diagnostik können die geeigneten Maßnahmen festgelegt werden. Eine professionelle ernährungstherapeutische Begleitung kann anschließend dabei unterstützen, die Ernährung individuell anzupassen und unnötige Einschränkungen zu vermeiden.

Wie können die einzelnen Unverträglichkeiten festgestellt werden, wie schauen die Tests aus?

Wie eine Unverträglichkeit festgestellt wird, hängt vom jeweiligen Verdacht ab. Wichtig ist, dass eine ärztliche diagnostische Abklärung erfolgt, da ähnliche Beschwerden unterschiedliche Ursachen haben können und eine Selbstdiagnose zu unnötigen Ernährungseinschränkungen führen kann.

Bei Laktose- und Fruktoseintoleranz wird häufig ein H2-Atemtest (Wasserstoffatemtest) durchgeführt. Bei Verdacht auf eine Histaminintoleranz kann der DAO-Wert im Blut bestimmt werden, dieser hat jedoch wenig Aussagekraft. Da kein eindeutiger Labortest zur Verfügung steht, erfolgt die Abklärung insbesondere über eine strukturierte Eliminationsdiät mit anschließender kontrollierter Wiedereinführung, unterstützt durch ein Ernährungstagebuch. Eine solche Ernährungstherapie sollte professionell durch eine Diätologin bzw. einen Diätologen begleitet werden, um unnötige Einschränkungen zu vermeiden und gleichzeitig eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung sicherzustellen.

Kann man Unverträglichkeiten/Allergien vorbeugen?

Auch hier muss man Allergien und Unverträglichkeiten klar voneinander unterscheiden.

Bei Allergien kann insbesondere in der frühen Kindheit durch bestimmte Maßnahmen das Risiko teilweise reduziert werden. Dazu gehören das Stillen sowie die schrittweise Einführung einer abwechslungsreichen Beikost ab etwa dem 5. bis 7. Monat. Auch potenziell allergene Lebensmittel wie Ei, Fisch oder Weizen sollten dabei nicht unnötig hinausgezögert oder vorsorglich gemieden werden. Ein rauchfreies Umfeld sowie möglichst wenig Belastung durch Luftschadstoffe und Schimmel sind weitere wichtige Faktoren. Eine vollständige Vorbeugung ist jedoch nicht möglich, da auch die genetische Veranlagung eine wesentliche Rolle spielt. Bei näheren Fragen ist hier sicherlich ärztliche Auskunft notwendig.

Bei den häufigen, im Laufe des Lebens erworbenen Unverträglichkeiten wie Laktose- oder Fruktoseintoleranz steht vor allem die Gesundheit des Magen-Darm-Traktes im Mittelpunkt. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung, eine ausreichende Versorgung mit Ballaststoffen sowie der möglichst gezielte Einsatz von Medikamenten können dazu beitragen, die Darmfunktion zu unterstützen. Auch Magen-Darm-Infektionen und anhaltender Stress können die Verdauung und die Verträglichkeit von Lebensmitteln beeinflussen.

Es gibt auch angeborene, genetisch bedingte Unverträglichkeiten, wie der primären Laktoseintoleranz. Diese kann man hingegen nicht vorbeugen.

Kann man Unverträglichkeiten/Allergien wieder loswerden?

Ob sich eine Unverträglichkeit oder Allergie wieder zurückbildet, hängt stark von der genauen Ursache und dem jeweiligen Auslöser ab. Grundsätzlich muss zwischen einer Allergie und einer Intoleranz unterschieden werden.

Bei erworbenen Unverträglichkeiten kann sich die Verträglichkeit unter Umständen wieder verbessern, wenn die zugrundeliegende Ursache behandelt wird, wie beispielsweise Fruktose- oder Laktoseunverträglichkeit. Eine gezielte ernährungstherapeutische Begleitung kann dabei unterstützen, die Ernährung entsprechend anzupassen und die individuelle Verträglichkeit schrittweise wieder auszutesten.

Angeborene, genetisch bedingte Intoleranzen, wie eine primäre Laktoseintoleranz, sind hingegen nicht heilbar. Sie können aber meist durch eine individuell angepasste Ernährung gut kontrolliert werden.

Bei Allergien hängt die Entwicklung ebenfalls von der jeweiligen Allergie und dem Auslöser ab. Manche Allergien können sich im Laufe des Lebens zurückbilden, andere bleiben bestehen.

Daher sollte die weitere Vorgehensweise immer mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.


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Histaminintoleranz

Kann der Körper den Botenstoff Histamin aus der Nahrung nicht ausreichend abbauen, können Beschwerden wie Kopfschmerzen, Hautrötungen oder Verdauungsprobleme auftreten. 

Diese werden häufig durch histaminreiche Lebensmittel wie gereiften Käse, Wurstwaren oder Alkohol ausgelöst. 
Ernährung anpassen!


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Laktoseintoleranz

Bei einer Laktoseintoleranz kann der Körper Milchzucker (Laktose) nicht ausreichend verdauen, wodurch Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall auftreten können. Ursache ist meist ein Mangel des Enzyms Laktase, sodass Beschwerden vor allem nach dem Verzehr von Milch und Milchprodukten entstehen.



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Fructoseintoleranz

Fructoseintoleranz ist eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit. Bei der häufigen intestinalen Form kann der Dünndarm Fructose nicht richtig aufnehmen, was im Dickdarm zu Blähungen, Schmerzen und Durchfall führt. 

Davon abzugrenzen ist die seltene hereditäre Form, ein lebensgefährlicher, angeborener Enzymdefekt der Leber, der strikte Diät erfordert.