Das freie Wort

Das größte Geschenk hat kein Preisschild!

Am 8. November ist Weltschenktag. Ein Anlass, um sich zu fragen, worauf es beim Schenken wirklich ankommt. Blumen, Schmuck, Parfum und Spielzeug bereiten Freude. Doch das Wertvollste lässt sich weder einpacken noch mit einer Schleife versehen: eine ausgestreckte Hand, eine herzliche Umarmung, ein offenes Ohr oder jemand, der gerade dann für uns da ist, wenn wir ihn am dringendsten brauchen. Natürlich soll die Wirtschaft leben. Der Handel sichert Arbeitsplätze und ist unverzichtbar. Geschenke und Menschlichkeit schließen einander nicht aus. Doch immer mehr Anlässe werden zu Verkaufsveranstaltungen: Anfang Oktober steht der Nikolaus in den Regalen, im Februar warten die Osterhasen. Beim Black Friday wird mit Schnäppchen gelockt. Eine EU-weite Kontrolle zeigte 2026: Bei 30 Prozent der überprüften Online-Händler waren die Rabattangaben nicht korrekt. Da wird mit faulen Deals geworben, während die versprochene Ersparnis oft auf der Strecke bleibt. Wir vergleichen Preise, jagen Schnäppchen und lassen uns einreden, ein Geschenk sei umso wertvoller, je teurer es ist. Doch gerade wer wenig hat, weiß, wie viel eine helfende Hand, ein tröstendes Wort oder ein Besuch bei einem einsamen Menschen bedeuten. Nächstenliebe lässt sich nicht bestellen, Fürsorge nicht in den Warenkorb legen und Menschlichkeit nicht mit Kreditkarte bezahlen. Am Weltschenktag sollten wir uns bewusst machen, was im Alltag oft zu kurz kommt: Zeit füreinander, echte Nähe und die Bereitschaft, für andere da zu sein. Das sind keine Aktionswaren, sondern Werte, die wir jeden Tag leben sollten. Das größte Geschenk lässt sich nicht kaufen. Es ist das, was wir einem anderen Menschen von Herzen schenken.

Alessandro Ferrari, Wien

Erschienen am So, 8.11.2026

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