Das freie Wort

Allerheiligen: Der Tod hat nicht das letzte Wort

Warum entzünden wir zu Allerheiligen auf Österreichs Friedhöfen ein Licht? Weil wir selbst im Angesicht des Todes nicht nur Dunkelheit sehen wollen. Für Christen steht die Flamme für die Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben, für andere ist sie ein stilles Zeichen der Erinnerung. Dahinter steckt eine gemeinsame, menschliche Sehnsucht: dass ein geliebter Mensch nicht einfach spurlos verschwindet. An den Gräbern stehen wir vor dem Verlust jener Menschen, die uns geprägt haben. Ihre Stimmen sind verstummt, aber ihre Worte begleiten uns. Manchmal fällt uns erst am Grab ein, was wir ihnen noch gerne gesagt hätten. Der Tod beendet ein Leben – aber löscht er auch die Liebe aus, die zwei Menschen verbindet? Die Wissenschaft entschlüsselt immer mehr Geheimnisse. Der österreichische Nobelpreisträger Anton Zeilinger erforschte die Rätsel der Quantenphysik. Kardinal Christoph Schönborn stellt sich den großen Fragen des Glaubens, Johannes Huber sucht in seiner „Himmelsleiter“ nach Verbindungen zwischen Wissenschaft und Transzendenz. Doch was das Bewusstsein ausmacht und ob mit dem Tod alles endet, ist nicht abschließend geklärt. Einen wissenschaftlichen Beweis für ein Leben nach dem Tod gibt es nicht. Aber ist damit jede Hoffnung widerlegt? Schönborn beschreibt den Tod als Tür zum ewigen Leben. Das Bild lässt uns innehalten. Wer kann mit letzter Gewissheit behaupten, dahinter komme nichts mehr? Verbirgt sich hinter dieser Tür jenes Licht, das wir für unsere Verstorbenen entzünden – ein Licht, das eines Tages vielleicht auch uns leuchtet, wenn wir selbst gehen? Wir wissen es nicht. Doch wir müssen nicht alle Antworten kennen, um zu wissen, was wir einander im Leben schuldig sind. Wie oft verschieben wir einen Anruf, einen Besuch oder ein versöhnendes Wort – bis plötzlich kein Morgen mehr bleibt? Die Toten können wir nicht zurückholen. Aber wir können den Lebenden zeigen, dass sie uns wichtig sind. Vielleicht ist das die tiefste Botschaft von Allerheiligen: Wir kennen das Ende nicht, aber wir wissen, was heute zählt – ein Wort zur rechten Zeit, Liebe und ein offenes Herz. Die Kerzen auf den Friedhöfen erinnern an jene, die gegangen sind. Ihr Licht sollte uns zeigen, wie wir mit jenen umgehen, die noch bei uns sind. Überlassen wir dem Tod nicht das letzte Wort.

Alessandro Ferrari, Wien

Erschienen am So, 1.11.2026

Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

Weitere Leserbriefe
1.11.2026Datum auswählen
Eltern haften für ihre Kinder
Es ist leider so, dass uns – und der Polizei – die 12- bis 14-jährigen Verbrecher die lange Nase zeigen, da ihnen laut Gesetz nichts geschehen kann. ...
Karl Taborsky
Brüsseler Zwangspause für den Jugendschutz
Seit dem EU-Beitritt hat Österreich seine Souveränität sukzessive eingebüßt und steht als Nettozahler unter EU-Vormundschaft. Jüngstes Beispiel ist ...
Mag. Margot Aljancic
Reformationstag
In den meisten Medien ist die Rede von Weltspartag und Halloween. Gut und richtig, aber es ist auch Reformationstag! In Österreich sind wir nur ...
Dipl.-Päd. Stefan Scherz
Social-Media-Verbot
Na, das ist wieder mal eine Staatsaktion geworden! Hab geredet, geplant, konzipiert und doch nur heiße Luft mal wieder produziert.
Erwin Greitler
Melania ist erfolgreicher!
US-Präsident Trump erklärte zu Beginn seiner jetzigen Amtszeit, dass er den Ukraine-Krieg binnen 24 Stunden beenden werde. Mittlerweile ist die erste ...
Josef Höller
Viktor Orbán als UN-Generalsekretär?
Dass da immer wieder der amerikanische Präsident mit seiner Meinung für Aufsehen sorgt, ist ja nichts Neues. Jetzt will er doch allen Ernstes den ...
Eduard Wagner
Zugunglück in Spanien
Es kann mir wirklich niemand erzählen, dass es heutzutage technisch nicht möglich wäre, viele verheerende Zugunglücke auf der Welt, mit einer Unmenge ...
Heinz Zander
Allerheiligen: Der Tod hat nicht das letzte Wort
Warum entzünden wir zu Allerheiligen auf Österreichs Friedhöfen ein Licht? Weil wir selbst im Angesicht des Todes nicht nur Dunkelheit sehen wollen. ...
Alessandro Ferrari
Kostenfaktor Kinder
Immer öfter ist die Meinung zu hören, man kann sich Kinder nicht mehr leisten. Eine unverständliche, oftmals nicht ehrliche Ansicht. Die meisten ...
Franz Peer
Zu Allerheiligen hell erleuchtete Friedhöfe
Zeit des Totengedenkens, Tausende Kerzen tauchen die Gräber in helles Licht. Ich denke, wenn nur auf jenen Gräbern Kerzen leuchten würden, bei denen ...
Josef Rosenberger
Allerheiligen, Zeit zum Innehalten!
Ob in Stadt oder Land, überall erhellen Kerzen zu Allerheiligen und Allerseelen die Friedhöfe und bringen in der Zeit immer kürzer werdender Tage ...
Mag. Hans Rankl
Liebevolle Erinnerung zu Allerheiligen
Allerheiligen, Allerseelen, wenn wir vor dem Grab unserer Lieben stehn, dann denken wir zurück an eine Zeit voll Geborgenheit und Glück. Geliebte ...
Eveline Windholz
Syrische Straftäter
Täglich kann man in den Zeitungen von schweren Straftaten lesen, oft verübt von Syrern. Bei den Jugendbanden sind ebenfalls Syrer häufig zu finden. ...
Dr. Christine Sperl
Halloween
Mein Gott, wie lächerlich das alles ist. Bei uns darf der Nikolo nicht in die Kindergärten, weil sich die armen Kinder fürchten, aber die Eltern ...
Annemarie Senz
Social-Media-Verbot
Wer schützt unsere Kinder? Zu dieser Frage eine einfache Antwort! Die Eltern sollten kontrollieren, was auf dem Handy ihrer Kinder ist – da brauchen ...
Andreas Lehner

Voriger Tag
1.11.2026Datum auswählen
Nächster Tag
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung