Wer die Berichterstattung rund um den Problem-Ex-Kanzler verfolgt, greift sich auf den Kopf: Glaubt man Kurz, so wusste er wenig, konnte sich kaum erinnern und hatte eigentlich wenig bzw. nichts zu entscheiden. Im Grunde, so kann man das auch verstehen, waren eigentlich andere Leute Kanzler: Sie waren das Problem, nicht er. Er war eigentlich nur der „Kasperl“, der die Öffentlichkeit mit Geschichten versorgte, die sich andere Leute ausgedacht hatten. Nichts könnte die Verachtung von Kurz für Justiz und Rechtsstaat deutlicher zum Ausdruck bringen als seine Antworten und die Weigerung vor Gericht, die Fragen der Staatsanwaltschaft zu beantworten. Ein neues Spiel nach dem Vorbild von Autokraten: Ein ranghoher Ex-Politiker, der die Fragen der Staatsanwaltschaft nicht beantwortet, Richter und Staatsanwälte als Täter und sich als Opfer inszeniert. Eine ÖVP, die den Prozess finanziert. Eine Mischung aus Überheblichkeit, Arroganz, Missachtung des Gerichts und der Prozessstrategie, die Justiz vorbeugend anzupatzen. Ich verstehe das alles nicht. Kann sich der Ex-Kanzler wirklich aussuchen, wem er Fragen beantwortet? Gilt das für alle Personen, die vor Gericht stehen? Wäre ich Richter, würde ich jede Weigerung mit einer Beugestrafe ahnden. Wäre ihm vermutlich eh wurscht, weil die ÖVP alles zahlt. Mir platzt bald der Kragen!
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