Der Gleichstellungsbericht des Landes Vorarlberg sollte sämtliche Alarmglocken schrillen lassen: In keinem anderen Bundesland verdienen Frauen um so viel weniger als Männer. Das Land kündigte einen Aktionsplan samt „kritischer Männerarbeit“ an.
Die Gleichstellung von Männern und Frauen schreitet in Vorarlberg viel zu langsam voran. Das geht aus dem am Montag präsentierten Gleichstellungsbericht des Landes, der AK und des ÖGB hervor. Trotz Erfolgen bleibt das in Vorarlberg besonders ausgeprägte alte Rollenbild ein wesentlicher Faktor, der für Frauen ungleiche Bezahlung, Teilzeitarbeit und geringere Pension bedeutet. Landesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) kündigte einen ressortübergreifenden Aktionsplan an.
45 Prozent Unterschied bei Pensionen
Zwar sind mehr Frauen in Vorarlberg erwerbstätig, gut ausgebildet und in politischen Ämtern vertreten als früher, die Probleme bleiben aber: Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in schlechter bezahlten Berufen, was bereits beim Einstieg beginnt und sich bis in die Pension zieht. Der geschlechtsspezifische Pensionsunterschied liegt im Ländle bei unglaublichen 45 Prozent. 58 Prozent der erwerbstätigen Vorarlbergerinnen arbeiten in Teilzeit, bei Müttern lag die Quote bei 82 Prozent. 45 Prozent nannten in der Studie Betreuungspflichten als Grund, weitere waren fehlende Vereinbarkeit, Gesundheit und mehr Freizeit. Dazu kommt die Mehrfachbelastung: Vorarlbergerinnen leisten mit über vier Stunden täglich rund zwei Stunden mehr unbezahlte Haus- und Sorgearbeit als Männer.
Kritische Männerarbeit
Als „besorgniserregend“ bezeichnete Schöbi-Fink den zu langsam schrumpfenden Gender Pay Gap, der mit 44 Prozent weiter der höchste Österreichs ist. An der Vereinbarkeit allein liege es nicht. So habe sich im Ausbau des ganztägigen Kinderbetreuungsangebots viel getan, die Eltern nützten es aber aufgrund von traditionellen Geschlechterbildern und Vorbehalten gegenüber institutioneller Betreuung zu wenig. Die ganztägige Besuchsquote liegt in Vorarlberg mit 15 Prozent deutlich unter dem Österreichschnitt (55 Prozent). Das müsse man sich genau ansehen. Als zentrales Handlungsfeld nennt der Bericht den Abbau traditioneller Rollenbilder, hier brauche es auch kritische Männerarbeit in Bildungs- und Berufsorientierung, Jugendarbeit und Gewaltschutz.
Quote und Transparenz gefordert
AK-Präsident Bernhard Heinzle verwies diesbezüglich auf eine AK-Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF), die für Vorarlberg eine konservativere Einstellung zur Erwerbstätigkeit von Müttern nachwies. Männer stehen ihr demnach noch kritischer gegenüber als Frauen selbst. Hier zeige sich: „Das ist kein Frauenthema, sondern eine Männerfrage.“ Auch AK-Vizepräsidentin Manuela Auer zeigte sich ernüchtert: Frauen seien die „Verliererinnen der Nation, in allen Bereichen“, es brauche dringend einen Aktionsplan. Zudem forderte sie die Umsetzung der Lohntransparenz und eine verbindliche Quote für Führungspositionen.
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