Das freie Wort

Probleme lösen, statt Emotionen zu verkaufen

Am 11. August ist in der „Krone“ ein Gastbeitrag der US-Botschafterin erschienen – mit dem Titel „Hunger darf keine Waffe sein“. Da diese irreführende Veröffentlichung direkt an Russland gerichtet ist, erscheint es angebracht, unseren Standpunkt dazu klarzustellen. Das Welthungerproblem kommt nicht von gestern, aber die Coronapandemie und die Wirtschaftskrise haben es beträchtlich verschärft. Als Großproduzent von Getreide spielt Russland (weltweit Platz 4) bei der globalen Ernährungssicherheit eine maßgebliche Rolle. Die Ukraine belegt übrigens nur Platz 9. Die „Schwarzmeer-Initiative“ enthielt auf Vorschlag des UN-Generalsekretärs zwei miteinander aufs Engste verbundene Absprachen – zur Ausfuhr von ukrainischen Nahrungsmitteln und zur Normalisierung des russischen Exports von Agrarprodukten und Düngemitteln, wobei humanitäre Ziele ausschlaggebend waren. Die Ausfuhr ukrainischer Lebensmittel wurde sofort auf kommerzielle „Gleise“ gestellt – 70% von insgesamt 32,8 Mio. Tonnen Getreide gingen nach UN-Angaben in überdurchschnittlich entwickelte Länder. Auf die ärmsten entfielen weniger als drei Prozent. Solche „humanitäre“ Geografie lässt sich leicht erklären – ein beträchtlicher Teil ukrainischer Saatflächen gehört westlichen Großunternehmen wie Cargill, DuPont oder Monsanto. Die Erklärungen des Westens, dass man keine Sanktionen gegen russische Agrarprodukte verhängt habe, greifen nicht: Diese Paketeinschränkungen – Bankzahlungen, Versicherungsgeschäfte, Verkehrslogistik, Lieferungen von Ersatzteilen usw. – sind klar auch gegen das Agrarwesen als Waffe gerichtet. Das entsprechende UN-Russland-Memorandum wurde nicht einmal ansatzweise umgesetzt. Von fünf systemischen Aufgaben wurde keine einzige erfüllt, die Ammoniakleitung „Togliatti-Odessa“ wurde dazu einfach gesprengt. Angesichts dieser klaren Sabotage der Vereinbarungen war eine weitere Verlängerung der Initiative, die ihr humanitäres Ziel verfehlte, zwecklos. Russland ist sich aber seiner Verantwortung als führender Getreideproduzent bewusst und wird beträchtliche Lieferungen an sechs bedürftige afrikanische Länder kostenlos leisten. Die Amerikaner können unserem Beispiel folgen. Falls die US-Strategen aber damit rechnen, dass unter dem Deckmantel der Logistik im Sinne des Getreideabkommens das Kiewer Regime eine Carte blanche für die Verübung weiterer terroristischer Attacken im Schwarzmeer-Raum haben wird, so wird das nicht geschehen. Die „Schwarzmeer-Initiative“ kann noch wiederbelebt werden. Dafür bedarf es nur des politischen Willens, die vom UN-Memorandum vorgesehenen Bestimmungen umzusetzen. Nicht emotionale Aufrufe sind das Gebot der Stunde, sondern konkrete Handlungen.

Dimitrij Ljubinskij, Botschafter der Russischen Föderation in der Republik Österreich

Erschienen am Mi, 23.8.2023

Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Weitere Leserbriefe
17.4.2026Datum auswählen
Kampfabstimmung abgesagt
Die Kampfabstimmung ist abgesagt: Die SPÖ torkelt von einer Peinlichkeit in die nächste. Babler wollte seine bald 61-jährige Staatssekretärin ...
Robert Kindl
Die Jungen wollen nicht, die Alten aber sollen
Was die Jahrgänge 1930 bis 1990 mit harter Arbeit aufgebaut und an Wohlstand geschaffen haben, wird nun von den Wohlstandsgenerationen an die Wand ...
Walter Janisch
Sozialbetrug
Wenn man dem Bericht Glauben schenken darf, dass 2025 allein 22,8 Mio. Euro (seit Bestehen der Taskforce 158 Mio. Euro) an Sozialleistung ...
Franz Umgeher
Trump kontra Papst
Gott sei Dank kann Donald Trump unseren verständnisvollen und Frieden wollenden Papst Leo mit seinen Machtgelüsten weder kündigen oder gar entlassen.
Elmar Niederkofler
Zeit für eine Neupositionierung?
Immer deutlicher treten die Risse in der Weltordnung zutage. Zwischen den Machtzentren hat sich ein Niemandsland des Vertrauens aufgetan – ein Raum, ...
Josef Richard Skumautz
Allein mir fehlt der Glaube
Der deutsche Kanzler Merz sagt anlässlich eines Besuchs Zelenskijs in Berlin, dass Russland den Krieg nicht gewinnen wird. Bei dieser kühnen Aussage ...
Josef Blank
Also sprach Herr Merz
Und er muss es ja wissen, wenn er sagt, dass Russland diesen Krieg nicht gewinnen wird. Aber die Ukraine sicher auch nicht. Und wenn wem vorab die ...
Friedrich Travnicek
Nur noch drei Wochen
Der diesjährige Urlaubssommer wird wohl kein Honiglecken und keine richtige Erholung, weil ein äußerst teures Vergnügen. Europas Fluggesellschaften ...
Christian Stafflinger
Fluglinien warnen vor Kerosin-Engpass
Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, wenn Kerosin nicht mehr im Überfluss vorhanden ist. Damit steigt der Preis fürs Fliegen. Auch die Umwelt ...
Franz Neller
ORF-Sumpf
Eigentlich traurig, was sich im Öffentlich-Rechtlichen so abspielt. Aber wie heißt es immer: Wenn der Fisch stinkt, dann stinkt er am Kopf. Und das ...
Rudolf Kachina
Jeder gegen jeden
Redakteure gegen den Stiftungsrat, Stiftungsrat gegen Thurnher usw. Keiner kennt sich mehr aus. Vor allem diejenigen nicht, die das Ganze ...
Dr. Leopold Dercsaly
Pensionsvertrag
Da ich in letzter Zeit viel im Ausland war, habe ich vielleicht so manches nicht mitbekommen. Aber was mir auffällt: Es scheint noch niemand ...
Dr. Gerhard Danninger
Nicht die Frösche fragen
Zum Thema ORF: Wenn man einen Sumpf trockenlegen will, darf man nicht die Frösche befragen.
Gerhard Koglek
Medienminister
Wofür hat die österreichische Bundesregierung einen Medienminister, wenn er sich zu einem Skandal wie dem ORF nicht zu Wort meldet? Weg mit diesem ...
Engelbert Häusler
Journalistenaufstand im ORF
Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der anscheinend uns allen gehört, stinkt es seit Jahren ganz gewaltig. Immer wieder Gagen, die eine Frechheit ...
Georg Culetto
Der neue „Rex“
Die Neuauflage der Erfolgsserie „Kommissar Rex“ im ORF leidet am gleichen Problem wie alle Versuche, beliebte Fernsehsendungen zu reproduzieren: Man ...
Franz Weinpolter
Plastiksteuer vs. Mehrwertsteuer
Die geplante Plastiksteuer, auch auf PET-Flaschen, wird den Steuerzahler mehr kosten, als er sich mit der reduzierten Umsatzsteuer einsparen kann. ...
Gernot Puchas
Diebstahl auf Friedhöfen
Diese Grabräuber sind skrupellos, sie stehlen die Goldzähne von Verstorbenen. Aber nicht nur das, sie stehlen sogar eine „Star Wars“-Figur von einem ...
Pamela Pfennigbauer
Treppenwitz der Woche
Die Regierung hat uns jahrelang mit sogenannten Fachkräften geflutet und will jetzt, dass die Pensionisten länger arbeiten. Da ist wohl etwas falsch ...
Georg Hausharter
Die Gier der OMV
OMV-Chef Alfred Stern hat zuletzt mit Aussagen aufhorchen lassen, die mehr als provokant waren. Jetzt stellte sich heraus, dass Herr Stern nicht, wie ...
Leopold Rapp
Donald Trump
Jeden Tag, an dem man die Zeitung aufschlägt und über das Verhalten von Donald Trump liest, erschrickt man. Es muss doch jedem lang-sam klar sein, ...
Dagmar Junker

Voriger Tag
17.4.2026Datum auswählen
Nächster Tag
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt