Der 1. Mai. Der Tag der Arbeit, vereinzelt auch noch als „Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse“ bezeichnet. Vor Jahren war das der Tag, an dem den „Sozis“, den Partei- und Gewerkschaftsmitgliedern, die Straßen gehörten. Als es zum guten Ton gehörte, beim Maiaufmarsch dabei zu sein, den Genossen auf den Tribünen zu lauschen und sich hinterher bei Würsteln und Bier, bezahlt vom Betriebsrat oder der Gewerkschaft (war eh die gleiche Kassa), zu stärken. Lang ist’s her. Die rot- weiß-rote Beflaggung zum 1. Mai ist auch nicht mehr das, was sie einmal war, Parteichefs auf der Tribüne wurden auch schon ausgepfiffen, und die Aufmärsche verkümmerten – das waren längst keine Massenveranstaltungen mehr. Heuer könnten die Maiaufmärsche aber wieder mehr Zulauf haben. Der Grund dafür wäre die laufende Mitgliederbefragung bei den Roten. Die drei Kandidaten, nämlich PRW, Dosko und Babler, werden sicher ihre Unterstützer auffordern, mit zahlreichen Anhängern „Flagge zu zeigen“. Es soll sichtbar gemacht werden, wer die Nase vorn hat. Vielleicht lassen sich dadurch noch ein paar unschlüssige Parteimitglieder einfangen. Obwohl bei den Festreden dieser Dreikampf sicher nicht erwähnt werden wird.
Josef Höller, per E-Mail
Erschienen am So, 30.4.2023
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