Das freie Wort

Ein Damm ist gebrochen

Cannabis darf in Deutschland in Zukunft in den eigenen vier Wänden limitiert produziert und auch für den Eigengebrauch straffrei in Form von Marihuana bzw. Haschisch konsumiert werden. Es geht konkret um die weibliche Variante der Cannabispflanze (Hanfgewächs), die genug THC (Tetrahydrocannabinol) enthält, um psychoaktive Rauschzustände beim Menschen zu generieren. Viele Menschen benötigen Cannabisprodukte aus medizinischen Gründen (z. B. Schmerzlinderung bei Krebsleiden etc.), und ihnen kann durch diese Regelung durchaus geholfen werden. „Harm reduction“ nennt man so etwas, und dieser Begriff wurde in den vergangenen Jahren bei diversen internationalen Drogenkonferenzen als Alternativmodell zur Kriminalisierung des Drogenproblems gerne aufgegriffen bzw. propagiert. Für viele jüngere Menschen wird der Einstieg in eine „Drogenkarriere“ jedoch durch die Teilfreigabe von Cannabis erleichtert, weil die in Zukunft daheim selbst hergestellte Droge einerseits die eigenen Kosten wegen des erwartbaren Wegfalls des illegalen Cannabis-Drogenmarktes senkt und andererseits behördliche Kontrollen hinsichtlich der auferlegten Mengenbeschränkung kaum durchführbar sind. Erwiesen ist, dass viele Menschen nicht beim alleinigen Konsum von Cannabis bleiben, sondern in weiterer Folge auf härtere traditionelle (z. B. Heroin und Kokain) sowie synthetische Drogen (NPS- Produkte) umsteigen – Drogen, welche nach wie vor gesetzlich gebannt bleiben und mit denen sehr wohl weiterhin illegal und profitabel weltweit gehandelt werden kann. Aus Sicht global agierender Großproduzenten und -händler kann der deutsche Beschluss somit durchaus begrüßt werden, da mit vielen absehbar von Cannabis auf andere Drogen umsteigenden Neukunden zu rechnen sein wird. Dem deutschen Beispiel werden die meisten anderen EU-Staaten wohl bald folgen. Ob und inwieweit privater Cannabiskonsum von kommerziellen Drogen-Verkaufsgeschäften überhaupt abgegrenzt werden kann, werden erst die Erfahrungen der kommenden Jahre zeigen. Klar ist jedenfalls, dass Europa in Zukunft vermutlich mit einer spürbar steigenden Anzahl von schwer Suchtkranken rechnen und sich dementsprechend darauf wird vorbereiten müssen.

Martin Krämer, per E-Mail

Erschienen am Fr, 14.4.2023

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