Barbra Streisand

Die “Krone” holt Barbra Streisand nach Wien

Musik
01.05.2007 19:34
Es ist die Show-Meldung der Woche: Die fantastische Barbra Streisand tourt erstmals durch Europa! In ihrer mehr als 40-jährigen Karriere überquerte sie nur einmal zu musikalischen Zwecken den Ozean, um in London zu singen. In einer exklusiven Pressekonferenz Montagabend begründete sie ihren erfreulichen Entschluss. „Es ist verrückt, dass ich in all den Jahren nie in Europa war. Aber wenn man älter wird, versucht man alles zu tun, was man bisher versäumt hat“, meint die frisch gebackene 65-Jährige. Lies hier alles über Barbra Streisands Konzert am 21. Juni in Wien plus die spannendsten Antworten aus der intimen Fragestunde.
kmm

Nur einige ausgewählte Städte stehen auf ihrem Tourplan: Paris, Dublin, London - und natürlich Wien. „Die Familie meines Vaters stammt aus Österreich. Ursprünglich hieß es Streusand. Deswegen hat Wien eine besondere Bedeutung für mich“, erklärt sie. 

„Es ist eine wunderbare Stadt. Ich liebe Gustav Klimt. Als ich da war, habe ich mir das Belvedere angesehen. Und als ich ,Yentl’ gedreht habe, bin ich extra für ein Wochenende nach Wien geflogen, um mir das Kunsthistorische Museum anzuschauen. Außerdem gibt es hier so viele Konditoreien und Schokolade, die ich liebe.“ 

Die erfolgreichste Grande-Dame des Showbiz zeigt sich erstaunlich bescheiden und sympathisch. „Ich bin sehr arm in Brooklyn aufgewachsen, musste im Wohnzimmer schlafen. Meine Puppe war eine Flasche mit heißem Wasser. Wir hatten nicht einmal ein Sofa, deswegen mag ich sie jetzt wohl so gerne. Wahrscheinlich bin ich deshalb immer am Boden geblieben und weiß mein Glück und mein Leben sehr zu schätzen.“  In Wien präsentiert sie am 21. Juni vor der traumhaften Kulisse des Schloss Schönbrunn die größten Hits ihrer Karriere mit einem 58-köpfigen Orchester.

Mehr über die exklusive Fragestunde
Barbra Streisand über Wien, die Tour, ihre Angst vor der Bühne, wie sie nach einer Kindheit in ärmlichsten Verhältnissen zum gefeierten Film- und Showbiz-Star wurde und warum sie vor 13 Jahren ein Grundstück gekauft hat und das Haus darauf immer noch nicht fertig ist...

Sie haben nur ein paar Städte für ihre Europatournee ausgewählt. Nach welchen Vorlieben haben Sie die Orte ausgesucht und warum gerade Wien, die „Stadt der Musik“?

BS: Die Familie meines Vaters hat österreichische Wurzeln – damals hießen sie noch „Streusand“, wirklich! Das bedeutet mir sehr viel. Ich finde, Wien ist eine wunderbare Stadt. Außerdem mag ich Gustav Klimt, ich war auch schon einmal im Belvedere. 

Als ich ‚Yentl' gedreht habe, bin ich extra für ein Wochenende nach Wien geflogen, um mir das kunsthistorische Museum anzuschauen. Wenn man Filme dreht, hilft es immer, sich Kunst anzusehen. Wien ist einfach eine schöne Stadt und außerdem gibt es hier so viele Konditoreien und Schokolade, die ich besonders liebe. 

Können Sie uns beschreiben, wie die Shows in Europa aussehen werden? Welche Songs werden Sie spielen? Haben Sie sich für Wien etwas spezielles vorgenommen?

BS: Wir verändern die Show (im Vergleich zum US-Programm, Anmerkung) natürlich ein bisschen, weil ich ja bis auf England noch nie in Europa aufgetreten bin. Ich werde viele Songs singen, die wir in den USA ausgelassen haben. Jetzt wo die Tour so knapp bevor steht, kommt es mir ziemlich verrückt vor, dass ich in all diesen Jahren – es waren immerhin 27 – nie in Europa aufgetreten bin. Ich meine, besser spät als nie. Und wann, wenn nicht jetzt - nicht wahr? (lacht) 

Ich muss gerade an die Wiener Philharmoniker denken – Wien ist eine großartige Stadt für Musik und Kunst, nicht? Es fühlt sich richtig an, gerade dort zu singen. Wie gesagt, das Programm wird anders aussehen, als in Amerika. Ich spiele alle meine Klassiker und Songs aus meinen ganz jungen Tagen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.

Bei Künstlern ihres Kalibers kommt man sehr leicht in Versuchung, sie sich als fordernd und anspruchsvoll vorzustellen. Sie kommen immer sehr gefasst und gemütlich rüber...

BS: Natürlich! Ich bin ein „Hometown Girl“. (lacht) Ich komme mehr oder weniger aus der Gosse und bin in sehr ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. In Brooklyn, New York. Wir schliefen zu fünft in einem winzigen Appartement. Ich war im Wohnzimmer einquartiert, bis ich 13 wurde. Ich schlief auf einem Klappbett, das wir tagsüber als Couch benutzten. Wir waren einfach arm! Meine Puppe war eine Flasche warmes Wasser und wir hatten kein richtiges Sofa. Das ist vielleicht ein Grund, warum ich sie (die Sofas, Anmerkung) heute so mag. Ich erinnere mich an einen großen Esstisch unter dem ich mich oft versteckt hielt. Oh, ich hab viel Zeit unter diesem Tisch verbracht...

War es für sie von Vorteil, aus diesen Verhältnissen zu kommen?

BS: Ja. In gewisser Weise bin ich froh über diesen Background, weil ich das Leben und seinen Wert dadurch zu schätzen weiß. Ich habe nie etwas bekommen, für das ich nicht auch gearbeitet habe. Ich schätze viele Dinge, die ich früher nie gehabt habe. Literatur, zum Beispiel – ich hatte zum ersten Mal Kontakt mit Büchern als ich 16 war und nach dem Highschool-Abschluss von zuhause auszog. 

Das Diplom damals habe ich mit Auszeichnung bestanden. Meine Mutter wurde oft gefragt, warum sie mich nicht aufs College schickt. Aber ich wollte Schauspielerin werden, also jobbte ich. Ich hatte meine ersten Jobs als Babysitterin, als Kassierin – da war ich elf Jahre alt! Ich kaufe meine Kleider seit ich zwölf bin. Meine Leidenschaft gilt der Schauspielerei, das Singen benutzte ich damals nur, um Geld zu verdienen, mit dem ich mir die Schauspielschule und meinen Traum finanzieren konnte. Den Traum, ja den Traum...

Genießen Sie ihren Erfolg?

BS: Ich würdige ihn. Rückblickend mag ich wohl den Prozess des Berühmtwerdens, das Berühmtsein hingegen nicht so sehr. Das erste, dass man mit dem Status verliert, ist die Anonymität. Du kannst plötzlich nicht mehr shoppen gehen, ohne dass dir Fotografen auf den Fersen sind. Ich mag den Starkult nicht – ich schätze aber den kreativen Prozess dahinter. Mit dem Berühmtsein bin ich eigentlich nie klargekommen.

Weil Sie gerade Paparazzi ansprechen; wie denken sie über Menschen wie Britney Spears und das, was ihr passiert ist?

BS: Ich denke, dass es in diesen Menschen auch etwas gibt, das diese Facetten des Berühmtseins auskostet. Ich gehe nicht oft aus – von mir bekommen sie kein Foto! (lacht) Ich meide öffentliche Orte, ziehe mich lieber zurück. Sie werden mich auch selten auf Openings oder Gala-Abenden treffen. Ich muss den Wirbel nicht haben. 

Eigentlich bin ich am liebsten zuhause. (lacht) Ich besitze einen tollen Garten mit wunderschönen Blumen und ich lebe am Meer, wo sich der Horizont jede Minute verändert. Ich bin gerade dabei, ein Haus zu entwerfen bzw. zu bauen. Ich besitze dieses Stückchen Land schon seit 13 Jahren – und erst jetzt haben wir mit dem Bau begonnen, der momentan all meine Aufmerksamkeit benötigt. 

Ist die Tour eine Art Pause? Entfliehen Sie dem Bau-Stress?

BS: Ja, in gewisser Weise schon. Momentan ist es ziemlich hart. Wir planen und bauen insgesamt schon seit fünf Jahren. Es tut mir sicher gut, ein paar Wochen Auszeit zu nehmen um dann wieder mit einem freien Kopf zurückzukehren.

Als Sie vor ein paar Jahren ankündigten, keine großen Tourneen mehr absolvieren zu wollen, nannten Sie Lampenfieber als einen wichtigen Grund. Wie äußert sich diese Angst vor der Bühne bei Ihnen und wie bekommen Sie das in den Griff?

BS: Hätte ich dieses schreckliche Lampenfieber nicht, würde ich wahrscheinlich jedes Wochendende auftreten. Aber mein Herz rast, wenn ich die Bühne betrete, mir wird heiß und ich fühle mich mit einem Mal einfach nur unwohl. Die Angst verschlingt mich. Ich kann nicht einmal auf meiner eigenen Geburtstagsparty aufstehen, um ein paar Worten zu den Gästen sprechen. Ich mag die Überschaubarkeit von Filmsets, ich bin gerne im Studio und liebe es, Songs zu schreiben. 

Als ich achtzehn war, hatte ich diese Probleme nicht. Damals wollte ich mir etwas beweisen, ich wollte mich anderen gegenüber behaupten und zeigen, dass ich die Aufmerksamkeit Wert bin. Wenn du das einmal erreicht hast, geht es eigentlich nur mehr darum, ob man das Level halten kann – man fühlt sich wie vor einem Richter. Wenn man aber so alt ist, wie ich jetzt, versucht man alles zu tun, was man bisher versäumt hat. Und ich habe nun mal nie in Europa – bis auf England – gespielt und jetzt ist es Zeit. Deswegen bekämpfe ich das Lampenfieber. Ich versuche, mielt eine große Rolle in Ihrem Leben. Bei Ihren Shows in Amerika haben Sie das deutlich gezeigt. Wie werden Sie das in Europa handhaben?

BS: Ich werde das George-Bush-Ding hier nicht durchziehen. Es ist irgendwie vorbei. Vor der Wahl war mir das sehr wichtig, ich konnte es nicht oft genug sagen. Auf der kommenden DVD wird man Szenen davon sehen - und auch von der Zeit nach dem siebenten November, als die Demokraten im Repräsentatenhaus und im Senat die Mehrheit übernahmen. Außerdem bezweifle ich, dass es in Europa so populär wäre – obwohl... er (George Bush, Anmerkung) ist ja in vielen Teilen der Welt nicht sehr populär.

Wird es in nächster Zeit einen Film von oder mit Ihnen geben?

BS: Nun ja, das Haus zu bauen, ist ungefähr so, als würde man einen Film drehen. Es gibt so viele Details, auf die man achten muss. Es hat fast fünf Jahre gedauert, bis ich ‚Yentl' gedreht hatte – dieses Haus hat auch schon fünf Jahre gebraucht. Aber wenn ich das fertig habe, werde ich entweder Regie bei einem Film führen oder ein Buch schreiben. Ich hätte mir nie gedacht, dass ein Haus soviel Arbeit bedeutet. Aber ich bin dort soetwas wie der Superintendant – wenn ich nur blinzle, wissen die, dass hier etwas nicht stimmt. (lacht) Aber ich kann es trotz alledem gar nicht erwarten, dieses Riesenprojekt eine Weile ruhen zu lassen. 

Sie sind letzte Woche 65 geworden. Ist die Europatour eine Art Geburtstagsgeschenk, das auch Shoppingtouren und Sightseeing mit einschließt? Wird man Sie in Wien antreffen?

BS: Natürlich! Ich war auch in Wien schon oft einkaufen, obwohl ich nie Kleidung kaufe. Ich frage meistens meine Freunde, wo sie dies und das gekauft haben – so komme ich zu Kleidung. (lacht) Oder ich schicke meine Assistentin. Was ich mag, ist in kleinen Antiquitätenläden zu shoppen. Da könnte man mich treffen.

Sie haben schon seit vielen Jahren Erfolg. Wie würden Sie die Veränderungen in der Musikindustrie beurteilen? 

BS: Ich denke über diese Dinge nicht nach. Ich weiß auch gar nicht, was in der Musikindustrie momentan vor sich geht. Ich bin momentan nicht nur durch den Hausbau ziemlich abgeschottet. Ich höre auch nie Radio - nur Air America, einen politischen Sender. Ich kann die heutige Musik nicht wirklich beurteilen – zum Teil verstehe ich sie auch nicht, sollte ich hinzufügen. Ich kenne ein paar Neuheiten, das eine oder andere Gesicht gefällt mir auch – aber es reflektiert zum Großteil wahrscheinlich den Fortschritt, die heutige Zeit. Ein bisschen chaotisch, Sie wissen schon... 

Welche Musik läuft bei Ihnen zuhause?

BS: Keine. (lacht) Wirklich! Ich höre zu Hause nicht Musik. Wenn ich eine Platte mache, muss ich sie mir unzählige Male hintereinander anhören. Irgendwann halte ich es nicht mehr aus und ich spiele die Platten dann zuhause so gut wie nie. Wenn ich ganz selten Musik höre, dann meistens etwas Klassisches. Ich habe nur ein paar Lieblings-CDs, die ich mir gelegentlich anhöre.

Von Franziska Trost & Christoph Andert


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