Flug über die Anden

Theater-Thriller ohne Spannung

Michel Vinavers „Über Bord“ war eine Entdeckung. Hoch gesteckt daher meine Erwartungen an „Flug über die Anden“. Am Stück gibt´s nichts auszusetzen: Menschen in Ausnahmesituationen bieten immer Stoff für Spannung. Doch die verschenkt die platt gewalzte Inszenierung Gerhard Willerts in den Linzer Kammerspielen.

Ein Privatjet mit der Führungsspitze eines amerikanischen Konzerns stürzt in den Anden ab. Mit an Bord sind auch eine Ehefrau, Freundinnen und eine Tochter. Die meisten überleben den Crash und harren danach tagelang aus. In der Hoffnung auf Hilfe, hungernd, frierend, tun sich die Abgründe menschlicher Verzweiflung auf. Und die Opfer werden immer mehr, die (Über-)Lebenden immer weniger.

Ein Thriller, müsste man meinen. Dem Gerhard Willert in nahezu drei Stunden jegliche Spannung austreibt. Er erzählt die Geschichte zu lapidar, schielt eher auf die Lacher denn auf die menschlichen Tragödien. Wie schade! Denn das Ensemble gibt sein Bestes: Die Männer aus den höheren Etagen, Grau in Grau, wie ihre Anzüge. Messerscharf im Geschäft aber hilflos in der Wildnis. Farbe bringen die Damen ins Spiel: Isabella Szendzielorz, Nicole Reitzenstein, Barbara Novotny und Sabine Martin tragen das Stück über weite Strecken.

Weitere Vorstellungen am 4., 8., 21., 25. Mai

 

 

 

Foto: Brachwitz

Mittwoch, 16. Juni 2021
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