26.03.2007 18:59 |

Hitzige Gefechte

Supreme Commander

Die Prophezeiungen einer drohenden Klimakatastrophe haben sich nicht bewahrheitet. Die Menschheit schickte sich stattdessen an, das All zu erkunden. Aber das Streben nach Macht und Einfluss führte zu einer weit schlimmeren Bedrohung, einem noch die da gewesenen bereits 1.000 Jahre andauernden Krieg. Drei Konfliktparteien stehen sich in "Supreme Commander" unversöhnlich gegenüber.

Zum einen kämpft die United Earth Federation, UEF, für die Ansprüche der Menschen, während die Cybrans, halb Mensch, halb Maschine, einst von den Menschen erschaffen, gegen ihre Unterdrücker einen Aufstand angezettelt und eine Spur der Verwüstung durch das All gezogen haben. Zu guter Letzt wären da noch die Aeons, die das Vermächtnis einer einst friedliebenden Alien-Rasse bewahren, die von den Menschen gnadenlos vernichtet wurde. Daher sinnen sie, so gar nicht ihren Vorbildern nacheifernd, nach bedingungsloser Rache.

Doch nun nach zig geschlagenen Schlachten, horrenden Verlusten und unvorstellbarem Leid kommt der Krieg in seine alles entscheidende letzte Phase und der Spieler befindet sich mittendrin...

Der bekannte Spieledesigner Chris Taylor hat sich zum Ziel gesetzt, mit "Supreme Commander" dem Einheitsbrei der Echtzeitstrategiespiele das Fürchten zu lehren. Schon sein fast vergessenes "Total Annihilation" hob sich wohltuend vom Rest des Genres hab, hatte aber nicht den kommerziellen Erfolg eines "Command&Conquer". Mit "Supreme Commander" könnte sich das nun grundlegend ändern.

Mit Atomsprengköpfen gegen Raketenschutzschilder
Als Commander der UEF wird man in einen riesigen Mech, ACU genannt, gesteckt und in das Operationsgebiet gesandt. Anfangs gilt es eine Basis aus dem Boden zu stampfen. Dazu müssen Energiequellen angezapft und Rohstoffe gewonnen werden, um weitere Gebäude erstellen zu können. Auffällig ist dabei die unzählige Zahl an Einheiten, die mittels Upgrades technologisch verbessert werden können. An Waffensystemen steht von einem ansehnlichen atomaren Arsenal über Raketenschutzschilder, diversen gepanzerten Einheiten und Infanterie alles zur Verfügung, dass nur irgendwie dazu geeignet ist, den Gegner zu bekämpfen.

Grips und Taktik sind gefragt
Erfreulich ist dabei, dass die bequeme und inzwischen öde Taktik einfach durch Masse den Gegner zu überlaufen nicht funktioniert. Es braucht schon ein wenig Grips und taktisches Verständnis, um erfolgreich zu sein. Gelegenheitsspieler müssen sich allerdings nicht mit Schrecken abwenden, denn ein erfahrener Hobbygeneral muss man dafür nicht sein.

Möglichkeiten einen Sieg zu erringen gibt es mehrere. Entweder man führt einen Angriffskrieg, oder verschanzt sich hinter den eigenen Stellungen, lässt den Gegner kommen und kontert danach mit einem vernichtenden Gegenschlag. Wichtig ist dabei eine ausgewogene Truppenstruktur aufzuweisen, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Sehr hilfreich ist dabei eine funktionierende Aufklärung, die verhindert auf die falschen Einheiten zu setzen.

Im weiteren Verlauf stehen sich gewaltige Armeen gegenüber, die teils weit von ihrer Basis entfernt sind. Damit für den notwendigen Nachschub gesorgt ist, sollten deshalb entsprechende Transportflugzeuge zur Verfügung stehen.

Perfekte Übersicht dank Superzoom
Bei so vielen Truppen und den großen Spielfelder fürchtet man sofort eine fehlende Übersicht, doch bei "Supreme Commander" wurde dies - endlich - gelöst. Mit dem Mausrad kann stufenlos aus dem Geschehen herausgezoomt werden, bis schlussendlich eine taktische Karte zu sehen ist. Dank der Truppensymbole bleibt auch in den hitzigsten Gefechten die Übersicht gewahrt. Auch die KI, bisher oft recht stiefmütterlich vorhanden, kann überzeugen und sorgt so für abwechslungsreichen, lang anhaltenden Spielspass.

Die Grafik befindet sich nicht ganz auf diesem hohen Niveau, wobei dies nicht bedeuten soll, sie wäre schlecht. Sie ist nur eine der wenigen Punkte, die den hohen qualitativen Standard anderer Elemente des Spiels knapp verfehlt. Konkret hätten die dargestellten Einheiten etwas detaillierter ausfallen können, wie die Effekte bei einschlagenden Geschossen, welche bombastisch in Szene gesetzt wurden. Die Zwischensequenzen sind den Entwicklern hingegen sehr gut gelungen. Fast wünscht man sich ein wenig mehr davon im Verlauf des Spiels präsentiert zu bekommen.

Die Steuerung funktioniert, sobald ausreichend Übung vorhanden ist, fast intuitiv und kann als Ausrede ein Gefecht verloren zu haben nicht herhalten. Auch soundseitig gibt sich "Supreme Commander" keine Blöße.

Das Tutorial hätte allerdings etwas besser gelöst werden können. In der ersten Mission wird zwar mittels Vorgaben erklärt, was als nächstes zu Bauen ist um voranzukommen, doch wäre für Anfänger eine optionale ausführlichere Einführung vorteilhafter, denn diese müssen sich vor dem Start die angebotenen, nicht interaktiven Videos ansehen, um den Einstieg problemlos zu schaffen.

Fazit: Es geht doch! Nach dem x-ten gleich ablaufenden Echtzeitstrategiespiel mit den selben Schwachpunkten zeigt "Supreme Commander", dass es auch anders, nämlich viel besser geht. Eine ausgewogene, vor allem funktionierende KI, eine Zoom-Funktion, die ihren Namen auch verdient, und vielfältige Einheiten sorgen für gepflegte Unterhaltung. "Supreme Commander" ist das beste Echtzeitstrategie seit längerer Zeit und eins der ersten Highlights dieses Jahres.

Plattform: PC
Publisher: THQ
Krone.at-Wertung: 94%

von Harald Kaplan

Montag, 21. Juni 2021
Wetter Symbol