Taboris ¿Jubiläum¿

Leichtigkeit des Grauens

„Seit 40 Jahren bete ich jeden Tag, dass in Auschwitz nicht Väter, sondern Brote gebacken wurden.“ So hofft Arnold in George Taboris Stück „Jubiläum“, das das „Berliner Ensemble“, berühmte Heimstätte von Bert Brecht, am Sonntag im vollen Linzer Posthof inszenierte. Ambivalent, absurd, schaurig echt.

Der Neonazi Jürgen bringt Farbe in einen Friedhof. Mit seinen Schmähungen erweckt er eine Gruppe Toter zum Leben. Um sich von ihnen gleich belehren lassen zu müssen: „Jude verreke“ schreibe man mit „ck“. Die lebenden Toten - Juden, Schwule und eine Spastikerin - bleiben gefasst, tun das Geschmiere als „Dummejungenstreich“ ab. Und erzählen von ihren Schicksalen.

Mit unvorstellbarer Leichtigkeit, Überhöhung und Wiederholung macht Tabori, dessen Vater im KZ umkam, das Verdrängen erschreckend gegenwärtig.

Das achtköpfige „Berliner Ensemble“ erntete für die bewegende Übertragung ins Heute tosenden Applaus. Was bleibt, ist die schändliche Erkenntnis, dass sich Arnolds Hoffnung (siehe oben) nicht erfüllt hat. Zumindest Tabori hält das nicht davon ab, auch im bösen, dummen oder feigen Menschen nach Versöhnung zu suchen.

 

 

Foto: Matthias Horn

Montag, 17. Mai 2021
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