Trainer k. o.

Sevilla-Trainer nach Attacke bewusstlos

Fußball
01.03.2007 16:42
Juande Ramos war gerade aufgesprungen, um den Führungstreffer seiner Mannschaft durch Frederik Kanouté zu feiern. Plötzlich fasste sich der Trainer des spanischen Erstligisten FC Sevilla mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Kopf, geriet ins Taumeln und ging dann bewusstlos auf dem Spielfeld zu Boden!

In der 57. Minute des Viertelfinal-Rückspiels im brisanten Pokalderby beim Lokalrivalen Betis Sevilla war der 52-Jährige von einer mit Wasser und Eis gefüllten Plastikflasche im Nacken getroffen worden, die jemand aus dem Publikum auf den Rasen geschleudert hatte. Das Spiel wurde daraufhin beim Stand von 1:0 für die Gäste abgebrochen.

Ramos erlitt eine Gehirnerschütterung und wurde mit einer Trage aus dem Stadion gebracht. Doch damit nicht genug: Radikale Betis- Anhänger bewarfen den Krankenwagen, mit dem er in eine Klinik gefahren wurde, mit Steinen. Am Donnerstag wurde der Coach wieder entlassen und leitete sogar schon wieder das Training. "Ich kann mich an nichts mehr erinnern", sagte er und zeigte sich zugleich versöhnlich: "Mit diesem Gewalttäter haben die echten Betis-Fans nichts zu tun." Die Betis-Führung entschuldigte sich und kündigte Ermittlungen an, um den Schuldigen ausfindig zu machen.

Angst vor "italienischen Verhältnissen"
Die Presse schlug derweil Alarm. "Sie hätten Juande töten können!", stellte die Sportzeitung "Marca" erschüttert fest. In Spanien würden bereits Verhältnisse wie in Italien herrschen. "Das ist kein Fußball mehr", meinte auch das Konkurrenz-Blatt "As". Denn auch der Präsident des FC Sevilla, José María del Nido, war auf der Tribüne beschimpft und von einem Feuerzeug am Nasenbein verletzt worden. Die Spieler des UEFA-Cup-Siegers hatten ihre Umkleideräume wegen eines beißenden Gestanks zunächst gar nicht betreten können: Denn jemand hatte den Boden mit Natronlauge und Ammoniak "geputzt".

Eskalation von Klubs bisher geduldet
Allerdings sind beide Clubs an der "Schande von Sevilla" ("El País") nicht schuldlos. Die Führungen der zwei für ihre erbitterte Feindschaft bekannten Vereine hatten sich in den vergangenen Wochen heftigst attackiert und damit zur Eskalation in der südspanischen Metropole maßgeblich beigetragen. "Die Clubchefs Del Nido und Manuel Ruiz de Lopera müssten aus dem spanischen Fußball verbannt werden", forderte die Zeitung "El País", die beide als kindische Brandstifter bezeichnete. Die Disziplinarkommission des spanischen Verbandes muss nun entscheiden, ob die Partie zu Ende gespielt oder der FC Sevilla zum Sieger erklärt wird. Auch über eine Strafe muss beraten werden.

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