Mi, 15. August 2018

"Vier Pfoten"-Aktion

30.11.2017 10:15

Löwen entkommen illegalem Inzucht-Zoo in Bulgarien

Unter der medizinischen Leitung der österreichischen Tierärztin Dr. Johanna Painer startete die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" am 23. November eine neue Rettungsmission in Bulgarien. Im Fokus dabei standen fünf Löwen, die in einem illegalen Zoo in der Stadt Razgrad gehalten werden.

Die Großkatzen entstammen einer Inzuchtlinie und wurden in den letzten Jahren massiv vernachlässigt. Neben der dringenden Erstversorgung sterilisierten die Tierärzte des Rettungsteams zwei männliche Löwen, um eine weitere Vermehrung der Geschwister zu stoppen. Die "Vier Pfoten" brachten bereits einen besonders angeschlagenen Löwen temporär im Zoo der Hauptstadt Sofia unter. Langfristiges Ziel der Tierschutzorganisation ist es, den Großteil der ehemaligen Zoo-Löwen - darunter auch zwei Jungtiere - in ihre eigenen Tierschutzzentren zu übersiedeln.

Die Löwen des Razgrad Zoos, im Alter zwischen drei Monaten und zwölf Jahren, können nun aufatmen: Die Tierschützer erlösten die Wildtiere von besonders widrigen Haltungsbedingungen. Die Großkatzen, die aus einer drei Generationen zurückreichenden Inzuchtlinie stammen, vegetierten bislang ohne jegliche medizinische Versorgung in winzigen Gehegen. "Die Tiere so vorzufinden, war schockierend. Noch nie in ihrem Leben wurden diese Löwen von einem Tierarzt untersucht. Das ist besonders vor dem Hintergrund der systematischen Inzucht der Großkatzen fatal. Hier haben sich die Nachfahren von Geschwistern aufgrund fehlender Betreuung ebenfalls unkontrolliert weiter vermehrt", berichtet Tierärztin Dr. Johanna Painer, die an der Veterinärmedizinischen Universität tätig und für die "Vier Pfoten" immer wieder im Einsatz ist.

Strengere Gesetze brachten weniger Nachfrage
In der Vergangenheit wurden die gezüchteten Löwen an andere Zoos, Zirkusse und Privatpersonen verkauft. Die Einführung von strengeren Gesetzen in Bulgarien im Jahr 2008 drängte die Nachfrage jedoch zurück. Somit blieben die Großkatzen im Razgrad Zoo.

Vasektomie und medizinische Betreuung
Da der Zoo im Besitz der Stadt ist, überzeugten die "Vier Pfoten" den Bürgermeister von Razgrad einzuschreiten. Das Tierärzte-Team versorgte alle Löwen medizinisch und sterilisierte zusätzlich zwei erwachsene Männchen. Aufgrund des mangelnden Auslaufs haben die älteren Löwen Probleme mit ihren Wirbelsäulen. Es ist wahrscheinlich, dass auch die jüngeren Tiere bald unter den gleichen Symptomen leiden werden. Ein dreijähriger Löwe, dessen Gesundheitszustand besonders kritisch war, wurde für gründliche Untersuchungen bereits nach Sofia gebracht. Die Tierärzte fanden Sand in seiner Blase und konnten auch Nierenfibrose feststellen. Die bald vorliegenden Ergebnisse des CT-Scans werden mehr Klarheit über seine Verfassung bringen. Sobald er fit genug ist, werden die "Vier Pfoten" den Löwen in eines ihrer artgemäßen Tierschutzzentren überstellen.

Suche nach neuem Zuhause
Ein neues Zuhause erwartet auch die zwei ältesten Löwen des Razgrad Zoos sowie die zwei ebenfalls aus der Inzuchtlinie stammenden Löwenjungen. Die erst im September 2017 geborenen Familienmitglieder wurden bereits einige Wochen zuvor aus dem Zoo gerettet und werden so bald wie möglich in ein "Vier Pfoten"-Tierschutzzentrum gebracht. Bis die lokalen Behörden eine Entscheidung über die endgültige Schließung oder Renovierung des Zoos getroffen haben, bleibt lediglich ein Löwen-Pärchen weiterhin in Razgrad. Die Tierschützer wollen das Wohlergehen der sechsjährigen Geschwister sowie auch das der übrigen Zoobewohner streng überwachen.

Zoo ohne Lizenz
Der Zoo von Razgrad liegt im Nordosten Bulgariens und wurde 1960 eröffnet. Obwohl seine Lizenz bereits 2014 auslief, blieb er weiter kostenlos für Besucher geöffnet. Mit der unprofessionellen Zucht und dem Verkauf von Löwen versuchte man den Betrieb zu finanzieren. Derzeit leben über 25 Säugetiere - darunter Löwen, Hirsche, Rentiere, Lamas, Füchse und Schweine - sowie ein paar Dutzend Vögel in dem illegalen Zoo.

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