Di, 18. Dezember 2018

Todesliste geführt

18.11.2017 07:19

Amoklauf an Schule geplant: Duo droht Prozess

Schüler, die Klassenkameraden bedrohen, gibt es immer wieder - in Oberösterreich werden deshalb jährlich etwa zwanzig Schüler kurzfristig vom Unterricht suspendiert. So massiv, wie nun an der HTBLA in Wels, sind diese Drohungen aber selten. Wie berichtet, hatten dort zwei Schüler sogar in einer Art Todesliste aufgeführt, in welcher Reihenfolge sie ihre Klassenkameraden erschießen wollen. Jetzt droht dem Duo ein Prozess.

Diese beiden Amokdroher im Alter von 17 und 18 Jahren werden sich vor Gericht verantworten müssen. Sie sind aber offenbar schon vor ihren Morddrohungen auffällig geworden: "Wir haben gewusst, dass irgendwer über Schulcomputer Seiten mit Amokläufen an Schulen gegoogelt hat - wir haben zwar nicht gewusst, wer das war, wir wurden aber davor gewarnt, solche Seiten aufzurufen, weil das in der Schule überprüft wird", erzählten Schüler der HTBLA der "Krone". Sie hatten den Vorfall Mitte Oktober nicht direkt mitbekommen: "Darüber wurde in der Schule nichts gesagt - uns hat die Meldung dann zwar geschockt, aber wir hatten keine Angst!"

Da die etwas mehr als 15 bedrohten Klassenkameraden vom schulinternen "Mail & Ask"-Programm sofort unterstützt und die beiden Droher aus der Schule genommen wurden, kehrte wieder Normalität im Klassenzimmer ein.

An der Freien Universität Berlin wurde derartiges Verhalten, wie es auch die Welser Amokdroher zeigten, anhand von 126 Vorfällen in 13 Ländern analysiert.

Vor Amokdrohung steht Ruf nach Anerkennung
Immer stand am Anfang das Grundbedürfnis nach Anerkennung. So hatten auch die beiden verdächtigen Jugendlichen in Wels bei ihren Einvernahmen angegeben, dass sie nur Aufmerksamkeit erregen wollten. Sie hatten in ihrer Computerwelt gelebt, hatten sich damit selbst ausgegrenzt und schließlich zu Außenseitern gemacht.

Die Amokforschung zeigte aber auch, dass exzessives Computerspielen Jugendliche nicht brandgefährlich macht - es kann aber zu Ausgrenzung durch Verlust sozialer Kontakte führen, und erst das baut dann Aggressionen auf.

Johann Haginger und Markus Schütz, Kronen Zeitung

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