Sa, 23. Juni 2018

"Krone" fragte nach

15.09.2017 14:12

Österreichs Muslime: "So wählen wir!"

Die "Krone" hat für Sie in ganz Österreich mit Muslimen gesprochen. Viele wählen die SPÖ, aber auch ÖVP oder sogar FPÖ kommen durchaus infrage ...

Mustafa ist schon sein Leben lang in Wien. Er kam mit seinen Eltern aus dem Irak, als er noch ein Baby war. Jetzt jobbt er als DJ und betreibt den Barbershop "Mustanol" in Hernals. "Ich wähle die SPÖ", sagt der 30-Jährige geradeheraus, "wie viele meiner Bekannten auch". "Die meisten Moslems in Österreich sind Rot-Wähler", ist Mustafa sicher. Warum? "Weil wir uns von denen am besten repräsentiert fühlen." Die Kluft zwischen den Kulturen ist demnach auch keineswegs so groß, wie uns Politik und (soziale) Medien oft glauben lassen.

Denn eines stellt Mustafa unmissverständlich klar: Er wählt nicht als Gläubiger, sondern als Österreicher - seine Wahl habe rein gar nichts mit seiner Religion zu tun. Was wohl auch der Grund ist, warum Mustafa "viele" kennt, "die FPÖ oder halt den Kurz wählen". "Warum auch nicht?", fragt er. Eben. Warum eigentlich nicht? Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Gespräche mit unseren Interviewpartnern: Sie wollen nicht als "Moslems" auf ihre Religion beschränkt werden. Sie wollen als Bürger dieser Republik ihre Stimme abgeben - und sie tun das auch. Und sie sind dankbar dafür, dass sie es hier tun dürfen.

"Die meisten Türken sind Wahlmuffel"
Islam- und Integrationsexperte Amer Albayati hingegen schätzt die Situation im "Krone"-Gespräch allgemein skeptischer ein. Es gebe 700.000 Muslime in Österreich, von diesen hätten rund 200.000 die Staatsbürgerschaft, rechnet Albayati vor. Die größte wahlberechtigte Gruppe seien die Türken: rund 130.000. Doch gerade die seien "Wahlmuffel", sagt der Experte. "Viele wollen gar nicht wählen, auch weil sie glauben, dass ihre Religion es ihnen verbietet."

Vor allem die Rolle der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) sieht Albayati in diesem Zusammenhang kritisch - denn der dort "angeblich gelebte gemäßigte Islam" sei in der Realität kaum vorhanden.

Auch für den irakisch-österreichischen Autor, der der Initiative Liberaler Muslime vorsitzt, liegt die Sympathie der Muslime, vor allem in Wien, klar bei den Sozialdemokraten. Grün-Wähler sieht er vermehrt in den Bundesländern - sowie eher kleinere Ausreißer für ÖVP und FPÖ.

"Wir brauchen frisches Blut in der Politik"
Mahfoud M. (65), Pensionist aus Purgstall/Erlauf (NÖ): "Ich werde am 15. Oktober Herrn Kurz meine Stimme geben. Er ist ein junger, dynamischer Minister, der sicher vieles zum Wohle Österreichs umkrempeln wird."

Saira S. (20), Krankenschwester aus Oberwart: "Ich wähle die SPÖ, weil die Partei sehr offen, breit aufgestellt und sozial ist. Meine ältere Schwester kandidiert sogar für die SPÖ auf dem achten Listenplatz."

Abdulrahman A. (29), Gebietsleiter aus Linz: "Ich bin hier geboren, habe bisher immer die SPÖ gewählt. Diesmal aber NBZ, weil sie sich für ein Miteinander einsetzt, egal welcher Herkunft oder welchen Glaubens man ist."

Engin O. (32), Selbstständiger in der Hygienebranche, Steiermark: "Ich wähle ÖVP, weil die Roten nur so tun, als wären sie sozial. Wir brauchen frisches Blut in der Politik. Ich glaube, Kurz ist stark genug, um etwas zu ändern."

Ali E. (24), Unternehmer aus Klagenfurt: "Ich werde den Kandidaten wählen, der seine Wahlversprechen am ehesten hält. Er muss im Sinne des Staates und Bürgers handeln - oder es zumindest ernsthaft versuchen."

Erkan Ö., in Ausbildung zum Diplompfleger, Salzburg: "Ich wähle die Grünen, weil sie für konstruktive Politik stehen, sich am überzeugendsten für soziale Gerechtigkeit, Frauen, Arbeitsmarktpolitik und Klimaschutz einsetzen."

Sinan S. (28), Busfahrer aus Telfs: "Natürlich gehe ich wählen, das ist ja mein Recht als Staatsbürger! Was ich wähle, weiß ich aber noch nicht - ich schwanke derzeit zwischen Rot und Schwarz. Aber eher wird's Rot."

Meral B. (48), Kellnerin aus Dornbirn: Ich gehe sicher wählen, das sollte jeder! Es ist wichtig, das Wahlrecht zu nutzen. Ich bin eher Wechselwählerin, informiere mich online. Letztlich entscheidet aber immer der Bauch mit."

Martin Kallinger
Martin Kallinger

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