Attacke auf System

Ärztekammer-Chef tobt über geplante Reform

Oberösterreich
21.11.2016 17:51

Gegen die im Finanzausgleich festgelegten Reformen im Gesundheitswesen laufen die Ärzte Sturm. Das Hausarztsystem soll abgeschafft werden und Gruppenpraxen kommen. Viel schlimmer aber: Die Ordinationen könnten relativ leicht an Pharmariesen oder Investoren verkauft werden. Ärztekammer-Chef Niedermoser tobt.

"Völlig unüblich wurde das Gesetz nicht einmal in die Begutachtung gesandt, sondern soll - bei einer Übergehung aller Interessensgruppen - direkt in den Nationalrat weitergereicht werden", hat sich Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser nach den Finanzausgleich-Verhandlungen noch immer nicht beruhigt. Wie berichtet, befürchten Mediziner hinter den 15a-Zusatzvereinbarungen im Gesundheitswesen nicht nur einen Sparkurs, sondern auch kaum bis gar kein Mitspracherecht. "Land und Kassen könnten über die Köpfe der Ärzte hinweg bestimmen. Die vorgesehene Partnerschaft von Kassen und Ärzteschaft wäre in weiten Teilen obsolet", ärgert sich Niedermoser. Das ist so, als könnten die Wirtschaftskammer und der Bund unter Umgehung der Gewerkschaft durch eine Vereinbarung festlegen, wie ein Kollektivvertrag auszusehen hat.

Ambulatorien statt Ordinationen?
Niedermoser befürchtet außerdem, dass niedergelassene Ordinationen durch Ambulatorien und Spitalsambulanzen ersetzt werden könnten. "Im Endeffekt läuft es auf ein System hinaus wie in England, wo es fachärztliche Leistungen nur mehr in Spitalsambulanzen gibt und außerhalb des Spitals Ordinationen nur mehr Privatzahlern zur Verfügung stehen, die es sich finanziell leisten können",  kündigt  Niedermoser Protestmaßnahmen an.

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