Mi, 22. August 2018

"Neuschwabenland"

07.11.2015 10:35

Flüchteten Nazi-Größen nach Krieg in Antarktis?

1938 stach die "Schwabenland" unter strengster Geheimhaltung in Richtung Antarktis in See, um im südlichsten Gebiet der Erde Land für die Nationalsozialisten zu besetzen. Historisch belegt, um ein Jagdgebiet für die deutsche Walfangflotte, die den Fettbedarf des Dritten Reiches aus der ausländischen Abhängigkeit befreien sollte, zu schaffen. Doch bis heute ist die Expedition nach "Neuschwabenland" ein beliebtes Thema unter Verschwörungstheoretikern. Eine Nazi-Festung im ewigen Eis namens "Neuberchtesgaden" soll damals gebaut worden sein. Eine der wildesten Theorien besagt gar, Adolf Hitler persönlich habe dort nach der Kapitulation Zuflucht gesucht. Und auch UFOs dürfen in der skurrilen Geschichte nicht fehlen.

Dass sich Nazis nach der Kapitulation Deutschlands bis nach Südamerika abgesetzt haben, ist historisch belegt. Auch "Neuschwabenland" bzw. die dort befindliche Festung "Neuberchtesgaden" sollen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Gerüchten zufolge als Zufluchtsorte für Nazi-Schergen gedient haben. In der Populärkultur zog sich das NS-Regime gar ins Erdinnere oder, wie im Science-Fiction-Film "Iron Sky", auf die dunkle Seite des Mondes zurück - nachdem sie mit hochentwickelten "Reichsflugscheiben", also deutschen UFOs, von einer geheimen Polarstation "Neuschwabenland" aus ins All geflüchtet sind.

Eis-Festung als Startplatz für "Reichsflugscheiben"?
Bei dem als "Neuschwabenland" bezeichneten Gebiet handelt es sich um eine, heute als Königin-Maud-Land bekannte, geografisch real existierende Küstenregion im Osten der Antarktis. Dort soll laut Verschwörungstheoretikern die Nazi-Festung "Neuberchtesgaden" erbaut worden sein - ein jahrzehntelang gehegter Mythos, der sich nicht nur im rechten Lager großer Beliebtheit erfreut. Die Entwicklung der Reichsflugscheiben sei Hobby-Historikern zufolge jedenfalls dort nach Kriegsende vorangetrieben worden.

Unzählige Publikationen übers "Neuschwabenland"
Gibt man bei Google die Kombinationen "Hitler" und "Antarktis", "Nazis" und Antarktis" ein, liefert die Suchabfrage je nach Wortwahl Zehntausende bis Hunderttausende Treffer - auf Englisch sogar weitaus mehr als auf Deutsch. Auf unzähligen Internetseiten, Blogs und Chats wird da angeregt über die "wahre Geschichte" von "Neuschwabenland" diskutiert. Zahlreiche Bücher auf Deutsch, Englisch und auch auf Spanisch wurden zu dem Thema publiziert. Aber nicht nur wirre Verschwörungstheoretiker sondern auch seriöse Wissenschaftler lassen sich von der Antarktis-Expedition der Nationalsozialisten in ihren Bann ziehen.

So veröffentlichte etwa die Wissenschaftszeitschrift "Polar Record", immerhin von der renommierten Cambridge Universität herausgegeben, erst vor wenigen Jahren einen - mit 21 Seiten außergewöhnlich langen - wissenschaftlichen Aufsatz. Unter dem Titel "Hitler's Antarctic base: the myth and the reality" ("Hitlers Antarktis-Basis: Der Mythos und die Realität) analysierten der Meeresforscher Colin Summerhayes und sein Co-Autor Peter Beeching darin die Legenden rund um "Neuschwabenland".

Göring und die Jagd nach dem Wal-Tran
Seinen Anfang nahm die Geschichte der Nationalsozialisten im ewigen Eis in den 1930er-Jahren. Der banale Auslöser für die Planungen der Antarktis-Expedition der Nazis war Wal-Tran. Für Deutschland stellte das Öl der Meeressäuger eine wertvolle Ressource dar, denn Produzenten von Margarine, Schmiermitteln, Seifen und nicht zuletzt Nitroglycerin zur Herstellung von Sprengstoff konnten auf den grundlegenden Bestandteil nicht verzichten. Allerdings musste Wal-Tran damals für teures Geld aus Norwegen importiert werden, was dem Ziel, Deutschland wirtschaftlich unabhängig und damit kriegsbereit zu machen, zuwiderlief.

Um die sogenannte Fettlücke zu schließen, ließ Reichsmarschall Hermann Göring die deutsche Walfangflotte ausbauen, die auf ihrem Höhepunkt insgesamt 50 Schiffe zählen sollte. Weil die deutschen Walfänger auch ein Jagdgebiet benötigten, sollten Hoheitsrechte auf noch unerforschte Antarktis-Regionen geltend gemacht werden. Der Walfang sollte somit quasi vor deutschem Grund und Boden stattfinden können.

Hakenkreuzfahnen im ewigen Eis
Am 17. Dezember 1938 verließ das Expeditionsschiff "Schwabenland", ein umgebauter Frachter, mitsamt zweier schwimmfähiger Flugzeuge den Hamburger Hafen Richtung Südpol. Am 19. Jänner 1939 erreichte die "dritte deutsche Forschungsexpedition", nach Expeditionen im Jahre 1866 sowie 1911/12 - unter Kapitän und Expeditionsleiter Alfred Ritscher das Zielgebiet im Südpol. Schon bald nach der Ankunft rammte die Besatzung des 8000 Tonnen schweren Katapultschiffs - so wurden Schiffe bezeichnet, die Wasserflugzeuge bzw. Flugboote mit einem an Deck befindlichen Katapult in die Luft schleudern konnten - an der Küste Pfähle mit Hakenkreuzfahnen in den eisharten Boden.

Norweger waren schneller
Doch es stellte sich heraus, dass die "Schwabenland" zu spät dran war, um deutsche Ansprüche auf das gewünschte herrenlose Gebiet anmelden zu können. Die Norweger hatten die in Frage kommende Region bereits zu ihrem Besitz erklärt. Norwegische Walfänger vor Ort sollen die Route des deutschen Expeditionsschiffs nach Oslo gemeldet haben, woraufhin die dortige Regierung sofort, noch vor der Ankunft der Deutschen, ihrerseits auf dasselbe Gebiet Hoheitsrechte geltend machte. Dagegen protestierte man in Berlin zwar, verzichtete aber fortan selbst auf formale Inbesitznahme des Gebiets, das heute als Königin-Maud-Land bekannt ist. 2004 hieß es in einer Anfragebeantwortung des deutschen Außenministeriums: "Das frühere Deutsche Reich hat Gebietsansprüche in der Antarktis nicht erhoben."

Nur einen knappen Monat lang verbrachte die Besatzung der "Schwabenland" in der Antarktis. Zur Durchführung größere infrastruktureller Maßnahmen auf oder unter dem Festland reichte diese kurze Zeitspanne definitiv nicht aus, sind Experten überzeugt - was allerdings den Legenden, die sich rund um den vermeintlichen Bau einer Nazi-Festung namens "Neuberchtesgaden" bilden sollten, bis heute keinen Abbruch tut.

U-Boote im Visier der Verschwörungstheoretiker
Als Ursprung der teils wilden Spekulation um die Nazi-Festung im ewigen Eis gilt das Schicksal zweier U-Boote der deutschen Wehrmacht. U-530 und U-977 waren, Monate nach dem Kriegsende, im Juli bzw. August 1945 im argentinischen Hafen Mar del Plata eingelaufen, wo sich die Besatzungen den Behörden ergaben. Schnell kam die Frage auf, wo denn die U-Boote die Monate seit der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai unterwegs waren.

"Hitler plant seinen Gegenschlag"
So machte in Südamerika, wohin zahlreiche Größen des Dritten Reichs geflüchtet waren, bald die Geschichte die Runde, die beiden Unterwasserfahrzeuge hätten gleich nach der Kapitulation große, geheime Konvois von noch geheimeren Nordseehäfen in die Antarktis begleitet - um sich dann am Festland in Tunneln einzurichten, die zuvor von der "Schwabenland"-Besatzung gegraben worden seien. Die Theorien gehen sogar so weit, Adolf Hitler nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs persönlich in der Antarktis zu verorten - lebend und seinen Gegenschlag gegen die Westmächte planend.

Im Nachkriegs-Argentinien sei das auch Kritik an der rechten Regierung von Staatschef Juan Peron gewesen, dem man unterstellt habe, obskure Nazi-Verschwörungen zu unterstützen, gibt etwa der Historiker Holger Meding von der Universität Köln zu bedenken. Aber auch die Sowjetunion leistete den Gerüchten Vorschub, betonte Moskau doch immer wieder, dass man sich keinesfalls sicher sei, tatsächlich Hitlers verbrannte Leiche vor dem Führerbunker in Berlin gefunden zu haben. Frei erfundene Zitate machten damals die Runde: "Wenn wir uns hier nicht mehr verteidigen könnten", soll Hitler kurz vor Schluss gesagt haben, "dann eben aus dem Ausland."

US-"Operation Highjump" als "Manöver gegen Hitler"
Zum zentralen Element des Mythos "Neuschwabenland" wurde ein Militärmanöver der USA in der Antarktis im Jahr 1946: "Operation Highjump". Offizielles Ziel des Manövers, an dem neben 33 Flugzeugen und 13 Schiffen auch 4700 Soldaten beteiligt waren, war, US-Kriegsgerät und Truppen bei extremer Kälte zu testen. Für die Verschwörungstheoretiker steht jedoch fest, dass das Manöver in Wahrheit gegen Hitler und "Neuberchtesgaden" zielte. Angeblich, nachdem eine Offensive der Briten gegen die antarktische Nazi-Festung mit "Hitler lebt weiter." Hier kommen auch wieder die deutschen Reichsflugscheiben ins Spiel, die beim Zurückschlagen der US-Truppen eine nicht unentscheidende Rolle gespielt haben sollen.

Auch als die USA 1958 im Rahmen der Operation "Argus" drei Atombomben 1760 Kilometer südwestlich der südafrikanischen Metropole Kapstadt zündeten - die einzig bekannten US-Atomtests, die je in der Atmosphäre über dem Atlantik durchgeführt wurden - waren die "Neuschwabenland"-Verfechter überzeugt: Die nuklearen Explosionen sollten den letzten Widerstand Deutschlands im ewigen Eis brechen und das Ende von "Neuschwabenland" besiegeln.

Auch "Atomschlag" brachte nichts...
Für fanatische Verschwörungstheoretiker war nichts leichter, als den Standort der nuklearen Detonationen auf der Landkarte Tausende Kilometer weit über die angeblichen Nazi-Stellungen im Königin-Maud-Land in der Antarktis zu verschieben. Wenig überraschend konnten auch die Massenvernichtungswaffen dem Führerbunker im Eis nichts anhaben. Der Mythos rund um die Nazi-Zuflucht in "Neuschwabenland" lebt bis heute weiter...

Lesen Sie auch:

Aus dem Video-Archiv (2012): "Iron Sky" - Hilfe, die Mond-Nazis kommen auf die Erde!

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