„Krone“-Kommentar

Letzte Ausfahrt vor dem Totalschaden

Kolumnen
02.07.2026 05:00

Wird jetzt alles besser?

Nun: Wäre die Begeisterung der Koalition über sich selbst und über ihre Reformpläne ein zuverlässiger Gradmesser des Glücks, müsste Österreich knapp vor der Pforte zum Paradies stehen, mit ewiger Zufriedenheit und immerwährendem Wohlstand.

So ist es natürlich nicht. Wer derartige Erwartungen gehabt haben sollte, kann nur enttäuscht werden. In einem Land, in dem seit Jahrzehnten sich jeder auf seine Art in der Komfortzone eingerichtet hat, ist Widerstand eine natürliche Reaktion auf unausweichliche Veränderungen.

Daher ist der Regierung mit ihren diversen Vorhaben dem ersten Anschein nach mehr gelungen, als von ihr zu erwarten gewesen wäre. Bei der Bildung vielleicht mehr als in der Gesundheit, bei der Verwaltung eventuell mehr als in der Energiewirtschaft.

Das ist nicht die Welt, es ist aber auch nicht nichts.

Kanzler Stocker, Vize Babler und den Neos muss der Ernst der Lage zuletzt bewusst geworden sein. Hätte diese nicht rasend beliebte Regierung diese letzte Ausfahrt verpasst, hätte sie zwar bis zu den Wahlen so weitermachen können wie bisher. Ein Totalschaden wäre dann aber für alle Beteiligten unvermeidbar.

Vielleicht ist das jetzt also ein von vielen erhoffter und unerwarteter Neubeginn mitten im Lauf der Geschichte. Das weckt Erwartungen, dass etwas hervorgebracht wird, das niemand für möglich gehalten hat.

Misslingt dieses Experiment, könnte die Abrechnung am Ende bitter sein.

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