Am Sonntag stehen in Ungarn Parlamentswahlen an. Umfragen zufolge liegt der seit 2010 amtierende Ministerpräsident Viktor Orbán (Fidesz) hinter Oppositionsführer Péter Magyar (Tisza). Um im Zielsprint noch zu punkten, setzt man im Orbán-Lager auch auf Unterstützung aus dem Ausland. Am Dienstag stattete US-Vizepräsident JD Vance Budapest einen Besuch ab und hielt in einem Sportzentrum eine Rede.
Nach bilateralen Gesprächen hielten Orbán und Vance eine gemeinsame Pressekonferenz ab. In dieser warf Vance der EU „Wahl-Einmischung“ vor. Mit seiner Visite wolle er „ein Zeichen an alle senden, besonders an die Bürokraten in Brüssel“, sagte Vance. Diese hätten „alles in ihrer Macht Stehende getan, um das ungarische Volk kleinzuhalten, weil sie den Regierungschef hassen, der sich tatsächlich für das ungarische Volk einsetzt“.
„Der Präsident der Vereinigten Staaten und der Ministerpräsident von Ungarn waren gemeinsam dazu fähig, wunderbare Dinge zu tun“, so der US-Gast weiter. Er pries seinen Gastgeber als „weisen Staatsmann“, auf den Trump und er gerne hörten, um bei den – derzeit stillstehenden – Friedensbemühungen zur Beilegung des russischen Kriegs gegen die Ukraine weiterzukommen. „Viktor war besser als jeder andere, um uns dabei zu helfen, damit wir verstehen, was brauchen die Ukrainer, was brauchen die Russen, um zu einem Frieden zu kommen“, betonte Vance.
Orbán: „Der Adler ist gelandet“
Im Anschluss ging es in die Mehrzweckhalle des Traditionsvereins MTK Budapest, wo im Publikum beim Einmarsch der beiden hochrangigen Politiker eifrig ungarische Flaggen geschwenkt wurden und Applaus aufbrandete. Orbán hieß seinen Gast würdig willkommen und streute diesem Rosen. „Der Adler ist gelandet und unser Wappentier, der Turul-Vogel, hat ihn freundlich empfangen. So einen Tag hat es in unserer gemeinsamen Geschichte noch nicht gegeben“, sprach der ungarische Regierungschef in Superlativen. Zu Beginn seiner Rede griff Vance kurzerhand zu seinem Smartphone und rief Trump an, nur um diesem mitzuteilen, dass „gerade fünftausend ungarische Patrioten zuhören, die Sie sogar mehr lieben als Viktor Orbán“. Die Antwort des Präsidenten war ebenso schmeichelhaft: „Wow, ich kann das gar nicht glauben. Ich liebe Ungarn und auch Viktor Orbán. Er ist ein fantastischer Mann und wir haben eine gute Zusammenarbeit.“
Vance: „Entweder niederknien oder ...“
Als wieder Vance am Wort war, betonte er, dass die US-Regierung großes Interesse an einem erneuten Wahlsieg des 62-Jährigen hätte. „Wir wollen euch nicht vorschreiben, wen ihr wählen sollt, aber ihr dürft nicht auf die Bürokraten in Brüssel hören“, setzte Vance seine Tiraden gegen die EU-Behörden fort. Der Vizepräsident erklärte den Anwesenden, welche zwei Möglichkeiten sie und das ungarische Wahlvolk hätten: Entweder auf die Knie fallen oder dem Geist von König Stephan I. (Staatsgründer und erster König Ungarns, Anm. d. Red.) folgen und für die Freiheit kämpfen. Zu guter Letzt stellte er mehrere rhetorische Fragen an das anwesende und dem Vernehmen nach von der Regierungspartei Fidesz ausgewählte Publikum: „Wollt ihr Freiheit? Wollt ihr Souveränität? Wollt ihr Wahrheit? Wollt ihr Demokratie?“ Als Antwort auf diese Fragen kam dann doch die mehr als eindeutige Wahlempfehlung: „Geht am Sonntag wählen und stellt euch an die Seite Viktor Orbáns.“
Oppositionsführer befürchtet Deal zu Soldatenstationierung
Oppositionsführer Magyar äußerte sich scharf über den Besuch von Vance. „Das hier ist unsere Heimat. Die ungarische Geschichte wird nicht in Washington, nicht in Moskau und auch nicht in Brüssel geschrieben, sondern auf den Straßen und Plätzen Ungarns“, sagte Magyar auf einer Wahlveranstaltung. Mit Blick auf den Besuch von Vance mutmaßte der Herausforderer des amtierenden Ministerpräsidenten mögliche Deals zwischen Budapest und Washington. Wenn der Stellvertreter des Anführers einer Weltmacht nach Ungarn reise, komme er sicher nicht „umsonst“, so Magyar. Egal was vereinbart worden sei, eine nach dem 12. April gebildete Tisza-Regierung werde nicht zulassen, dass ungarische Soldaten in den Iran gesandt werden, versprach der Oppositionsführer. Vance komme jedenfalls nicht, um sich in eine „verlorene Kampagne“ einzubringen, weil auch die Amerikaner erkannt hätten, dass Fidesz die Wahl verliere.
Trump hofft auf „haushohen Sieg“ Orbáns
Zuletzt hatte Trump im März dieses Jahres seine Unterstützung für Orbán bekundet: „Er (Orbán) hat meine völlige und totale Zustimmung“, sagte Trump in einer Video-Botschaft. „Ich hoffe, dass er (die Wahl) gewinnt, und zwar haushoch“, sagte Trump weiter. Orbán sei ein „starker Führer“.
Hier telefoniert JD Vance mit US-Präsident Donald Trump während seiner Rede vor „ungarischen Patrioten“:
Ungarns Regierungschef Stammgast bei Trump
Bereits vor Trumps Wiederwahl zum US-Präsidenten hatten sich seine Kontakte mit Orbán verstärkt. Zweimal besuchte der Ungar Trump 2024 in dessen privater Residenz in Mar-a-Lago in Florida: Im März rühmte Orban seinen Gastgeber als „Präsident des Friedens“, der ein baldiges Ende des russischen Kriegs gegen die Ukraine herbeiführen werde.ma
Nur wenige Monate später, im Juli 2024, läutete Orbán mit einem weiteren Besuch bei Trump die damals beginnende turnusmäßige EU-Ratspräsidentschaft seines Landes ein – nur eine Woche nach einem Besuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau. Erneut rühmte Orban dabei Trump als Friedensstifter.
Kleiner Misston bei letztem Besuch im Weißen Haus
Einen kleinen Misston brachte allerdings Orbáns Visite bei Trump im Weißen Haus im November 2025. Anschließend hatte der ungarische Regierungschef seiner Delegation gesagt, dass sein Land nun im Falle eines „spekulativen oder politischen Angriffs“ aus dem Ausland auf „einen amerikanischen Finanzschutzschild zählen“ könne, wie regierungsnahe ungarische Medien damals berichteten.
Tage später nannte Orbán in einem Interview auch die Summen, die er aus den USA erhoffe: 10 bis 20 Milliarden US-Dollar oder Euro. Trump erklärte später, dass er keine Finanzmittel in Höhe von bis zu 20 Milliarden Dollar zugesagt habe. „Nein, ich habe ihm das nicht versprochen, aber er hat sicherlich danach gefragt“, sagte er.
Dennoch zeigte sich Orbán weiter als Gefolgsmann des US-Präsidenten: Als einziger EU-Regierungschef nahm er als Vollmitglied an der ersten Sitzung von Trumps umstrittenem „Friedensrat“ teil.
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