83-jährig gestorben

Portugals Starautor António Lobo Antunes ist tot

Kultur
05.03.2026 16:36
Porträt von krone.at
Von krone.at

António Lobo Antunes wurde als Autor international mit „Der Judaskuss“ bekannt. Im Jahr 2000 erhielt er den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur.

António Lobo Antunes, einer der wichtigsten portugiesischen Autoren der Gegenwart, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Lobo Antunes sei ein „Autor von Romanen, die für immer in der Erinnerung seiner Leser und Fans bleiben werden“, kommentierte die Verlagsgruppe Leya das Ableben des Autors. Jahrelang galt er als Anwärter für den Literaturnobelpreis – bekommen hat er ihn nie.

Das mag auch daran liegen, dass der oft mürrisch auftretende Portugiese für Öffentlichkeitsarbeit wenig übrig hatte. „Ich scheiß‘ auf den Nobelpreis“, sagte Lobo Antunes einmal der spanischen Zeitung „El Mundo“. „Auszeichnungen machen Bücher nicht besser.“

Produktiver Schriftsteller
Lobo Antunes war ein außerordentlich produktiver Schriftsteller, der bis zu seinem 80. Geburtstag 37 Bücher veröffentlicht hatte, davon 31 Romane. Seine Bücher zeichnen sich durch einen unverwechselbaren Stil aus und sind kunstvoll, komplex und zuweilen labyrinthisch gestaltet, mit häufigen Wechseln der Perspektiven und Zeitebenen. Im Jahr 2000 wurde ihm der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur zuerkannt.

Lobo Antunes war kein Topseller, seine Werke gibt es aber in etwa 60 Sprachen. Der Dienst Anfang der 1970er als Arzt beim Kolonialkrieg in Angola spielt in seinen Büchern oft eine zentrale Rolle. Das Regime hatte den jungen Mann aus reichem Haus zwangsverpflichtet. „Das war schrecklich, bei einem Krieg gibt es nur Verlierer. Es war eine radikale Erfahrung, die mein Leben verändert hat“, sagte er einmal. 27 lange Monate dauerte der Einsatz.

Düsterer, melancholischer Gegenwartsblick
Danach arbeitete Lobo Antunes 1973 in Lissabon lange Zeit als Psychiater in einem Krankenhaus und schrieb nur in der knappen Freizeit. Bis dem Sohn eines angesehenen Arztes 1979 mit seinem zweiten Roman „Os cus de Judas“ (1987 unter dem deutschen Titel „Der Judaskuß“ erschienen) der internationale Durchbruch gelang. Im stark autobiografischen Text in Monologform offenbart ein Kriegsveteran seine Schmerzen und Bitterkeiten.

Der Autor hatte kein leichtes Leben. Als Dreijähriger fesselte ihn eine Tuberkulose für ein Jahr ans Bett, 2007 überlebte er ein Krebsleiden, danach zwei weitere. Angst, Tod, Krankheit und Gewalt, aber auch die kleinen Dinge des Lebens sowie ein düsterer, melancholischer Gegenwartsblick spielen in den Werken des Vaters dreier Töchter, der seit 2010 in dritter Ehe mit einer 21 Jahre jüngeren Journalistin verheiratet war, immer die Hauptrollen.

„Mein Vater war Brasilianer, seine Mutter Deutsche, in meiner Familie gibt es Portugiesen, Italiener. Eines habe ich schon früh gelernt: Es gibt blonde, schwarz- und braunhaarige Menschen, aber ihre grundlegenden Probleme sind immer dieselben“, so der Literat einmal. Als Vorbilder nannte er unter anderem Sartre, Hemingway, Malraux, Camus, Faulkner und Tolstoi. Den 2015 gestorbenen Günter Grass bewunderte er „als Schriftsteller, aber auch als Menschen“.

Wollte nie ein Entertainer sein
Und wie sah er sich selbst? „Das, was ich schreibe, kann man nicht Romane nennen. Ich erzähle keine Geschichten, will kein Entertainer sein, will nicht lustig oder interessant rüberkommen“, schrieb er in einer Chronik. Ihn interessiere nur der Versuch, „das ganze Leben zwischen die zwei Deckel eines Buches zu stecken“, sagte er einmal. „Das ganze Leben“, das sind Reflexionen, Erinnerungen, Fantasien, Abrechnungen und Briefe an und Gespräche mit Lebenden und Toten.

Kritiker feierten das Lissabonner Original als einzigartiges literarisches Genie. Er sei ein „Meister der portugiesischen Sprache“, hieß es etwa 2007, als er im brasilianischen Rio de Janeiro mit dem bedeutendsten Literaturpreis der portugiesisch-sprachigen Welt, dem Prémio Camões, ausgezeichnet wurde.

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