Neue Windparkdimensionen lassen Bürger rotieren: Ein Projekt, das mitten in einem Weinviertler Wald entstehen soll, spaltete bei einer Informationsveranstaltung die anwesenden Gäste. Ist die Grenze zwischen Verständnis für erneuerbare Energien und Sorgen um Landschaft, Fauna und Flora bereits überschritten?
Eigentlich sollte die Veranstaltung wie jede andere ablaufen: An mehreren Ständen berieten geschulte Windenergieexperten Anrainer in Einzelgesprächen Fragen über die geplanten Windräder in ihrer Gemeinde. Das Hauptthema war, dass nur die Bürger der Gemeinde Groß-Schweinbarth von den vier geplanten Wald-Windkraftanlagen durch niedrige Energiepreise profitieren würden. Ebenso die Gemeinde selbst, die „in Zeiten wie diesen Einnahmequellen dringend benötigt“, so Bürgermeisterin Marianne Rickl-List.
Wir werden nun die eingelangten Gegen-Unterschriften auf Gültigkeit prüfen. Dann geht es gemäß Gemeindeordnung weiter.

Groß-Schweinbarths Ortschefin Marianne Rickl-List
Bild: Gemeinde Groß-Schweinbarth
Eine „grüne Lunge“, rundherum Gemeinden – eine davon will die Anlagen
Alle anderen Dörfer rund um das Waldgebiet, die die vier geplanten Anlagen auch in ihrer Nähe und Sichtweite haben, müssten nur negative Folgen tragen. In optischer Hinsicht verdeutlicht dies das Foto oben am Beispiel Hohenruppersdorf. Und das war der Grund, warum auch überregionales Interesse an der Info-Veranstaltung herrschte.
300-Meter-Türme sind längst ein überregionales Problem. Sie sind in diesem Fall weithin sichtbar und dort total fehl am Platz.

Event-Gast Josef Regner aus Traunfeld
Bild: zVg
Umstrittenes Projekt im Wald
Denn rund um das Naturrefugium platziert, haben Bürger aus diesen Orten nämlich längst eigene Energiegemeinschaften gegründet – und würden von den geplanten knapp 300 Meter hohen Türmen mit keinem Kilowatt profitieren: Das nahe Matzen etwa sammelt PV-Strom der Dächer und ermöglicht so – auch ohne Eingriffe in die Fauna und Flora der grünen Lunge – relativ niedrige Energiepreise.
Weinviertler werden sensibler: Über 60% der Windparks in NÖ im Viertel
Ein Grund mehr, weshalb das Info-Event am Freitag über das Zielpublikum, die Groß-Schweinbarther Bürger, hinausschoss und auch Naturschützer zum „Propellerwald im Wald“ ihre Meinungen kundtaten. Die Folge: Verbale Wirbel füllten den Orts-Hofkeller im Bezirk Gänserndorf – heftige Debatten um Vor- und Nachteile des Projekts. Nachdem bei der Info-Veranstaltung zunehmend kritische Fragen bezüglich eines Eingriffs in die Natur laut wurden, meldete sich schließlich der Forstbesitzer persönlich zu Wort: Als Groß-Schweinbarther Anrainer sei sein Ziel das Wohl der Gemeinde und seiner Mitbürger, ermöglicht durch einen extrem niedrigen Strompreis für die Groß-Schweinbarther.

Heftige Debatten und viel Wirbel
Nun häuften sich Zwischenrufe – und gipfelten in Fragen wie, ob er überhaupt ein Hauptwohnsitzer sei: Er musste dies verneinen. Grundsatzargumente, wonach alte, ehemalige Ölbohr-Stätten als perfekte Windkraft-Fundamentstandorte die Erschließungskosten senken würden, läuteten schließlich das Ende des turbulenten Nachmittags ein.
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