Preis für Komposition

„Wir sind als Gesellschaft noch nicht so weit“

Oberösterreich
01.03.2026 15:00

Nach dem berühmten Komponisten Balduin Sulzer ist ein Musikwettbewerb benannt: Evelyn Klaunzer, eine Oberösterreicherin in Duisburg, holt sich den zweiten Platz. Bei der Preisverleihung im Stift Wilhering wird sie das erste Mal „ihr Werk atmen hören“. Im „Krone“-Talk spricht sie auch über die Chancen in einer männerdominierten Branche.

Warum, bitteschön, zieht man vom wunderschönen Österreich nach Duisburg? „Es war wegen der Liebe“, sagt Evelyn Klaunzer.

Die gebürtige Frankenburgerin zählt zu den spannendsten Musikerinnen aus Oberösterreich. Die Arrangeurin und Komponistin, die das Mozarteum Salzburg absolvierte, lebt aber seit 2007 in Duisburg. Sie schreibt für große und kleine Ensembles, darunter das WDR Funkhausorchester oder die Duisburger Philharmoniker.

Schlechte Wahl beim Tanzen
Mit ihren fein entwickelten Werken hat sie nun auch in ihrer Heimat überzeugt: Sie holte sich mit ihrem Werk „(zum Glück nur) Fantasie oder die ausgesprochen schlechte Wahl der Tanzpartnerschaft“ beim Balduin-Sulzer-Preis den zweiten Platz. Das Preisträgerkonzert findet am Mittwoch, 4. März, im Stift Wilhering statt.

„Krone“: Wie sind Sie zum Komponieren gekommen?
Evelyn Klaunzer: Als ich angefangen habe, Musik-Arrangements zu schreiben, ging es per Mundpropaganda immer weiter, bis ich eines Tages davon leben konnte. Mein erster großer Auftrag für Orchester schwappte dann schon Richtung Komposition. Von da aus war also der Weg zu Eigenkompositionen nicht mehr weit.

Wie gehen Sie beim Komponieren vor?
Mein Arbeitsalltag als freischaffende Arrangeurin und Komponistin umfasst meist Tätigkeiten am Computer, denn ich nütze natürlich Notenschreibprogramme. Manchmal habe ich das Glück, dass meine Ideen von ganz alleine aus dem Kopf purzeln, manchmal ringe ich aber auch stundenlang um jeden einzelnen Ton.

Wissen Sie vorher, wie es ablaufen wird?
Nein, es lässt sich schwer voraussagen. Inspiration und Kreativität sowie das anschließende Ausarbeiten der musikalischen Ideen braucht Zeit und Ruhe. Beides finde ich in meinem kleinen Arbeitszimmer. Und was ich wirklich richtig mag: Ich habe einen sehr kurzen Weg zur Arbeit – es sind gerade mal 14 Treppenstufen.

Hat man es als Frau schwerer in der Branche?
Ich weiß nicht, wie mein Weg verlaufen wäre, wenn ich ein Mann wäre. Grundsätzlich hatte ich bisher das Glück, mit Kolleginnen und Kollegen, aber auch Auftraggeberinnen und Auftraggebern zu tun zu haben, mit denen ich einen sehr professionellen, wertschätzenden Umgang pflege. Dennoch glaube ich, wir sind noch nicht so weit, wie wir als Gesellschaft manchmal gerne denken würden.

Kannten Sie eigentlich Balduin Sulzer?
Ich kannte den Namen. Ich finde besonders die unglaubliche stilistische Bandbreite seines musikalischen Schaffens wahnsinnig faszinierend! Ich fühlte mich in der Beschäftigung mit seinem Werk sehr inspiriert, das musikalische Thema für meine Komposition war schnell gefunden.

Was bedeutet nun diese Auszeichnung für Sie?
Der Preis freut mich riesig! Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet. Ich freue mich jetzt auf das Preisträgerkonzert, denn ich werde mein Werk zum ersten Mal nicht vom „toten“ Rechner, sondern als lebendige, atmende Musik hören! 

Balduin Sulzer (1932 – 2019;
Balduin Sulzer (1932 – 2019;(Bild: Reinhard Winkler)
Balduin Sulzer-Preis
Wichtige Auszeichnung für Kompositionen von zeitgenössischen Musikschaffenden

Ein Kompositionspreis, der vom Land Oberösterreich alle zwei Jahre vergeben wird, ist nach Balduin Sulzer (1932 – 2019; Foto) benannt; der Zisterzienser, der im Stift Wilhering lebte, gilt als einer der wichtigsten österreichischen Komponisten. Er schuf u.a. Opern, Symphonien, Kammermusik. Die Preisträger des Balduin-Sulzer-Kompositionspreises 2026 wurden von einer Fachjury ausgewählt.

Der mit 3.000 Euro dotierte 1. Preis geht an David Kosviner (69). Der südafrikanisch-österreichische Komponist hat sich auf Kammer- und Vokalmusik spezialisiert. Der zweite Preis, dotiert mit 2.000 Euro, geht an die aus Frankenburg stammende Evelyn Klaunzer (48), Komponistin, Arrangeurin, Querflöten- und Gesangspädagogin in Duisburg. In der Jugendkategorie konnte Jack Dauner (20) aus der Schweiz überzeugen. Die Preisverleihung sowie die Uraufführungen der ausgezeichneten Werke finden bei einem Konzert am 4. März 2026 im Stift Wilhering statt (19.30 Uhr).

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