Am Ziel aller Träume

Hodgkinson zertrümmert Uralt-Weltrekord über 800 m

Sport-Mix
20.02.2026 07:56
Porträt von Olaf Brockmann
Von Olaf Brockmann

Das ist wie ein Märchen aus 1001 Nacht! Olympiasiegerin Keely Hodgkinson zertrümmerte in 1:54,87 in Liévin den knapp 24 Jahre Hallen-Weltrekord über 800 m von Jolanda Čeplak (1:55,82), den die Slowenin am 3. März 2002 in Wien gelaufen war – genau an jenem Tag (!), an dem die Britin geboren wurde. Schöner kann eine Rekord-Story kaum noch sein …

„Jahrelang habe ich davon geträumt, diesen Weltrekord zu brechen. Ich wäre sehr enttäuscht gewesen, wenn mir da eine andere Läuferin zuvorgekommen wäre“, sagte Keely Hodgkinson, „es war doch eindeutig Schicksal, dass ich genau an jenem Tag geboren wurde, als Jolanda diesen Rekord lief. Dieser Weltrekord musste einfach mir gehören!“ Jetzt ist er in ihrem Besitz. Und welch unfassbarer Weltrekord ist das. Fast eine Sekunde schneller als Jolanda Čeplak!

Die Festung fiel nach 8754 Tagen
Exakt 23 Jahre, 11 Monate und 16 Tage, nachdem Jolanda Čeplak in dem irrwitzigen 800-m-Finale der Hallen-EM von Wien Gold vor Steffi Graf (1:55,85) gewonnen hatte, war es so weit: Keely Hodgkinson stürmte in der mit 5000 Zuschauern ausverkauften Halle bei dem zur World Athletics Indoor Tour Gold zählenden Meeting in der nordfranzösischen Industriestadt in absolut neue Sphären über 800 m vor. Hodgkinson, die mit riesigem Vorsprung vor der Schweizerin Audrey Werro (1:58,38) und der Äthiopierin Tsige Duguma (1:58,83) gewann, hatte natürlich auch sensationelle Splitzeiten, die von der ersten Runde an deutlich unter den Durchgangszeiten vom Čeplak-Weltrekord lagen.

Keely Hodgkinson
Keely Hodgkinson(Bild: AFP/SAMEER AL-DOUMY)

So also fiel einer der ältesten Hallen-Weltrekorde der Frauen! Eine Bestmarke, die 8754 Tage wie eine Festung in der Brandung stand. Keine Läuferin kam in den vergangenen Jahrzehnten diesem Rekord nahe – bis auf Keely Hodgkinson selbst vor fünf Tagen…

Čeplak war sich sicher…Denn am vergangenen Samstag lief die Olympiasiegerin und viermalige Europameisterin (je zweimal Freiluft und Halle) im Alleingang im Vorlauf bei den britischen Meisterschaften in Birmingham ohne Tempomacherin und ohne Wavelight solo zu 1:56,33. Damit rückte sie hinter Čeplak und Graf an die drittschnellste Zeit der „ewigen“ Hallen-Weltbestenliste über 800 m vor.

Jolanda Čeplak hatte der Britin danach für Liévin „alles Gute gewünscht und gehofft, dass sie meinen Weltrekord verbessert. Ich bin sicher, sie kann es schaffen!“ Keely Hodgkinson hat’s geschafft, sie ist die Nummer 1 der Welt und die erste Britin, die wieder einen Leichtathletik-Weltrekord hält.

Weltrekord mit Ansage
Es war zudem ein Weltrekord mit Ansage. Nach ihrer Fabelzeit von Birmingham, wo sie auf das Finale der Meisterschaften verzichtet hatte, um sich ganz auf Liévin konzentrieren zu können, hatte sie den Rekordversuch selbstbewusst angekündigt: „Ich bin bereit! Ich bin zwar nervös und total aufgeregt, aber ich weiß, ich kann es schaffen, ich will die bekannt schnelle Bahn von Liévin und meine Topform nutzen.“ Schon im Vorjahr hatte sie übrigens bei den „Keely Klassic“ in Birmingham einen Weltrekordversuch geplant, diesen aber kurzfristig wegen einer Oberschenkelverletzung absagen müssen.Diesen Schmerz hat sie nun endgültig verdrängt und kündigte in Liévin weitere Großtaten für diesen Winter an. Dreimal hat sie in ihrer großen Karriere wegen Verletzungen schon Hallen-Weltmeisterschaften verpasst. Jetzt will sie sich aber als Weltrekordlerin auch bei der WM in Torun (20. bis 22. März) vergolden.

Eine neue 800-m-Generation
Femke Bol, ihre neue 800-m-Rivalin, ist bei dieser WM noch nicht dabei. Die Holländerin, die von den 400 m auf die doppelte Distanz umgestiegen ist, hatte zwar in Metz ein starkes 800-m-Debüt in 1:59,07 gefeiert, dann aber in Hinblick auf die Freiluftsaison auf weitere Hallen-Starts verzichtet.

Femke Bol
Femke Bol(Bild: AFP/JEAN-CHRISTOPHE VERHAEGEN)

Man kann gespannt sein, in welche Bereiche diese neue Generation der 800-m-Läuferinnen heuer und in den nächsten Jahren vorstößt. Mit ihrem Hallen-Weltrekord von 1:54,87 kam Keely Hodgkinson schon ganz nahe an ihre Freiluft-Bestleistung von 1:54,61 (London 2024) heran. Wer weiß, wohin ihre Reise noch führt. Irgendwann sollte auch der Weltrekord von Jarmila Kratochvilova (Tsch) von 1:53,28 (München 1983) fällig sein. Irgendwann…

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