Seit Ende Jänner fließt kein russisches Öl mehr durch die für Ungarn und die Slowakei wichtige Druschba-Pipeline – nun wenden sich die beiden Länder Hilfe suchend an Kroatien. Während sich die politischen Vorwürfe zwischen Kiew und Budapest zuspitzen, rückt eine alternative Route über die Adria in den Fokus.
Nach dem Stopp russischer Öllieferungen durch die Ukraine haben Ungarn und die Slowakei Kroatien um Unterstützung gebeten. Ungarns Außenminister Peter Szijjarto forderte die Regierung in Zagreb am Montag auf, den Transport über die Adria-Pipeline zu ermöglichen. Der kroatische Wirtschaftsminister Ante Susnjar signalisierte Hilfsbereitschaft, sofern dies im Einklang mit EU- und US-Vorschriften stehe.
Parallel dazu beantragte der ungarische Energiekonzern MOL bei der Regierung in Budapest die Freigabe strategischer Ölreserven. Sollten die Lieferungen aus dem Osten nicht in den kommenden Tagen wieder anlaufen, müssten zunächst rund 250.000 Tonnen Rohöl freigegeben werden, teilte das Unternehmen mit.
Zwischen Kiew und Budapest
Die Lieferungen über die Druschba-Pipeline sind seit dem 27. Jänner unterbrochen. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico warf der Ukraine am Sonntag vor, die Wiederaufnahme der Exporte absichtlich zu verzögern. Kiew wolle Ungarn damit unter Druck setzen, seinen Widerstand gegen einen künftigen EU-Beitritt der Ukraine aufzugeben. Der Kreml schloss sich dieser Darstellung an.
US-Außenminister Marco Rubio sprach das Thema Energie bei einem Treffen mit Fico am Sonntag in der Slowakei sowie mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban am Montag in Budapest an.
Widersprüchliche Angaben zur Ursache
Über die Hintergründe des Lieferstopps gibt es unterschiedliche Darstellungen. Das ukrainische Außenministerium machte in der vergangenen Woche einen russischen Angriff auf die Pipeline-Infrastruktur verantwortlich. Außenminister Andrij Sybiha veröffentlichte auf X ein Foto von Löscharbeiten und warf Ungarn vor, den Vorfall zwei Wochen lang verschwiegen zu haben, um Russland zu schützen.
Ungarn wies dies zurück und beschuldigte seinerseits die ukrainische Seite, die Stromversorgung für den betroffenen Pipeline-Abschnitt gekappt zu haben.
Rächen sich enge Beziehungen zu Moskau?
Ungarn und die Slowakei nehmen innerhalb der Europäischen Union eine Sonderrolle ein. Beide Länder profitieren von Ausnahmeregelungen bei den EU-Sanktionen gegen russisches Pipeline-Öl und sind stark von diesen Importen abhängig. Die Regierungen in Budapest und Bratislava unterhalten im Gegensatz zu den meisten anderen EU-Staaten weiterhin enge Beziehungen zu Moskau.
Sie haben sich bislang gegen Bestrebungen aus Brüssel gewehrt, die Energieimporte aus Russland vollständig zu stoppen, mit denen der Kreml seinen Krieg gegen die Ukraine finanziert.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.