„Russische Methoden“

Gegner von Orbán macht Sex-Erpressung öffentlich

Außenpolitik
11.02.2026 17:15

Der Wahlkampf in Ungarn hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Viktor Orbáns größter Herausforderer machte öffentlich, mit einem Sexvideo erpresst zu werden. Mitten im Wahlkampf spricht Péter Magyar von einer Kampagne nach „russischen Methoden“, die von einem Industrieskandal ablenken soll.

Orbáns Gegner vermutet die Partei des ungarischen Premiers dahinter, da er vor „exakt“ zwei Jahren die Seiten gewechselt habe – und in einem historischen Interview schwere Korruptionsvorwürfe gegen den mächtigen Regierungschef und seinen Familienclan vorgebracht hatte.

„Ihr Feiglinge von Fidesz, nur zu, enthüllt alles, verfälscht es nach Belieben, ich werde mich weder erpressen noch bedrohen lassen“, ließ Magyar auf der Plattform X in einem langen Posting mitteilen. Er vermutet, dass eine mit Geheimdienstmitteln aufgenommene und möglicherweise gefälschte Aufnahme veröffentlicht werden soll, die ihn und seine damalige Freundin bei intimen Handlungen zeige. Beweise dafür konnte er nicht vorlegen.

Webseite sorgt für Aufregung
Regierungsnahe Medien verbreiteten hingegen Gerüchte, dass das Video eine „Orgie“ mit Magyar und seinem Vizechef Márk Radnai beinhalte. Vor Magyars Erklärung tauchte eine Webseite auf, die Journalisten zugespielt wurde. Sie zeigt lediglich ein Standbild eines zerwühlten Bettes mit dem Hinweis „Coming soon“ (siehe Bild unten).

Im Internet findet sich bereits eine Webseite, mit der Magyar erpresst werden soll.
Im Internet findet sich bereits eine Webseite, mit der Magyar erpresst werden soll.(Bild: Screenshot)

Vize-Chef Radnai erklärte ungarischen Medien, das abgebildete Zimmer nicht zu kennen. Viel mehr sei das Ziel, ihn mit einer homosexuellen Beziehung in Verbindung zu bringen, um die Partei innerhalb konservativer Wählerschichten zu schädigen. Orbáns Fidesz-Partei wird von Menschenrechtsorganisationen als homophob eingestuft und schränkt gezielt Rechte von LGBTQ+-Personen ein.  

Magyar gibt sich weiterhin kämpferisch, verwies aber auf den nötigen Schutz seiner Familie: „Ja, ich bin ein 45-jähriger Mann und habe ein regelmäßiges Sexualleben mit einer erwachsenen Partnerin. Ich habe drei minderjährige Kinder, die von dieser widerlichen ,familienfreundlichen‘ Regierung ganz offensichtlich ignoriert werden.“ 

Der Oppositionsführer wolle sich weder der „ungarischen politisch-ökonomischen Mafia noch den Mitgliedern des internationalen Netzwerks, das sie unterstützt“, beugen. „Ungarn steht nicht zum Verkauf, es gibt keinen Preis, für den ich meine Landsleute im Stich lassen würde.“

Für Magyar ist die Kampagne ein Ablenkungsmanöver und soll den öffentlichen Diskurs von einem Industrieskandal wegführen. Das Investigativportal Telex berichtete über eine Samsung-Batteriefabrik in der Stadt Göd. Dort sollen Arbeiter und Anwohner dem Risiko krebserregender Stoffe ausgesetzt worden sein.

Der brisante Vorwurf: Das Unternehmen habe zwischen 2021 und 2023 wissentlich die Gesundheit von Mitarbeitern gefährdet und sei von der Politik gedeckt worden. Orbáns Außenminister Péter Szijjártó habe gegen die Schließung des Standorts lobbyiert, obwohl massiv gesundheitsschädliche Grenzwerte überschritten wurden. Selbst der ungarische Geheimdienst soll einen Bericht über die gravierenden Verstöße vorgelegt haben. Das südkoreanische Unternehmen kam mit einer Geldstrafe davon. 

Orbáns Regierung spricht von „Lügentsunami“
Ungarns Regierung hatte in den vergangenen Jahren den Bau von Akkufabriken internationaler Investoren massiv unterstützt. Magyar forderte nach Erscheinen des Berichts den umgehenden Rücktritt von Szijjártó. Der Minister bezeichnete die Vorwürfe als „Lügentsunami“ und kündigte eine Klage gegen Telex sowie gegen Magyar an. Was genau an der Berichterstattung gelogen sei, ließ der ungarische Chefdiplomat, der auch für Auslandsinvestitionen zuständig ist, allerdings offen. 

Szijjártó soll die Gesundheitsrisiken für die Belegschaft in Kauf genommen haben.
Szijjártó soll die Gesundheitsrisiken für die Belegschaft in Kauf genommen haben.(Bild: AFP/Attila Kisbenedek)

Der politische Schlagabtausch fällt in eine besonders kritische Wahlkampfphase. Am 12. April stehen in Ungarn Parlamentswahlen an. Erstmals in seiner 16-jährigen Amtszeit sieht sich Orbán einem chancenreichen Herausforderer gegenüber.

Orbán regiert mit seiner Fidesz-Partei seit 2010 mit eiserner Faust. Er hat das politische System des Landes stark geprägt und kontrolliert viele staatliche Institutionen sowie einen Großteil der Medien. Magyar, früher selbst Fidesz-Mitglied, gilt als sein größter Herausforderer. Politologen zufolge komme er aus dem inneren Machtzirkel Orbáns und sei deswegen so gefährlich für ihn. Nach seinem Bruch mit der Regierung vor zwei Jahren machte der Ex-Jurist Korruptionsvorwürfe gegen Orbáns Umfeld öffentlich und stieg rasch zur zentralen Figur der Opposition auf.

Aufstieg der Tisza-Partei weckt Hoffnung
Magyars Tisza-Partei („Respekt und Freiheit“) feierte bei der Europawahl 2024 einen großen Erfolg, als sie aus dem Stand knapp 30 Prozent der Stimmen erhielt und sich als stärkste Oppositionskraft etablierte. Aktuelle Umfragen sehen die Partei teilweise vor der regierenden Fidesz. Damit scheint ein Machtwechsel in Ungarn nach 16 Jahren ununterbrochener Regierung durch Orbán erstmals wieder möglich. Infolge dieses Aufstiegs haben sich die Angriffe von Orbán und regierungsnahen Medien auf Magyar zuletzt deutlich verschärft.

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