Die Vetos des ungarischen Premiers Viktor Orbán könnten die Entwicklung der EU nicht aufhalten, hat der ehemalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel gesagt. „Er hat als Liberaler begonnen und endet als Bannerträger der AfD (Alternative für Deutschland), FPÖ und anderer rechter Parteien.“
Orbán habe sich in „eine absurde Welt verrannt“ und die sinkende Geburtenrate trotz aller Geldgeschenke und Steuernachlässe nicht aufhalten können. „Warum will niemand in die USA auswandern oder sich an der Kreml-Mauer anketten?“, sagte der frühere ÖVP-Chef zynisch. Die EU sei mit ihrem Lebensmodell von Demokratie, Freiheit, Zusammenhalt, Lebenserwartung und Bildung weltweit führend. Wichtig seien aber noch Handelsabkommen mit anderen Weltregionen wie nun Indien oder das Mercosur-Abkommen mit den südamerikanischen Staaten.
„Wir müssen aber von russischem Gas und US-Technik unabhängig werden“, sagte Schüssel bei einem Vortrag im niederösterreichischen Klosterneuburg. Die EU sei weniger verschuldet als die USA oder China und müsse Rückstände im digitalen Sektor abbauen. In Bezug auf die Sicherheits- und Verteidigungspolitik hielt der Ex-Politiker fest, dass er keinen Bedarf für Österreich sehe, der NATO beizutreten. Österreich solle aber bei der Schaffung einer europäischen Sicherheitspolitik „von allem Anfang an dabei sein“.
Regionale Luftraumverteidigung
Ob „am Ende eine europäische Armee stehen wird“, lasse sich bisher nicht sagen. Aber schon jetzt sei eine gemeinsame Abwehr von Raketenangriffen dringlich, was ein einzelner Staat alleine nicht schaffe. Schüssel schlug eine „regionale Luftraumverteidigung“ vor. „Österreich kann mit Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien eine gemeinsame Luftraumüberwachung organisieren. Dazu muss man das Neutralitätsgesetz nicht ändern.“
Im Falle eines Waffenstillstands in der Ukraine werde eine Überwachungsmission nötig sein. Auch Österreich solle daran mitwirken, etwa in Form von Truppen. „Lassen wir uns Österreich und die EU nicht schlechtreden“, appellierte er abschließend.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.