Mi, 20. Juni 2018

Patient erzählt:

30.12.2005 20:01

¿Pfusch-Pfarrer war mein Therapeut¿

Vom Pfarrer zum Psychotherapeuten - für den Innviertler Pfuscher-Priester Axel V., der in Wahrheit Gerhard heißt, ein kleiner Schritt. „Ich habe bei ihm 25 Therapie-Sitzungen gemacht, ehe ich merkte, dass er ein Hochstapler ist“, erzählt ein 29-jähriger Braunauer Patient des Bayern (45), dessen „aktive Priester-Karriere“ bei der Bundeswehr begann. Dort mimte er einen Militär-Kaplan!

Über einen gemeinsamen Neukirchner Freund war der Braunauer auf den bayrischen Therapeuten gestoßen. „Er war redegewandt“, erinnert sich der 29-Jährige. Als Bezahlung half er dem falschen Seelenheiler und echten Chorleiter. „Ich holte Orchester und Solisten für Messen. Er sagte, er habe auch Musik studiert. Doch er kannte sich schlecht aus. Als ich nachfragte, war bald klar, dass er ein Hochstapler war“, erinnert sich der Patient. Ihm hatte Pater Axel erzählt, Kriminal- und Schulpsychologe zu sein.

Lüge, wie sein ganzes Leben: Als Rekrut hatte sich  Gerhard V. bei der Goldenen Hochzeit der Eltern eines Kameraden als Militärpfarrer vorgestellt, zelebrierte die Messe mit. Dann hat der „Militär-Kaplan“ sogar alleine gepredigt. 1985 kam  das klerikale Gastspiel in Schwaz in Tirol. Er nannte sich „Axel Kolbe“. Weil der falsche Pfarrer, der 1978 aus der Kirche ausgetreten war, nicht in Tirol gemeldet war, wurde er ausgewiesen.

1996 in Berlin verurteilt
„Er hat geschworen, es nie wieder zu tun. Gerhard machte in Berlin das Abitur nach, wurde Sozialpädagoge“, sagt die Mutter des in Gilgenberg und Neukirchen „auferstandenen“ Lügen-Pfarrers. Dass er 1996 in Berlin wegen Vorspielens des „Doktors des Kirchenrechts“ zu 4000 D-Mark Strafe verurteilt worden war, glaubt die streng katholische Bayerin nicht.

Therapie versprochen
„Pater Axel“, der zur neuapostolischen Kirche wechselte und wieder Katholik werden wollte, wurde Erzieher. Vor den Innviertler Messen arbeitete er kurz in einem evangelischen Internat. Nun versprach er, eine Therapie zu machen…

 

 

Foto: Vitzthum

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