„Keine Schauspieler“

Bank-Callcenter ließ verdeckten Einsatz auffliegen

Niederösterreich
29.01.2026 05:45

Weil man im Callcenter einer Bank die Teilnahme an einem verdeckten Polizeieinsatz in Wiener Neustadt verweigert hatte, konnten Kriminelle der Festnahme entgehen. Die „Krone“ kennt die Details eines Nachmittags voller Kuriositäten.

Es wäre alles vorbereitet gewesen, die Positionen bezogen, die Handschellen griffbereit. Nur ein letzter Anruf war vor der Festnahme gesuchter Betrüger noch ausständig. Aber genau daran sollte es am Dienstagnachmittag in Wiener Neustadt scheitern.

25.000 Euro Kaution gefordert
Doch der Reihe nach. Wie bei so vielen Pensionisten im Land hatten es Kriminelle auch bei einem älteren Ehepaar aus Mödling telefonisch mit dem Kautionstrick probiert. Die Tochter hätte einen Unfall mit Todesfolge verursacht. Damit sie nicht ins Gefängnis müsse, sollten 25.000 Euro hinterlegt werden. Der Schock saß tief, die beiden stiegen sofort ins Auto. Ihr Ziel: Die BAWAG-Filiale in Wiener Neustadt. Dort wollten sie das Geld beheben und danach den Übergabeort erfahren.

25.000 Euro hatten die Täter von den Pensionisten gefordert, ein Übergabetermin hätte nach dem ...
25.000 Euro hatten die Täter von den Pensionisten gefordert, ein Übergabetermin hätte nach dem Banktermin ausgemacht werden sollen.(Bild: Viennareport)

Erste Zweifel kamen auf
Die Frau war mit dem Betrüger die ganze Zeit telefonisch in Verbindung, am Weg zur Bank machten sich beim Ehepaar aber Zweifel breit. Stimmt die Geschichte überhaupt? Es wurde ein Zwischenstopp bei einer Enkeltochter, die mit einem Polizisten verheiratet ist, eingelegt. Der Schwindel flog auf. Während das Telefonat mit den Gaunern weiterlief, fuhr die Enkeltochter versteckt im Auto mit. Und im Hintergrund wurde ein verdeckter Polizeieinsatz bei der Bank organisiert. Was noch fehlte: Die Mitarbeiter der Bank davon in Kenntnis zu setzen.

„Das muss die Polizei alleine lösen“
Telefonisch erreichten die Ermittler aber nur ein Callcenter der Bank. Jede Erklärung fand beim dortigen Mitarbeiter kein Gehör. Nach Rücksprache mit einem Vorgesetzten hieß es nur: „Wir sind keine Schauspieler, das muss die Polizei alleine lösen.“ Weiterverbunden in die Bank-Filiale wurde man nicht.

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Die Streife ist nach dem Notruf wegen eines falschen Polizisten sofort zugefahren, es musste schnell gehen. Der Bankmitarbeiter hat richtig reagiert.

Eine Polizeisprecherin

Auch Bank war skeptisch
Was die Polizei nicht wusste: Im Callcenter vermutete man selbst Opfer eines Betrugsversuchs zu werden. „Es war nicht eindeutig nachvollziehbar, ob es sich tatsächlich um einen Polizisten handelte, da eine eindeutige Identifikation nicht möglich war“, erklärt ein BAWAG-Sprecher nach der Überprüfung des Telefonats auf „Krone“-Anfrage.

Enkeltochter als Täterin vermutet
Weil die Zeit drängte und die Kriminellen keinen Verdacht schöpfen sollten, ging das Ehepaar in die Bank. Dort handelten die Mitarbeiter jedoch richtig – sie erkannten den Betrug, handelten gemäß den Sicherheitsprotokollen und wählten den Polizeinotruf.

Dadurch fuhr ein Streifenwagen bei der Bank vor, dessen Besatzung jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nichts vom verdeckten Einsatz wusste. Kurios: Sie hielten sogar die im Auto versteckte Enkeltochter zunächst für die Täterin. Bis sich der Irrtum aufklärte, waren die echten Betrüger über alle Berge ...

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