Truppen rücken vor
Katastrophale Lage in syrischen Kurdengebieten
Mehr als ein Jahr nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Bashar al-Assad kommt Syrien weiterhin nicht zur Ruhe. Zuletzt sind die Bestrebungen von Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa, die kurdischen Gebiete unter seine Kontrolle zu bekommen, gewaltsam eskaliert. Sharaas Armee hat bereits die Kontrolle über die Provinzen Rakka und Deir ez-Zor übernommen. Derzeit gilt zwar ein Waffenstillstand, doch in der nordsyrischen Stadt Kobane spitzt sich offenbar die humanitäre Lage dramatisch zu.
Zehntausende Zivilisten lebten unter belagerungsähnlichen Bedingungen, sagte der Direktor der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel-Rahman, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Zahlreiche Familien aus umliegenden Dörfern hätten in der Stadt nahe der türkischen Grenze Schutz gesucht, nachdem sie vor vorrückenden Regierungstruppen und mit ihnen verbündeten Stammeskämpfer in den vergangenen Tagen geflohen seien.
„Wir sind eingeschlossen“
„Wir sind buchstäblich eingeschlossen“, sagte ein Bewohner der dpa. Die Stadt sei seit einer Woche ohne Wasserversorgung, nachdem Regierungskräfte die Kontrolle über den strategisch wichtigen Tischrin-Staudamm im Umland übernommen hätten. Auch der Strom sei weitgehend ausgefallen, Generatoren reichten nur noch begrenzt aus.
Das syrische Energieministerium wies Berichte zurück, wonach die Wasserversorgung absichtlich unterbrochen worden sei. Das Ministerium erklärte, dass es daran arbeite, die Versorgung „im Rahmen der verfügbaren technischen Kapazitäten“ aufrechtzuerhalten.
„Gemüsemärkte leer, Bäckereien geschlossen“
Kobane wird überwiegend von kurdisch geführten Kräften kontrolliert, insbesondere von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF). Die SDF hatten jahrelang gemeinsam mit der von den USA geführten internationalen Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat gekämpft. Kobane galt dabei als Symbol des Widerstands, als die Stadt zwischen 2014 und 2015 gegen den IS verteidigt wurde. Diese Niederlage des IS in Kobane gilt als wichtiger Wendepunkt im Kampf gegen die Terrormiliz. Heute kämpft die Stadt nach Einschätzung vieler Bewohner erneut ums Überleben.

Farhan Hajj Issa, Repräsentant der kurdischen Selbstverwaltung von Nord- und Nordostsyrien, sprach von einer „katastrophalen“ Situation. „Es gibt kaum Internet, die Gemüsemärkte sind leer, Bäckereien geschlossen und medizinische Vorräte gehen gefährlich zur Neige“, sagte er der dpa. Besonders mit Blick auf die kalte Jahreszeit seien die Leben Zehntausender Menschen bedroht.
Eine am Dienstag geschlossene Waffenruhe läuft am Samstagabend aus. Von kurdischer Seite hieß es, man hoffe auf eine Verlängerung der von den USA vermittelten Gespräche, um eine Einigung mit Damaskus zu erzielen.









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