Ärztemangel allerorts

Lage spitzt sich zu: Rekord bei leeren Praxen

Burgenland
12.01.2026 11:00

Immer mehr Kassenarzt-Ordinationen im Burgenland bleiben unbesetzt. In Neusiedl am See wird jetzt eine Facharztstelle für Dermatologie bereits zum 55. Mal ausgeschrieben.

Es sind alarmierende Zahlen aus der Burgenländischen Ärztekammer. Während die Bevölkerung älter und kränker wird, findet man hierzulande für immer Kassenpraxen keine Ärzte mehr. In Neusiedl am See wird eine einzige Facharztstelle für Dermatologie nun bereits zum 55. Mal ausgeschrieben. „Ein trauriger Rekord“, sagt Kammerdirektor Thomas Bauer. Und dieser Höchstwert ist nur die Spitze des Eisbergs.

Nur eine Bewerbung auf zwölf Stellen
Quer durchs Burgenland war das Interesse bei den letzten Ausschreibungen wieder verschwindend gering. „Für zwölf Stellen gab es nur eine einzige Bewerbung“, so Bauer. Besonders betroffen sind erneut Fachrichtungen wie Dermatologie und Gynäkologie. Inzwischen wird fast monatlich neu ausgeschrieben. „Früher war das einmal pro Quartal“, erklärt der Kammerdirektor.

Die Folgen sind längst spürbar. Patienten müssen weite Wege in Kauf nehmen, Wartezeiten werden länger, viele Ärzte verhängen Aufnahmestopps. „Es gibt immer weniger Kassenärzte, die immer mehr Menschen versorgen müssen“, warnt Bauer.

Jede 14. Praxis ist mittlerweile unbesetzt
Die Zahlen belegen das Ausmaß: Von insgesamt 246 Kassenarztstellen im Burgenland sind derzeit 17 unbesetzt, also jede 14. Um die Versorgung dennoch abzusichern, greift man verstärkt zu Übergangslösungen. Derzeit gibt es 16 angestellte Ärzte, zwölf Gruppenpraxen und zahlreiche Vertretungsmodelle. „Das kann aber keine Dauerlösung sein“, betont Bauer. Das Problem reicht weit über das Burgenland hinaus. Österreichweit wird es immer schwieriger, Kassenärzte zu finden. Junge Mediziner hätten andere Vorstellungen vom Berufsleben, die klassischen Strukturen würden zunehmend abgelehnt.

Höhere Honorare für Ärzte
Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Die zuletzt ins Stocken geratenen Honorarverhandlungen wurden wieder aufgenommen. „Ziel ist ein einheitlicher Honorarvertrag bis Ende 2027“, sagt Bauer.

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