Angriff in Berlin

So rüstet sich Österreich für Blackout

Österreich
05.01.2026 20:00

In Teilen der deutschen Hauptstadt Berlin geht nach einem Brandanschlag auf eine Strombrücke tagelang überhaupt nichts mehr. Viele fragen sich daher hierzulande: Kann so etwas auch in Österreich passieren? Die „Krone“ fragte bei Cyber-Experten und Energieversorgern nach. 

Obwohl Herr und Frau Österreicher die Jännerkälte weitgehend sorgenfrei in ihren beheizten Wohnzimmern verbringen dürfen, drängt sich nach den Berichten der vergangenen Tage aus Berlin dem einen oder anderen unangenehme Fragen auf: Was tun wir, wenn es bei uns zu einem ähnlich gelagerten Anschlag auf unsere Strominfrastruktur kommt? Wie gut wären wir gegen einen derart großflächigen Blackout gewappnet? Und was kann ich selbst dagegen tun?

Regelmäßig trainieren Stromversorger, Bundesheer und Polizei den Ernstfall.
Regelmäßig trainieren Stromversorger, Bundesheer und Polizei den Ernstfall.(Bild: Klemens Groh)

Vom Fast-Blackout zur Cyber-Kriegsführung
Fakt ist: Beispiele von Angriffen auf Energieversorger häufen sich: 2019 wurden beim norwegischen Energiekonzern Norsk Hydro IT-Systeme lahmgelegt, 2022 war der europäische Stromverbund ENTSO-E Ziel eines Cyberangriffes. In einem Kraftakt mehrerer Länder konnten zwar Stromausfälle verhindert werden. Dennoch zeigte der Vorfall – wie auch der europaweite Beinahe-Blackout im Jänner 2021 –, wie verwundbar grenzüberschreitend vernetzte Energiesysteme sind. 2022 explodierten auch die Pipelines Nordstream nach einem offenbar von Ukrainern durchgeführten Anschlag – die Ölversorgung aus Russland war gekappt.

Zitat Icon

Wir müssen uns bewusst sein, dass die besten und teuersten Abwehrmaßnahmen einen erfolgreichen Cyberangriff nicht mit letzter Sicherheit verhindern können.

„Krone“-Cyberexperte Dr. Cornelius Granig

Nicht Schaden ist das Ziel, sondern Verunsicherung
Aktuell nutzte das US-Militär im Zuge des Angriffs auf Venezuela die zeitweise Unterbrechung der Stromversorgung der Hauptstadt Caracas, um die Militäroperation durchzuführen und Venezuelas Präsident Nicolás Maduro festzunehmen. Beispiele, die zeigen, dass nicht der Schaden das Ziel ist – sondern die Wirkung und die durch Angriffe ausgelöste Angst und gesellschaftliche Verunsicherung.

An Österreichs Stromversorgung wird laufend gearbeitet.
An Österreichs Stromversorgung wird laufend gearbeitet.(Bild: Max Lang)

Zehn bis 24 Stunden statt tagelanger Arbeit
Zurück nach Österreich: Wie gut sind wir gerüstet, wenn Öffis, Aufzüge, Computer und Heizungen stillstehen? Man sehe es als gesellschaftlichen Auftrag, für die sichere Versorgung da zu sein, meint Austrian-Power-Grid-Chef Gerhard Christiner. Für den Krisenfall sei das Personal optimal ausgebildet, Simulatortrainings und Krisenübungen mit allen relevanten Akteuren seien Routine. Das Energielenkungsgesetz helfe, schnell reagieren zu können, man sei in der Lage, das Stromnetz in zehn bis 24 Stunden wiederherzustellen, auch mithilfe schwarzstartfähiger Kraftwerke. Innovation und Ausbau der Infrastruktur seien dafür essenziell.

Zitat Icon

Wir sind wegen der modernen Netzanschlussbedingungen und der automatischen Spannungsregelung der im Übertragungsnetz angeschlossenen Kraftwerke gut aufgestellt.

APG-Chef Gerhard Christiner

Heimische Energieversorger „vorbildhaft“
Auch Cyberexperte Dr. Cornelius Granig, weiß, wie verletzlich Infrastruktur ist und dass Cyberangriffe nicht gänzlich zu verhindern sind. Gut gewappnet seien wir dennoch. Granig bezeichnet die heimischen Energieversorger als Vorbilder: „Cybersecurity ist hier Chefsache.“ Der Verbund oder die Energie Steiermark hätten etwa erhebliche Mittel in Personal investiert, um die strengen Sicherheitsvorgaben zu erfüllen.

Angriffe nehmen zu, Selbstversorgung wichtig
Insel der Seligen sind wir aber keine: Auch hier kommt es zu Phishing-Kampagnen gegen Mitarbeitende von Netzbetreibern, versuchten Ransomware-Angriffen auf Energieunternehmen und zu Überlastungsangriffen, um Systeme lahmzulegen. Hohe Investitionen in Systeme, die Turbinen, Notabschaltungen oder Ventile steuern und überwachen, seien wichtig, so Granig. Man kann übrigens auch selbst einiges tun, um sich im Kleinen vor großen Stromausfällen zu wappnen. Auf krisenvorsorge.at findet man etwa eine Liste, was man stets zu Hause lagern und wie man sich im Falle eines Blackouts verhalten sollte.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt