„Krone“-Kommentar

Wieso bei den Prognosen Vorsicht geboten ist

Kolumnen
28.12.2025 06:00

Gewissheiten. Alles schien gelaufen vor einem Jahr. Drei Monate nach den Nationalratswahlen, bei denen die Österreicher der ÖVP unter Karl Nehammer herbe Verluste beschert hatten, während sie die FPÖ mit Herbert Kickl auf Platz 1 katapultierten, dachte man, die Verhandlungen zur Regierungsbildung zwischen ÖVP, SPÖ und NEOS würden in die Zielkurve biegen.

Man sprach von der „Zuckerlkoalition“. Nicht, weil sie als „süß“ eingestuft wurde, sondern schlicht, weil die Farben Türkis, Rot und Pink am ehesten an ein buntes Bonbon erinnerten. Das Zuckerl schien bereits zu „kleben“. Doch Gewissheiten können trügerisch sein.

Überraschungen. Doch dann platzte das Zuckerl, kaum hatte das neue Jahr begonnen. War Karl Nehammer bis zum Absprung der NEOS aus den Verhandlungen am 4. Jänner als Bundeskanzler „gesetzt“, galt plötzlich doch noch Wahlsieger Herbert Kickl fix als künftiger Kanzler. Im März, fast ein halbes Jahr nach den Wahlen, wurde schließlich weder Nehammer noch Kickl als Bundeskanzler angelobt, sondern ein gewisser Christian Stocker von der ÖVP.

Was wir daraus lernen können: Mit den Gewissheiten in der Politik muss es nicht weit her sein. Sie kann dramatisch überraschen – oft nicht nur die Wähler, sondern auch die handelnden Personen selbst. So ist bei Prognosen für das neue Jahr Vorsicht geboten. Denn Überraschungen sind wahrscheinlich. Positive Überraschungen – zumindest möglich.

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