Heute ist Opernball, dieser Staatsakt unserer rot-weiß-roten Operettenrepublik, bei dem sich neben dem Bundespräsidenten die „Seitenblicke“-Gesellschaft zu ihrer Jahreshauptversammlung trifft.
EINERSEITS mögen nun Moralisten gemeinsam mit ewiggestrigen Klassenkämpfern von linksaußen anmerken, dass derlei gesellschaftliches Protzen in Frack und Robe in Zeiten der Krise, des Kriegs und breiter Existenzängste unangebracht sei.
ANDERERSEITS stellt diese, unsere Wiener Ball-Kultur zweifellos eine spezifisch österreichische Tradition dar. Und zu dieser Tradition des beschwingten Gewalzens gehört auch der Hanswurst. Vom sagenhaften lieben Augustin, der stockbesoffen in der Pestgrube schlief, über den Kasperl des Marionettentheaters bis hin zum eigentlichen Ballkönig der vergangenen Jahrzehnte, dem indessen auch längst zur Legende gewordenen Mörtel Lugner, führt diese Traditionslinie.
Dessen Nachfolger vermochten bislang noch nicht so recht Profil zu entwickeln. Da ist Leo Lugner, geborener Kohlbauer, der nach dem Prinzip des Adoptivkaisertums in Mörtels Rolle schlüpfen will, aber noch nicht so recht weiß, ob er primär Society-Löwe, Oppositionspolitiker oder Geschäftsmann ist. Dann ein „Schaumrollen-König“, der am Ball mit einer in die Jahre gekommenen Hollywood-Ikone prunkt. Ob sich da demnächst noch irgendwelche Schwedenbomben-Fürsten oder Mozartkugel-Kaiser dazugesellen, bleibt abzuwarten.
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