Nein, Sie haben sich im Titel nicht verlesen. Der Wiener Stadtrechnungshof hat errechnet: Die Budgetkrise belastet noch viele Generationen.
Aus heutiger Sicht können wir uns kaum vorstellen, wie das Jahr 2394 aussehen wird. Behandeln uns Hologramm-Ärzte wie in Star Trek, leben wir in schwebenden Wolken-Appartements oder können wir uns zur Mars-Kolonie beamen? Niemand von uns wird diese Fragen beantworten können. Was wir aber erschreckenderweise heute schon sagen können: Es wird wohl noch diese 370 Jahre dauern, bis wir – bei guter Finanzführung – den aktuellen Schuldenberg Wiens abgetragen haben.
Wer kommt denn auf so etwas?
Es ist keine absurde KI-Bilanz, sondern der hochrenommierte Stadtrechnungshof hat diese Rechnung erstellt. Nachzulesen im 229 Seiten dicken Bericht über den Rechnungsabschluss für 2024. Darin steht schwarz auf weiß: „Infolge dieser Schuldenentwicklung verschlechtere sich die Kennzahl Verschuldungsdauer von rund 240 Jahren im Jahr 2023 auf rund 370 Jahre im Finanzjahr 2024, die zur gänzlichen Tilgung der bestehenden Fremdmittel durch den Saldo aus der operativen Gebarung benötigt würden.“
Heißt einfach zusammengefasst: Vorausgesetzt, es wird nicht noch schlimmer, dauert das Abtragen des gigantischen Schuldenberges also viele Generationen. Wobei schon das Jahr 2025 dafür sorgt, dass sich die Frist nach hinten verschiebt. Wie berichtet, kommen heuer noch einmal 3,2 Milliarden neue Schulden oben auf den Gipfel drauf.
Mit 61 in Pension
Aber es ist nicht die einzige Rechnung, die am Ende erstaunt. Auch die gemütlichen Beamten-Pensionen werden von den Prüfern kritisiert. Wörtlich heißt es: „Das faktische Pensionsantrittsalter der Beamtinnen und Beamten (exkl. Landeslehrpersonal) lag im Zeitraum 2020 bis 2024 in einer Bandbreite von 60,33 bis 61,01 Jahren und näherte sich mit insgesamt 0,3% nur geringfügig dem Regelpensionsalter von 65 Jahren an.“
Die Experten haben auch errechnet, welche Transferleistungen den Steuerzahlen besonders teuer kommen: Die größten Steigerungsraten wiesen Wiener Linien (+92,8%), Allgemeine Sozialhilfe (+65%), Fonds Soziales Wien (+44,5%) und Zuschüsse an eigene Krankenanstalten (+36,2%) auf.
In der Pro-Kopf-Verschuldung lag Wien übrigens auf Platz vier – noch schlechter: Niederösterreich, Steiermark und Kärnten.
So reagiert die Stadt
Aus dem Büro der aktuellen Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) heißt es: „Die vom Stadtrechnungshof berechnete „Verschuldungsdauer“ von 370 Jahren ist ein rein technischer und vor allem fiktiver Rechenwert, der zukünftige Entwicklungen völlig ausblendet. Diese Kennzahl sagt nichts über die Rückzahlungsfähigkeit, tatsächliche Geschwindigkeit der Rückzahlungen oder die reale Finanzlage Wiens aus. Die „Verschuldungsdauer“ berücksichtigt weder künftige Budgetänderungen noch wirtschaftliche Entwicklungen oder Investitionen.“
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