Forschern aus Wien ist ein medizinischer Coup gelungen: Sie haben ein „Müllabfuhr-Protein“ in unseren Zellen entdeckt, das eine besonders aggressive Form von Blutkrebs bei Kindern ausschalten kann.
Ein Forschungsteam aus Wien hat einen spektakulären Durchbruch geschafft und gibt damit Kindern mit einer besonders gefährlichen Form von Blutkrebs neue Hoffnung. Bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) sorgt oft eine fehlerhafte Gen-Verschmelzung dafür, dass ein gefährliches Krebsprotein entsteht, das das Wachstum der Tumorzellen rasant antreibt. Bisher gab es dagegen kaum wirksame Behandlungsansätze.
Unsere aktuelle Studie weist einen Weg, wie sich Tumorzellen gezielt ausschalten lassen, während gesunde Zellen weitgehend verschont bleiben könnten.
Ecem Kirkiz
Doch jetzt gelang den Forschern der Vetmeduni Wien, der St. Anna Kinderkrebsforschung und dem Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) ein medizinischer Volltreffer: Sie fanden heraus, dass ein unscheinbares Eiweiß in unseren Zellen – das sogenannte SPOP – genau dieses Krebsprotein erkennen und zerstören kann. „SPOP wirkt wie die natürliche Müllabfuhr der Zelle“, erklären die Wissenschaftler. „Wenn es das gefährliche Fusionsprotein findet, wird es abgebaut“.
Das Problem: Bei dieser aggressiven Form von Leukämie ist diese „Müllabfuhr“ oft viel zu schwach – SPOP ist kaum vorhanden, das Krebsprotein sammelt sich an und die Krankheit nimmt einen besonders schweren Verlauf. Das Team wollte wissen: Kann man das Eiweiß SPOP dazu bringen, gezielt mehr von diesem tödlichen Protein zu entsorgen?
Die Antwort lautet: Ja! Die Wiener Forscher bauten im Labor spezielle Moleküle, sogenannte bioPROTACs. Diese wirken wie ein schlauer Vermittler und bringen SPOP direkt an das krebsauslösende Protein heran. Sobald SPOP in Reichweite ist, macht es kurzen Prozess: Das gefährliche Molekül wird vollständig abgebaut. Und das Ergebnis ist erstaunlich. Innerhalb von nur 24 Stunden verschwinden die Krebsproteine aus den Zellen und die Leukämiezellen sterben nach und nach ab.
Dieser Ansatz könnte den Weg für Krebs-Therapien ebnen, die deutlich zielgenauer und schonender sind als bisherige Behandlungen. Darin steckt enormes Potenzial
Florian Grebien
Zum ersten Mal gibt es damit eine Möglichkeit, diesen besonders hartnäckigen Krebs direkt an seiner Wurzel zu packen. Die Wiener Wissenschaftler Florian Gerbien und Ecem Kirkiz haben damit einen Meilenstein erreicht. Sie sprechen von einem neuen Weg, wie Tumorzellen in Zukunft gezielt ausgeschalten werden könnten – nicht nur bei dieser Form von Krebs.
Für betroffene Kinder und ihre Familien bedeutet die Entdeckung vor allem eines – Hoffnung. Wien liefert mit den Ergebnissen von Gerbien und Kirkiz damit einmal mehr ein wichtiges Signal an die internationale Medizin: Die Zukunft der Krebsforschung könnte in der gezielten, maßgeschneiderten Zerstörung krankmachender Proteine liegen. Und genau hier hat Wien jetzt Pionierarbeit geleistet.

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