Als breakdancender und rappender Countertenor bringt Jakub Józef Orliński junge Menschen zur Oper. Im Wiener Konzerthaus setzt er am Montag die ihm gewidmete Porträtserie fort. Ein Gespräch mit dem polnischen Sänger über die Lust am Extremsport, barocke Freiheit und die Freude am Teilen.
Breakdance und Barockmusik – es gibt nicht viele Künstler, die diese beiden Welten miteinander verbinden. Für Jakub Józef Orliński ist beides absolute Herzensangelegenheit: „Es gibt eine tiefe Verbindung zwischen unseren Emotionen und unserer Stimme, aber auch zwischen Emotion und dem Körper als Instrument. Beides ist ein fantastisches Werkzeug, um mit Menschen zu sprechen und Emotionen präzise auszudrücken“, schwärmt er im Interview. Und so kann es passieren, dass der Countertenor zwischen zwei Barockarien auch einmal eine akrobatische Tanzeinlage einbaut.
Das Wiener Konzerthaus porträtiert Orliński in dieser Saison mit einem Schwerpunkt. Mit „Beyond“ präsentiert der junge Pole am Montag Teil zwei der Serie – mit dem Originalklangensemble Il Pomo d’Oro und frühbarocken Arien, Kantaten und Madrigalen: „Das ist eine faszinierende, großteils unbekannte Welt. Wir tauchen in sie mit allen Sinnen ein, wie die Musikertruppen, die im Frühbarock von Dorf zu Dorf gezogen sind. Es wird definitiv etwas, das über ein normales Konzert hinausgeht!“
Jakub Józef Orliński ist nicht nur musikalisch neugierig und reizt Grenzen von Stilen und Genres aus. Er singt Oper, gibt Konzerte, erarbeitet seine eigenen Crossover-Programme. Dazu ist er erfolgreiches Model, medienpräsenter Influencer und hat mit seiner offenen Art die Klassik-Welt im Sturm erobert. Barockmusik zu singen, bedeutet für den Counter „ein Gefühl von Freiheit“: „Es geht nicht nur darum, die Melodien einfach nachzubilden, sondern sie auch auf eigene Weise zu gestalten, zu improvisieren und zu verzieren.“
Die Lust am Leben im Hier und Jetzt
Dass die Bühne sein Zuhause sein würde, war Orliński erst relativ spät klar. Viele Jahre hat er in einem Chor gesungen, dann ein Gesangsstudium begonnen und an ersten internationalen Wettbewerben teilgenommen. Diese ersten Reisen haben ihm die Augen geöffnet für seine Berufung: „Ich habe es sehr genossen, unterwegs zu sein, andere Menschen kennenzulernen, neue Kulturen zu entdecken und zu erkunden. Und das alles mit Musik!“
Beim Musizieren steht für den Sänger das Teilen im Vordergrund: „Wenn du auftrittst, teilst du etwas. Du teilst etwas sehr Intimes mit deiner Stimme. Du kannst dich dabei hinter nichts verstecken. Und ich liebe es, etwas zu teilen.“
Sehnsucht nach Momenten der Ehrlichkeit
Diese Aufrichtigkeit spricht auch das Publikum an: „Wir sehnen uns nach Momenten der Ehrlichkeit. Und danach, Zeit miteinander zu verbringen, ohne zu klicken, ohne auf das Handy, die E-Mails zu schauen. Live-Performance geben uns diese Möglichkeit, ganz im Hier und Jetzt zu sein.“
Zum Breakdance ist Orliński über seine Liebe zum Extremsport gekommen: „Ich habe enorm viel ausprobiert! Skaten mit allen möglichen Tricks, Skateboarden, Skifahren, Snowboarden, Capoeira, Akrobatik. Beim Breakdance habe ich etwas Entscheidendes gefunden: die Kombination aus Musik und extremen Bewegungen. Man kann etwas damit erschaffen.“ Sein Umfeld war anfangs skeptisch bei dieser Kombination, meinten er könne nicht beides haben – das schließe sich körperlich aus.
„Es stimmt schon: Manche Bewegungen kann man vor dem Singen nicht ausführen, weil man dann zu angespannt wäre. Aber es gibt viele Dinge, die sehr gut fürs Singen sind – die nutze ich als Aufwärmübungen, wecke damit die Muskulatur auf.“
Nicht gefangen sein im Käfig Körper
Auch bei der Körperarbeit geht es dem Sänger um Freiheit: „Leider erlebe ich oft, dass Sänger zwar fantastisch klingen, aber körperlich gefangen sind, wie in einem Käfig, steif und verkrampft. Die Stimme ist nicht nur der Kopf, sondern der ganze Körper, der mitschwingt, und deshalb muss man damit arbeiten und ihn sehr gut kennen. Erst dann kann man frei darüber verfügen.“

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